Das Vielblütige Salomonssiegel

Das Vielblütige Salomonssiegel

Vielblütiges Salomonssiegel


Das wunderschöne Salomonssiegel ist im Mai und Juni, in höheren Lagen auch noch im Juli, vor allem in feuchten Laub- und Mischwäldern blühend zu bewundern. Um die interessante, leicht giftige Heilpflanze, ranken sich auch viele Geschichten.

Wie das Maiglöckchen (Convallaria majalis) und der Gemüsespargel (Asparagus officinalis) gehört das Vielblütige Salomonssiegel (Polygonatum multiflorum) zu den Spargelgewächsen (Asparagaceae).

Die oberirdischen Pflanzenteile dieser mehrjährigen Pflanze sterben im Herbst ab. Die verdickten, unterirdischen Rhizome überwintern im Boden. Bricht man die abgestorbenen Triebe an der Ansatzstelle zum Rhizom ab, so erkennt man an der Abbruchstelle eine ringförmige Struktur.

Davon hat das Salomonssiegel seinen schönen Namen: Der berühmte biblische König Salomon besaß angeblich einen Siegelring, mit dessen Hilfe er Dämonen bannen konnte. Laut einer Legende soll König Salomon mit Hilfe des Salomonssiegels übrigens einen Felsen gesprengt haben, der beim Tempelbau im Weg stand. Selbstverständlich denkt man sofort an König Salomons Ring, wenn man die Abbruchstelle des Rhizoms des Salomonssiegels sieht… Übrigens kann das Salomonssiegel angeblich wirklich Felsen sprengen und Quellen aufspüren, und noch vieles mehr. So geht zumindest die Sage.

Aus dem Rhizom der Pflanze treibt im Frühling ein gebogener Trieb mit schraubig oder zweizeilig angeordneten Laubblättern aus. Die sitzenden Laubblätter sind einfach aufgebaut und auf der Oberseite immer dunkler gefärbt als auf der Unterseite.
In Richtung Pflanzenspitze findet man in den Blattachseln wunderschöne, weiße Blüten mit einem grünen Ring an den Zipfeln der Blütenhülle. Pro Blattachsel sind immer 2-5 radiäre Blüten in traubigen Blütenständen angeordnet. Die Blüten duften nicht! Ab dem Spätsommer reifen kleine blaue Beerenfrüchte – die im Übrigen die meisten Giftstoffe enthalten.
Das Rhizom ist auffällig weiß gefärbt, weshalb die Pflanze auch den Namen Vielblütige Weißwurz trägt.

Für die leichte Giftigkeit der Pflanze sind Steroid-Saponine verantwortlich. Darüber hinaus enthält sie Flavonoide, Gerbstoffe und Schleimstoffe.
Das Vielblütige Salomonssiegel ist, wie das verwandte Wohlriechende Salomonssiegel eine alte Heilpflanze, deren Rhizom früher häufig verwendet wurde. Dieses gräbt man für heilkundliche Zwecke vorzugsweise von September bis März aus, da es dann die meisten Inhaltsstoffe enthält.

Die Liste der Beschwerden, bei denen man es einsetzte, ist lang: Aufgrund der Signatur des Rhizoms, das auch an Hühneraugen erinnert, wurden Auszüge daraus bei Hühneraugen aufgelegt.
Auch Hautcremes und Salben für einen schönen Teint sowie gegen Pigmentflecken, Sommersprossen und Narben sind bekannt. Bei Problemen mit Sehnen, Bändern, Gelenken und bei Knochenbrüchen waren Salomonssiegel-Salbe und Breiumschläge häufig verwendete Hausmittel. Innerlich wurde ein Teeauszug bei Entzündungen und Blutungen (z. B. in Magen und Darm), bei Lungenerkrankungen bis zur Tuberkulose, und bei Menstruationsbeschwerden verabreicht.

