Pflanzenkunde

Das Wald-Bingelkraut

Bingelkraut


Das Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis) gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Wie das nahe verwandte Einjährige Bingelkraut (Mercurialis annua) besitzt es keinen weißen Milchsaft, was es von allen anderen Vertretern dieser Pflanzenfamilie unterscheidet.

Wir finden die zarte, bis zu 35 cm hohe Pflanze in Laub- und Mischwäldern, am Uferbereich von kleinen Waldbächen, in Waldgräben und an Hängen. Als Rhizompflanze kann das Wald-Bingelkraut durch unterirdische Ausläufer große Bestände bilden.

Zur äußeren Form des Wald-Bingelkrautes: Die Laubblätter sind einfach und ungeteilt, mit schmal-eiförmiger bis breit-lanzettlicher Blattform, und erinnern ein wenig an Kirschlaub. Jüngere Laubblätter sind hellgrün, ältere dunkelgrün. Die Blätter sind immer gestielt und kreuz-gegenständig angeordnet. Ein auffälliges Merkmal der Pflanze sind Niederblätter in Bodennähe.
Wie auch die Große Brennnessel (Urtica dioica) ist das Wald-Bingelkraut zweihäusig – es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Mit Primeln, Buschwindröschen und Lungenkraut zählt es zu den Frühjahrsblühern und steht jetzt gerade in voller Blüte. Da die Blüten des Bingelkrautes sehr unscheinbar sind, fällt dieser Umstand aber oft kaum auf. Die männlichen Blüten sind ährenartig mit zahlreichen Staubblättern, während die lang gestielten weiblichen Blüten einzeln oder zu zweit erscheinen und zweisamige Fruchtkapseln ausbilden.

Die Pflanze enthält interessante Inhaltsstoffe, die ihre jahrtausende lange Verwendung als Heilpflanze rechtfertigen: So zum Beispiel verschiedene Flavonoide und ätherische Öle, aber auch Saponine, Alkaloide (z. B. Hermidin), Methylamin und Trimethylamin. Im Rhizom sind zudem Blausäureglykoside enthalten.
Zur Zeit der Fruchtreife gilt die Pflanze als schwach giftig, wobei beim Menschen laut Literatur keine schweren Vergiftungserscheinungen bekannt sind. Es können aber sehr wohl Durchfälle und starke Magenbeschwerden auftreten. Die leicht toxische Wirkung des Wald-Bingelkrauts verschwindet beim Trocknen. Tieren kann das Wald-Bingelkraut allerdings sehr wohl etwas anhaben. Es gibt zahlreiche Belege für ernsthafte Erkrankungen von Pferden und anderen Großsäugern, wenn sie zu viel Bingelkraut gefressen haben.

In der Wildkräuterküche findet das Wald-Bingelkraut beim besten Willen keinen Platz, in der Volksmedizin allerdings sehr wohl. Das zarte Pflänzchen ist eine der ältesten bekannten Arzneipflanzen und wurde schon in den Schriften des Hippokrates (4.-5. Jhdt. v. Chr.) erwähnt. In der Antike verwendete man es vor allem als Abführmittel, als harntreibendes Mittel („Bingeln“ mglw. frühneuhochdeutsch = „Harnen“) und bei Frauenleiden (z. B. Menstruationsbeschwerden). Auch bei eitrigen Wunden, Ekzemen, Geschwüren, Verstopfung, verschleimten Bronchien, Appetitlosigkeit und Gicht wurde es schon damals verwendet.

Neuere In-vitro-Studien belegen die Stärkung des Immunsystems und eine ausgeprägt entzündungshemmende Wirkung, die der Pflanze seit alters her nachgesagt wird. Das Wald-Bingelkraut eignet sich sehr gut für die Herstellung von Tinkturen und Ölauszügen, die entweder direkt äußerlich verwendet oder zu Salben und Cremes weiterverarbeitete werden können. Die meisten relevanten Inhaltsstoffe lösen sich am besten in Wasser-Alkohol-Lösungen, welche die besten Auszugsmittel für die Pflanze zu sein scheinen.
Die Pflanze sollte für die Verarbeitung vorher getrocknet werden. Hierbei fällt auf, dass sich getrocknete Pflanzenteile, vor allem das Rhizom, aufgrund bestimmter Inhaltsstoffe oft blau verfärben. Extrakte des Wald-Bingelkrauts sind heute übrigens auch in Augentropfen enthalten, die eine Befeuchtung der Bindehaut fördern sollen. Vor allem in der anthroposophischen Medizin hat die Pflanze heute einen wichtigen Platz (siehe zum Beispiel bei WALA).

