Pflanzenkunde

Gewöhnliches Ruchgras – Anthoxanthum odoratum

Das Gewöhnliches Ruchgras ist eine mehrjährige Grasart und kann durch unterirdischen Ausläufer großflächigere Bestände einnehmen. Mit einer Wuchshöhe von 15 bis 30, seltener über 50 Zentimetern, zählt es im Vergleich zum Gewöhnlichen Glatthafer (Arrhenatherum elatius) eher zu den kleineren Gräsern.

Es wächst gerne in etwas trockeneren und mageren Wiesen und blüht schon ab April mit 2 bis 4 Zentimeter langen, rispigen Blütenständen. Wie jede Grasart, ist auch das Ruchgras windblütig. Die Blütezeit erstreckt sich bis in den Juni hinein. Im Herbst ist das Ruchgras in der Regel nicht mehr blühend anzutreffen. Von der Landwirtschaft aufgrund des schlechten Ertrages und des geringen Futterwertes nicht immer geschätzt, vom Weidevieh aufgrund des bitteren Geschmacks eher gemieden, birgt dieses kleine Gras viele Geheimnisse!

Es enthält Cumarin, welches wie beim Waldmeister (Galium odoratum) einen intensiven Heugeruch nach sich zieht. Unsere Vorfahren verwendeten das Ruchgras gerne für rituelle Handlungen, zum Beispiel für Räucherrituale. Beim Verbrennen entsteht ein heuartiger, süßlicher Duft.  Neben einer entspannenden, beruhigenden Wirkung bei Stresssymptomen und Nervosität wird sogar von fruchtbarkeitsfördernden Wirkungen berichtet.

Aufgrund des Cumarins eignet sich das Ruchgras zum Aromatisieren und Würzen von Säften und Weinen. Alle Pflanzenteile können getrocknet und in der Volksmedizin verwendet werden! Seit alters her wird das getrocknete Ruchgras aufgrund des angenehmen Heugeruchs gerne in Kräuterkissen gegeben. Der getrocknete Wurzelstock wird zu Pulver verarbeitet als Zusatz für Schnupftabak verwendet.

Da Cumarine auf die Blutgerinnung wirken, ist bei innerer Anwendung (z.B. in Form von Tee-Auszügen) erhöhte Vorsicht geboten und der behandelnde Arzt zu kontaktieren!

Meisterwurz – Peucedanum ostruthium

Volksnamen: Kaiserwurz, Ostruz, Ostrutwurz, Haarstrang, Durstwurz, Rauschwurz, Bergwurz, Wurz aller Wurzeln …
Boden & Standort: Hochstaudenfluren und Gebüsche, vor allem in Gebirgsregionen und im Mittelgebirge, Vorkommen bis 2200 m Seehöhe, in Europa von den Pyrenäen bis zu den Alpen heimisch

Beschreibung: die Meisterwurz gehört zur Gattung Peucedanum, d.h. zu den Haarsträngen. Im Gegensatz zu den meisten einheimischen Vertretern besitzt die Meisterwurz einfach – bis zweifach gefiederte Laubblätter mit ähnlich wie beim Giersch (Aegopodium podagraria) relativ großen Blättchen. Die Ränder der Blättchen sind gesägt bis doppelt-gesägt mit einer grannenartigen Spitze am Ende. Im Gegensatz zum Giersch ist der Blattstiel nicht dreikantig und auch nicht mit einer Furche (Rinne) auf der Oberseite des Blattstiels ausgestattet. Die Laubblätter sind im ausgewachsenem Zustand in Summe oftmals 30 bis 40 Zentimeter lang und damit deutlich größer als jenes vom Giersch.

Lebenszyklus: die Meisterwurz ist stehts mehrjährig miteinemweitverzweigten unterirdischem Rhizomgeflecht. Dieses verströmt einen aromatischen Geruch!

Blütezeit: Juni – August
Blütenfarbe: weiß
Blütensymmetrie: meist sind alle Blüten radiär-symmetrisch
Blütenstand: Doppeldolde mit manchmal bis zu 50-strahligen Dolden! die Hüllblätter fehlen und die Hüllchenblätter sind vorhanden.
Essbar/giftig: essbar; Vorsicht: durch Furocumarine wirkt die Pflanze photosensibilisierend.
Sammelzeit: Blätter ab April, Blüten und Samen im Hoch- und Spätsommer, Wurzel von Herbst bis Frühjahr
Inhaltsstoffe: Wurzel: enthält eine weiße Milch, sie enthält Gerb- und Bitterstoffe, ätherische Öle, Ostin, Ostruthin, Furanocumarine, Flavonoide, Gummi und Harze
Verwendete Pflanzenteile: alle Pflanzenteile, besonders aber die Wurzel, die als heilkräftigster Teil der Pflanze gilt, gefolgt von den Samen

Heilkundliche Anwendung:

Im Mittelalter galt die Wurzel der Meisterwurz als Allheilmittel. Wegen der enthaltenen Bitterstoffe wurde sie in erster Linie bei Magen-Darm-Erkrankungen verwendet, nicht nur als Tee, sondern oft auch in Form von Schnaps oder Likör.