In aktuellen wissenschaftlichen Artikeln wird auf die mögliche Schädigung der Leber durch die innere Einnahme hingewiesen, was allerdings nicht belegt ist. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) hat das Salomonssiegel seit vielen Jahrhunderten einen wichtigen Platz. Hier kommt es bei Husten, Keuchusten und TBC sowie bei Krämpfen der Gliedmaßen und Diabetes zum Einsatz.

Wir bevorzugen die äußerliche Anwendung in Hautcremes und Salben und schätzen die Pflanze für diese Einsatzgebiete sehr. Von der kulinarischen Verwendung der Pflanze raten wir ab, obwohl das Rhizom angeblich sogar gegessen wird.

Hier unser erprobtes Salomonssiegel-Salben-Rezept:

Zutaten:

– 60 ml Salomonssiegel-Öl
– 60 ml Ringelblumen-Öl
– 10 ml Salomonssiegel-Tinktur
– 15 g Bienenwachs
– 6 g Sheabutter
– evtl. einige Tropfen ätherisches Öl: Weißkiefer, Zirbe

  • Salomonssiegel- und Ringelblumen-Öl im Wasserbad auf 60°C erwärmen, das Bienenwachs einstreuen und langsam rühren, bis das Wachs geschmolzen ist.
    Die Mischung auf ca. 45°C abkühlen lassen und nun die Sheabutter und die Salomonssiegel-Tinktur einrühren.
    Anschließend fügt man einige Tropfen ätherisches Öl bei.
    Die Salbe flüssig in kleine Cremedosen füllen und offen abkühlen lassen.
    Das Glas wird erst verschlossen, sobald die Salbe abgekühlt ist.
    Salomonssiegel-Salbe ist ein altbewährtes Hausmittel bei Entzündungen der Sehnen, Gelenke und Bänder, bei Muskelschmerzen, Verstauchungen und Rückenschmerzen.

So stellt ihr den Ölauszug und die Tinktur aus dem Rhizom des Salomonssiegel her:

Salomonssiegel-Tinktur:

Zutaten:

– 3 frische Rhizome des Vielblütigen oder Echten Salomonssiegels, jeweils ca. 10 cm lang
– ca. 200 ml Alkohol 60%

  • Man lässt das Rhizom des Salomonssiegels über Nacht antrocknen, schneidet es dann in kleine Stücke und füllt diese in ein steriles Schraubglas.
    Anschließend wird das Pflanzenmaterial mit dem Alkohol übergossen.
    Gut verschlossen lässt man den Ansatz drei bis vier Wochen bei Raumtemperatur, hell, aber nicht in der prallen Sonne, ziehen. Wenn möglich täglich schütteln, danach abseihen und in eine dunkle Flasche abfüllen.
    Die Tinktur kann Salben und Cremes beigemischt (maximal 12 %) werden.

Salomonssiegel-Öl:

Zutaten:

– 3 frische Rhizome des Vielblütigen oder Echten Salomonssiegels, jeweils ca. 10 cm lang
– 200 ml hochwertiges, gut haltbares Öl (z. B. kaltgepresstes Oliven- oder Mandelöl)

  • Man lässt das Rhizom des Salomonssiegels über Nacht antrocknen und schneidet es dann in kleine Stücke.
    Anschließend die Pflanzenteile in ein sauberes Schraubglas mit breiter Öffnung geben und das Öl darüber gießen.
    In den ersten beiden Tagen den Deckel nur auf das Glas legen, erst danach fest verschließen. Das Glas für drei bis vier Wochen an einem warmen Ort stehen lassen und täglich schwenken.
    Zuletzt abseihen, die Pflanzenrückstände durch ein feines Tuch in das Öl pressen und in dunkle Fläschchen füllen.

Es gibt in Mitteleuropa noch weitere Salomonssiegel-Arten, wie das Wohlriechende Salomonssiegel (Polygonatum odoratum) oder das Quirlblättrige Salomonssiegel (Polygonatum verticillatum). Sie können genauso wie das Vielblütige Salomonssiegel verwendet werden.