Das Wald-Bingelkraut ist seit vorchristlicher Zeit als magische Pflanze bekannt und Bestandteil von Hexensalben: Rezepte sind noch heute überliefert. Auch als Räucherwerk hat es seinen Platz: Räucherungen mit der Pflanze sollen uns mit unseren innersten Kräften in Verbindung bringen, Blockaden auf sanfte Weise lösen und uns vor negativen Einflüssen schützen. Als Frühjahrspflanze lässt es uns jedem Neubeginn mit Zuversicht entgegensehen und verbreitet heitere Stimmung. Das Kraut mit dem leicht holzigem Duft wird meist in Mischungen verräuchert.
Einen interessanten Artikel zu Wald-Bingelkraut findet ihr hier: Wald-Bingelkraut, Zeitschrift für Phytotherapie, 2013

Video: Frühlingssalat mit Buchenkeimlingen und Prachtbecherlingen


In diesem Video stellen wir euch Buchenkeimlinge und den Österreichischen Prachtbecherling – einen interessanten Speisepilz – vor. Wir zeigen euch, wie ihr sie im Wald findet, wie ihr sie erkennt und anschließend schmackhaft zubereitet. So könnt ihr euch im Frühling einfach, rasch und köstlich selbst aus dem Wald versorgen!


Wir freuen uns über ein Like auf YouTube und auch darüber, wenn du unseren Kanal abonnierst!

Der Wiesen-Kerbel

Doldenblütler


Der Wiesen-Kerbel (Anthriscus sylvestris) zählt im Frühling zu den begehrtesten, wild wachsenden Doldenblütlern. Der einzige Grund, der viele Menschen davon abhält, ihn zu nutzen, ist die Verwechslungsgefahr mit giftigen Doldenblütlern.
Verwechslungsmöglichkeiten im Rosettenstadium gibt es vor allem mit der Gemeinen Hundspetersilie (Aethusa cynapium), dem Hecken-Kälberkropf (Chaerophyllum temulum) und dem Gefleckten Schierling (Conium maculatum).

Die zwei- bis mehrjährige Pflanze wächst gerne an etwas feuchteren Stellen, entlang von Wegen, Hecken, Intensivwiesen und an Waldrändern. Der Wiesen-Kerbel gilt als Düngungszeiger (Stickstoffzeiger!) und kann durchaus in größeren Beständen vorkommen. 
Jetzt im Vorfrühling bildet er frische Laubblätter mit 2-3-facher Fiederung aus. Das Laubblatt ist im Umriss dreieckig, die einzelnen Fiederblättchen sind geteilt. Im Gegensatz zum Echten Kerbel (Anthriscus cerefolium) duften die Laubblätter nicht aromatisch. Wer eine gute Nase hat, kann beim Pflücken besonders im Spätwinter einen leichten Duft wahrnehmen. Insgesamt nimmt der Gehalt an ätherischen Ölen beim Wiesen-Kerbel mit Fortdauer des Jahres ab.

Die Pflanze ist reich an Mineralstoffen wie Kalium und Magnesium und Spurenelementen wie Eisen.
Zu den Inhaltsstoffen zählen weiters Glykosid-Verbindungen, Furanocumarine, Bitterstoffe, Flavonoide,
ß-Carotin und Vitamin C.
Volksmedizinisch sind vor allem Teeauszüge aus den Laubblättern und der Wurzel bekannt, die innerlich angewendet antioxidativ, entgiftend und entzündungshemmend wirken. Der Wiesen-Kerbel wirkt auch blutreinigend und entgiftend und eignet sich somit sehr gut für Frühjahrskuren.
Auch bei Erkältungskrankheiten kann die Pflanze, die aufgrund ihrer Inhaltsstoffe schweißtreibend und harntreibend wirkt, gute Dienste leisten. Die enthaltenen Bitterstoffe und ätherischen Öle unterstützen zudem die Verdauung. Äußerlich als Auflage verwendet können die zu Brei zerquetschten Blätter bei Ekzemen und Hautentzündungen heilend und beruhigend wirken.