Die Pflanze wirkt stoffwechselanregend, immunstimulierend und appetitanregend. Sie wurde früher häufig gegen Rheuma, Gicht und bei Fieber eingesetzt. Auch Inhalation des Tees bei Bronchitis und Asthma war eine häufige Anwendung. Bei hohem Blutdruck und als Vorbeugung gegen Schlaganfall kaute man die Meisterwurz.

Bekannte Hausmittel waren Wundpflaster aus der Pflanze, für deren Herstellung man die zerkleinerten Wurzeln mit Mehl und Wasser vermischte, oder Zugsalbe mit Meisterwurz als Auflage bei eitrigen Wunden.

Kulinarische Anwendung:

Alle Teile der Pflanze duften sehr aromatisch-würzig und sind kulinarisch verwendbar.
Am bekanntesten ist die kulinarische Anwendung der Wurzel, aber auch Blätter, Blüten und Samen eignen sich sehr gut zum Würzen von Speisen.
Es empfiehlt sich, sämtliche Teile der Meisterwurz aufgrund des intensiven Aromas dosiert und zum Würzen zu verwenden, nicht unbedingt als Hauptmahlzeit!

Sämtliche Pflanzenteile passen gut in Suppen, Saucen, Aufstriche und Butter, eignen sich zum Aromatisieren von Ölen, Sirupen, Pestos oder als Trockengewürz. Aufgrund des intensiven Aromas sind Kräutersalz und Suppenwürze mit Meisterwurzblättern, -blüten oder -samen besonders aromatisch. Selbst Süßspeisen wie Mus oder Kaiserschmarrn kann man mit Meisterwurz verfeinern.

Die Wurzeln der einjährigen Pflanzen passen gut in Gemüsesuppen, Aufläufe und Strudel. Man kann sie, fein geschnitten, zu Chips braten oder Weine und Liköre damit ansetzen.
Bei unseren Vorfahren im Alpenraum war die Meisterwurz im Übrigen als Durstlöscher bekannt: War man den ganzen Tag unterwegs, so kaute man zwischendurch ein Stück Meisterwurz. Angeblich verspürte man dann keinen Durst und blieb viel länger bei Kräften.

Sonstiges:

In den nordischen Ländern war die Meisterwurz im Altertum eine hochgeschätzte Kultpflanze. Die Meisterwurz ist hat seit alters her den Ruf, ein starkes Aphrodisiakum zu sein und wurde häufig als libido- und potenzförderndes Mittel verwendet.

Kleines Habichtskraut – macht glücklich

KLEINES HABICHTSKRAUT – Hieracium pilosella

Pflanzenfamilie: Korbblütler – Asteraceae

Volksnamen: Mausöhrlein, Nagelkraut, Felsenblümeli, Langhaariges Habichtskraut
zum Wort „Habicht“: Greifvögel wie Habichte sehen sehr scharf – eine Pflanze für die Sehschärfe, aber auch für den klaren Verstand
Boden & Standort:  sonnige Standorte, magerer Rasen, lichte Wälder, felsiges Gelände,
zeigt trockene, nährstoffarme Böden an
Blütezeit: Mai – Oktober
Essbar/giftig: essbar
Sammelzeit: Blüte und Kraut: Mai bis August, Wurzel: Herbst bis Frühjahr
Inhaltsstoffe: Flavonoide, Gerbstoffe, Cumarine (Umbelliferon), Schleimstoffe, Bitterstoffe, Triterpene (Taraxasterol)
Verwendete Pflanzenteile: gesamtes Kraut,Wurzel
Erscheinungsform:
Das Kleine Habichtskraut erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 30 cm.
Blätter: auf der Oberseite lang behaart (siehe Abbildung), auf der Unterseite graufilzig behaart, grundständig, schmal eiförmig
Stängel: blattlos, teils mit langen beblätterten Ausläufern
Blüten: eine endständige Blüte pro Stängel, auf der Unterseite oft rot gestreift, Hüllblätter behaart