Kulinarisch hat der Wiesen-Kerbel so Einiges zu bieten: Er hebt sich von anderen Wildkräutern durch seinen dezenten Geschmack in Richtung Anis und Kümmel ab. Die Pflanze duftet nicht aufdringlich, sondern fein. Auch die Laubblätter sind fein, weich und angenehm in ihrer Konsistenz. Zudem ist die Blattrosette im Frühjahr meist üppig und bietet sich oft in großer Menge an.
Die Laubblätter des Wiesen-Kerbels sind roh ein wunderbares Gewürz für Gemüse, Aufstriche oder Fisch. Gekocht ergeben sie feine Füllungen für Nudeln oder Strudel. Auch für Grüne Suppen und Saucen sind sie ideale Ingredienzien. Die zu einer Rübe verdickte Wurzel kann im ersten Lebensjahr der Pflanze als Wurzelgemüse verwendet werden und ist eine willkommene, mineralstoffreiche Abwechslung im Gemüseeintopf oder der Minestrone.

Foto „Gefleckter Schierling“: Barbara Pauzenberger

Die Schwarz-Erle


Die Schwarz-Erle ist ein Wasserzeiger und wächst gerne an feuchten Orten, entlang von Bächen, Seen, Flüssen und in Auwäldern. Oft wurzelt der bis zu 25 m hohe Laubbaum sogar oft direkt im Wasser.
Dennoch benötigt die Schwarz-Erle viel Licht. Seit Urzeiten bringt man sie deshalb mit Licht und Schatten in Zusammenhang – im übertragenen Sinne sah man sie oft als Lebensspenderin wie auch als Baum, der das Leben nehmen kann. Denken wir nur an die berühmte, düstere Ballade vom „Erlkönig“ von Johann Wolfgang von Goethe – es lohnt sich, sie wieder einmal zu lesen.

Doch nun zu einigen botanischen Details zu diesem wunderschönen Laubbaum, der aus unserer Sicht mehr Aufmerksamkeit genießen sollte:

Die Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) gehört zur Familie der Birkengewächse (Betulaceae). Die männlichen Kätzchen sind wie bei der Hasel (Corylus avellana) besonders leicht zu erkennen. Sie hängen an den Zweigenden und sind rötlich-braun gefärbt – wie auch die sich unmittelbar über den Kätzchen befindlichen weiblichen Blütenknospen. 
Ein auffälliges Erkennungsmerkmal sind die, wie übrigens bei allen Erlen-Arten, auf einem zarten Stiel sitzenden rotbraunen schraubig (= wechselständig) angeordneten Spross-Knospen.
Die Schwarz-Erle blüht von Februar bis März, deutlich bevor sie Blätter austreibt. Ihre Laubblätter sind rundlich bis verkehrt-eiförmig und an der Spitze abgestumpft. Die Blattoberseite ist meistens kahl, auf der Unterseite befinden sich in den Nervenwinkeln oft feine, weiße Härchen. 
Die Rinde bei der Schwarz-Erle ist in jungen Zustand eher glatt und dunkel, bei einem älteren Exemplar dunkel und rissig.

Die Schwarz-Erle wird oft mit der Grau-Erle (Alnus incana) verwechselt. Beide Arten wachsen häufig nebeneinander und können zumindest im Sommer leicht voneinander unterschieden werden, da die Grau-Erle im Gegensatz zur Schwarz-Erle zugespitzte Laubblätter besitzt. In höheren Lagen findet man öfter die Grün-Erle (Alnus alnobetula), deren Knospen besonders im Schatten grünlich gefärbt sind. Da die Schwarz-Erle sowohl mit Grau-Erle, der Grün-Erle als auch mit weiteren Erlen-Arten Hybride bildet, ist die Bestimmung nicht immer einfach!

Heilkundlich wurde die Schwarz-Erle in der Antike und im Mittelalter nicht beachtet. Pedianus Disokurides beschrieb sie als nutzlos, und auch Hildegard von Bingen hielt sie für wenig heilkräftig.
Mittlerweile ist unumstritten, dass die Schwarz-Erle als wirksames Hausmittel zur Fiebersenkung verwendet werden kann und auch ausgeprägte entzündungshemmende, ausleitende und blutreinigende Eigenschaften aufweist. Auszüge können auch die Blutbildung anregen und dabei helfen, Giftstoffe aus dem Körper abzutransportieren. Sie stärken das Immunsystem, regen den Lymphfluss an und wirken antibiotisch. Auch bei depressiven Verstimmungen und Melancholie kann die Schwarz-Erle positive Wirkung zeigen.

Für naturheilkundliche Anwendungen können alle oberirdischen Pflanzenteile verwendet werden, am bekanntesten sind Präparate aus Knospen und Rinde. Besonders wirksam sind Gemmo-Mazerate aus Erlenknospen und -kätzchen. Die Rinde wird meist in Form eines Dekokts (Abkochung) verwendet. Blätter und Kätzchen können als Teeaufguss eingenommen werden. Auch Tinkturen kommen zum Einsatz.

Für die heilkundlich interessanten Eigenschaften der Schwarz-Erle sind ihre Inhaltsstoffe verantwortlich. Sie enthält vor allem Gerbstoffe, Flavonoide, Triterpensäuren, Steroide sowie Zucker und Harze. In den Knospen finden sich viele Enzyme, Mineralstoffe und Spurenelemente sowie Beta-Sitosterol.

In der Signaturenlehre wird die Erle vorwiegend den Planeten Saturn, Mond und Merkur zugeordnet. Mit dem Saturn, der unter anderem für chronische Erkrankungen steht, werden die rissige Rinde, die verholzenden Zapfen und der hohe Gerbstoffgehalt in Verbindung gebracht. Die Nähe zum Wasser deutet auf den Mond hin, während Windbestäubung und Kätzchenbildung auf den Merkur weisen.
Wird die Schwarz-Erle verletzt oder gefällt, so verfärbt sich das Holz an der Schnittstelle rötlich, weshalb auch der Mars eine gewisse Bedeutung für die Pflanzensignatur hat.

Im Volksglauben schrieb man der Schwarz-Erle  auf Grund der blutigen Erscheinung ihres Holzes zahlreiche Bedeutungen zu. Meist waren diese mit einer gewissen Schwere wie Trennungsschmerz, Trauer oder bösen Geistwesen verbunden. Insgesamt wurde die Schwarz-Erle oft als Mittlerin zwischen Ober- und Unterwelt gesehen.

Kulinarisches zur Schwarz-Erle findest du im nächsten Blog-Beitrag:

Die Kraft der Hasel

Haselkätzchen


Der Monat Jänner ist für uns der Monat der Haselkätzchen, die wir aus vielerlei Gründen schätzen – heilkundlich wie kulinarisch. Grund genug für eine etwas eingehendere Beschäftigung mit der Hasel – auch in botanischer und mythologischer Hinsicht.
Die nahrhaften Samen der Hasel, die allseits beliebten Haselnüsse, wurden schon vor 10.000 Jahren als Nahrungsmittel verwendet, wohl unter anderem aufgrund ihrer langen Haltbarkeit. Doch die Hasel hat uns das ganze Jahr über gesundheitlich und kulinarisch viel zu bieten.

Die Gewöhnliche Hasel (Corylus avellana) gehört zur Familie der Birkengewächse (Betulaceae). Sie wächst meist als 1 bis 8 Meter hoher Strauch, in seltenen Fällen als kleiner Baum. Die Hasel besiedelt zahlreiche Lebensräume und bevorzugt dabei feuchte, gut durchlüftete Böden. Bei Ausflügen in der Natur begegnen wir ihr besonders oft an Waldrändern, in Auwäldern, lichten Laub-Mischwäldern, Hecken und als Pionierpflanze an Kahlschlägen. Aufgrund ihrer Schnittverträglichkeit gehört die Hasel zu den robusteren Gehölzen und wird gerne in Gärten und Hecken gepflanzt.