Volksmedizin:

Das Kleine Habichtskraut war schon unseren Vorfahren in der Antike als Heilkraut bekannt. “Sehen wie ein Habicht” … das brachte man mit der Pflanze in Verbindung, da sie sich positiv auf die Sehkraft auswirken soll. Im übertragenen Sinn kann man damit auch in Verbindung bringen, dass das Kleine Habichtskraut geistige Klarheit verschafft. Dafür steht auch die Blütenessenz aus dem Kleinen Habichtskraut, die man auf einfache Weise selbst herstellen kann. Sie soll uns dabei helfen, Vergangenes loszulassen und einer klareren Sichtweise und einem Richtungswechsel Platz zu machen.

Auch die mild schleimlösende, entzündungshemmende und wundheilende Wirkung des Kleinen Habichtskrauts schätzten unsere Vorfahren. Im Mittelalter wurde der Pflanze große Bedeutung als Heilpflanze beigemessen. Man verwendete es unter anderem als Stärkungsmittel für geschwächte, oder verwundete Menschen. In diesem Fall wurde es oft in Kombination mit anderen Pflanzen in Wein gekocht und als Stärkungstrank verabreicht oder getrocknet, pulverisiert und als Pulver eingenommen.

Auch bei Wassereinlagerungen, starker Menstruationsblutung, Übergewicht, Leber-, Nieren- und Blasenleiden, Ohrenentzündungen und zahlreichen anderen Beschwerden wurde das Kleine Habichtskraut eingesetzt.
Neue Untersuchungen haben die stark antioxidative, antibakterielle, entzündungs- und cholesterinhemmende Wirkung der Pflanze bestätigt.

Am ehesten kennen wir das Kleine Habichtskraut heute noch aufgrund seiner entspannenden und stimmungsaufhellenden Wirkung. In manchen Ländern ist es als milder Cannabis-Ersatz bekannt. Eine Teekur mit Kleinem Habichtskraut kann herbstliche Melancholie auf jeden Fall lindern und ist einen Versuch wert! Auch als Kräutertabak tut das Kraut angenehme Wirkung.

Räuchern:

Da wir schon oft über die positven Eigenschaften des Kleinen Habichtskrauts als Räucherwerk gelesen hatten wurde heuer erstmals eine große Menge Blüten und Blätter des Kleinen Habichtskrauts im Garten geerntet und getrocknet.

Auch als Räucherwerk wird das Habichtskraut oft als milder Glücklichmacher beschrieben, der die Stimmung hebt, ohne das Bewusstsein sehr zu beeinflussen. Es stimmt! Eine Räucherung mit Habichtskraut hebt die Laune sofort, entspannt und verweist Sorgen auf die Plätze. In Form einer Räucherung wirkt die Pflanze wie ein mildes Antidepressivum und sorgt für Ausgeglichenheit.
Eine Habichtskraut-Räucherung stärkt auch unsere Intuition und wirkt desinfizierend und reinigend – auch der milde, warme Duft ist etwas Besonderes.

Kulinarik:
Das zarte Pflänzchen kann man auch essen: Die grünen Blätter schmecken unspektakulär “grün” und passen gehackt in Salate, Aufstriche oder Kräuterbutter. Sie können auch Gemüsespeisen aller Art roh oder gekocht beigefügt werden. Allerdings sind sie unserer Ansicht nach kein großes kulinarisches Highlight.

Viel mehr können wir den überaus hübschen, gelben Blüten abgewinnen, die leicht süßlich schmecken und mehr als eine schöne Dekoration sind. Sie machen sich gut in Frischkäse-Terrinen, Mousse, Kräuterbutter, auf Salaten und vielem mehr.
Heuer wurde erstmals auch ein glücklich machender Likör mit Habichtskraut angesetzt – wir werden sehen, ob er an trüben Wintertagen seine Wirkung tut – wir sind uns allerdings ziemlich sicher.

Wir haben verschiedenste kulinarische und volksheilkundliche Anwendungsmöglichkeiten mit dem kleinen Habichtskraut ausprobiert, als Grundlage auch einige Quellen benutzt:
Fleischhauer, Steffen Guido und Jürgen Gutmann, Roland Spiegelberger: Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen. 2000 Pflanzen Mitteleuropas. Bestimmung, Sammeltipps, Inhaltsstoffe, Heilwirkung, Verwendung in der Küche. Aarau: AT Verlag, 2014.
Huber, Ellen: Pflanzenschätze der Ahnen. Linz: Freya, 2017.