Die einjährigen Triebe sind bräunlich gefärbt und fein samtig behaart. Die Hasel ist eine einhäusige, aber getrenntgeschlechtliche Pflanze: Männliche und weibliche Blüten werden getrennt voneinander ausgebildet, befinden sich aber auf ein und derselben Pflanze. Die männlichen Blüten werden als Kätzchen ausgebildet und sind anhand ihrer länglichen Form leicht zu erkennen. Die weiblichen Blüten sind recht unscheinbar, aber bei genauerem Hinsehen wunderschön. Sie reichen in der Hauptblütezeit als kleine, rötliche Narbenäste aus der Blütenknospe heraus (siehe Titelfoto). Abgesehen von den männlichen Kätzchen sind die Knospen eiförmig und an der Spitze abgestumpft. Sonnenzugewandt sind die mehrschuppigen Knospen bräunlich bis rötlich gefärbt, im Schatten sind sie grünlich.

Auch heilkundlich ist die Hasel überaus interessant. Jetzt im Winter stehen Kätzchen und Knospen im Vordergrund, die reich an wertvollen Inhaltsstoffen wie Flavonoiden, β-Sitosterin, organischen Säuren, Enzymen, Mineralstoffen, Gerbstoffen und ätherischen Ölen sind.

Naturheilkundlich werden Knospen und Kätzchen der Hasel vor allem in der Gemmotherapie (Gemma, lat. = Knospe) als Mazerat eingesetzt. Dieses kann vor allem Lungenerkrankungen, die Blutgerinnungsfähigkeit und die Anregung des gesamten Stoffwechselsystems positiv beeinflussen. Auch die Blutbildung sowie Leber und Galle können dadurch angeregt werden.
Ein Teeauszug aus Haselkätzchen wurde von unseren Vorfahren gerne zur Fiebersenkung bei Erkältungskrankheiten getrunken.
 
Haselblätter werden volksmedizinisch ab April  bei denselben Indikationen in Form eines Teeaufgusses eingesetzt. Bekannt ist auch ihr positiver Einfluss auf die geistige Leistungsfähigkeit, Nerven und Immunsystem. Die frische, im April geerntete Rinde der Haseln verwendete man früher zum Stillen von Blutungen und ebenfalls zur Fiebersenkung. Blätter und Rinde sind reich an Gerbstoffen und enthalten darüber hinaus Betulin und ätherisches Öl. In den Blättern findet man auch Palmitinsäure, Paraffin, Saccharose und β-Sitosterin.
Auch auf die energiereichen Nüsse soll in diesem Zusammenhang verwiesen werden. Sie enthalten bis zu 70% Fettes Öl und sind reich an Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen.

Auch die Signatur der Hasel gibt uns interessante Hinweise auf ihr großes Wirkungsspektrum.
Haseln sind Pionierpflanzen und befruchten sich über Windbestäubung. Sie wachsen rasch und strahlen etwas Jugendliches, Leichtes aus. Daraus leitet man in der Signaturenlehre den Planeten Merkur, das vermittelnde und beweglich Urprinzip, als Hauptaspekt ab.
Der oftmals feuchte Standort deutet auf die Signatur des Mondes hin. Die auffallend geraden, langen und dünnen Triebe dienen Wünschelrutengängern seit alters her als kraftvolle Energieleiter beim Aufspüren von Wasseradern. Aufgrund ihrer steil nach oben gerichteten Wuchsform werden sie dem Planeten Mars zugeordnet. In den herzförmigen Früchten wie in den harmonisch gegliederten und ebenfalls teilweise herzförmigen Laubblättern sieht man das Prinzip der Venus. Besonders die Früchte der Hasel galten schon im Altertum als Aphrodisiaka.

Als Schutzpflanze gegen negative Kräfte wurden Haseln übrigens früher gerne rund um wichtige Gebäude und Plätze gepflanzt. Die Kelten verbanden die Hasel mit Weisheit und Inspiration.
Es gibt also viele Gründe, um die Hasel öfter zu nützen oder im Garten zu pflanzen.

KULINARISCHES zur Hasel samt einem Rezept für Haselknöpfe findet ihr in diesem Beitrag: Knusprige Haselknöpfe

Interessante Literatur zum Thema:
Ganz, Chrischta: Gemmotherapie. Knospen in der Naturheilkunde. Aarau u. Mänchen: AT Verlag, 2015.
Strassmann, Renato: Baumheilkunde. Heilkraft, Mythos und Magie der Bäume. Linz: Freya, 2017.

Der Gemeine Wacholder – Botanisches und Heilkundliches

Gemeiner Wacholder

Gemeiner Wacholder (Juniperus communis)

Der Gemeine Wacholder ist in der Umgangssprache bei uns auch unter dem Namen Kranawetten oder Kranawitn bekannt und zählt zur Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae). Der mit immergrünen, kleinen, stechenden Nadeln besetzte Strauch oder seltener kleine Baum kommt österreichweit vor. In einigen Gebieten, wie im Burgenland ist er gefährdet und sollte daher nicht gepflückt werden!

Die wirtelig angeordneten Nadeln erreichen eine Größe von plus minus 1,5 Zentimetern. An ihrer Oberseite befindet sich ein auffälliger, bläulich-weiß gefärbter Wachsstreifen. Der Gemeine Wacholder ist meistens zweihäusig, das heißt, es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Die Blütezeit reicht je nach Höhenlage von Ende März bis in den Juni hinein. Die Blüten der männlichen Vertreter enthalten nur den Pollen und bilden keine Samen aus! Aus den Blüten der weiblichen Vertreter entwickeln sich die Früchte, die botanisch gesehen Zapfen sind, umgangssprachlich aber als Beeren bzw. Beerenzapfen bezeichnet werden. Anfangs sind diese grünlich, bis zur Endreife nach zwei oder gar drei Jahren verfärben sie sich schließlich schwarz.

Es gibt vom Gemeinen Wacholder einige Unterarten oder nah-verwandte Arten. Dazu zählen der Heide-Wacholder (Juniperus communis subsp. communis) und der Alpen-Wacholder (Juniperus subsp. nana). Ihre Einsatzgebiete decken sich in Kulinarik und Volksmedizin mit dem Gemeinen Wacholder. Wer schon einmal in Italien oder Kroatien auf Urlaub war, der könnte Bekanntschaft mit dem Stech-Wacholder (Juniperus oxycedrus) gemacht haben. Seine Beeren sind bei der Endreife im Gegensatz zum Gemeinen Wacholder bräunlich gefärbt und viel größer. Außerdem schmecken sie süßlich!
Weltweit gibt es viele Wacholder-Arten, die, wie ihre Kreuzungen, gerne im Ziergartenbereich eingesetzt werden. Sie können selbst von Fachleuten oft nur schwer bestimmt werden. Außerdem gibt es giftige Vertreter, wie den seit der Antike bekannten und in allen Pflanzenteilen giftigen Sadebaum (Juniperus sabina).

Der Gemeine Wacholder enthält in den Ästen, Zweigen und Nadeln Gerbstoffe und ätherische Öle, aber keine Harze. Die „Wacholderbeeren“ enthalten Flavonoide, Gerbstoffe, Harze, bis zu 30 % Zucker und ätherische Öle, allerdings in einer anderen Zusammensetzung als im Holz.

In der Volksmedizin besitzt der Wacholder wertvolle Einsatzgebiete. Es werden vor allem die frischen oder getrockneten Früchte in Form einer Tinktur oder eines Teeauszugs verwendet. Einige Kräuterexperten empfehlen auch das Kauen der getrockneten Beerenzapfen. Anwendungsgebiete sind vor allem Verdauungsprobleme, Rheuma und Gicht, Harnwegsinfekte, Blähungen und Sodbrennen. Die innere Einnahme wirkt harntreibend und blutreinigend.
Aufgrund seiner ätherischen Öle wird der Gemeine Wacholder auch äußerlich bei Einreibungen oder Heilbädern verwendet. Da die ätherischen Öle reizend wirken, sollte der Wacholder nicht zu lange angewendet werde.
Der Wacholder besitzt übrigens auch antivirale und keimtötende Wirkung – Eine Wacholderbeeren-Kur wäre in Zeiten wie diesen eine gute Idee!

Wie ihr den Wacholder kulinarisch verwenden könnt, findet ihr hier: Kulinarisches zum Wacholder

Wiesen-Löwenzahn


Heublume, Kuhblume, Honigblume, Pusteblume, Butterblume…….- kaum eine Wildpflanze besitzt so viele umgangssprachliche Namen wie der Gewöhnliche Löwenzahn, unser „Wiesen-Löwenzahn“ (Taraxacum sp.). Er zählt wie die Große Brennnessel (Urtica dioica) oder das Gänseblümchen (Bellis perennis) zu den bekanntesten und zugleich zu den beliebtesten heimischen Wildpflanzenarten.

Die Systematik hat es wirklich in sich! Hinter dem „Wiesen-Löwenzahn“ verbergen sich viele kleinere und größere Gruppen von Unterarten oder dem Wiesen-Löwenzahn ähnlichen Arten, die nur schwer bestimmbar oder noch nicht ausreichend erforscht sind. Diese werden alle in der Sektion Taraxacum sect. Ruderale zusammengefasst. In verschiedenen Büchern und Internetseiten wird auch noch der ältere wissenschaftliche Name Taraxacum officinale agg. verwendet.
Es besteht auf jeden Fall große Verwechslungsgefahr mit anderen Löwenzahn-Arten aus der Gattung Taraxacum oder zum Beispiel dem Herbstlöwenzahn (Scorzoneroides autumnalis) und anderen Rosettenpflanzen! Dazu zählen vor allem die Wegwarte (Cichorium intybus), das Ferkelkraut (Hypochaeris radicata) und der Wiesen-Pippau (Crepis biennis).  Für eine exaktere Bestimmung empfehlen wir die Exkursionsflora von Österreich, Liechtenstein und Südtirol (Fischer et al. 2008, 3. Auflage).

Der Wiesen-Löwenzahn besitzt eine grundständige Blattrosette mit einer Pfahlwurzel. Die Ränder der Laubblätter sind unregelmäßig scharf gezähnt. Die Hauptblütezeit liegt im April und Mai. Aus diesem Grund trägt die Pflanze wohl auch den Namen Maiblume. Man kann einzelne Exemplare aber auch noch im November blühend vorfinden.
Als ein Vertreter der Pflanzenfamilie der Korbblütler (Asteraceae) besitzt er einen Scheinblütenstand, der aussieht, als ob es sich um eine einzige Blüte handelt. Jedoch handelt es sich um lauter einzelne, aber sehr zahlreich anzutreffende, gelbe Zungenblüten, die in einem Körbchen zusammengefasst sind. Aus jeder Zungenblüte kann sich eine kleine Frucht mit Flugschirm entwickeln. Bei der Frucht handelt es sich wie bei der Sonnenblume (Helianthus annuus) um eine Nussfrucht! Somit bringt jedes Körbchen eine reichhaltige Nachkommenschaft an jungen Löwenzahnpflänzchen hervor.
Das Körbchen sitzt auf einem hohlen, blattlosen Stiel. Um das Körbchen herum befinden sich mehrere, nach unten gerichteter Hochblätter und die Blütenknospe schützende Hüllblätter. Auffällige Erkennungsmerkmale des Wiesen-Löwenzahns sind der hohle Stängel des Blütenstandes sowie die hohle Mittelrippe (= Hauptnerv) der Laubblätter. Sämtliche Organe des Wiesen-Löwenzahns geben bei Verletzung einen weißen, klebrigen Milchsaft ab.

Neben Bitterstoffen (v.a. Taraxin) und Inulin besitzt der Wiesenlöwenzahn eine Vielzahl an für die menschliche Ernährung essentiellen Inhaltsstoffen. Es sind vor allem Phytosterine, Schleimstoffe, Flavonoide, Zucker in Form von Fruktose, Cumarin-Verbindungen, Eiweiße, wertvollste Vitamine und Mineralstoffe enthalten, in der Wurzel zudem Gerbstoffe und ätherisches Öl. Besonders der Gehalt an Vitamin C und Mineralstoffen sind herausragend!

Seit der Antike werden Auszüge aus allen Pflanzenteilen bei Verdauungsproblemen, zur Blutreinigung und als harntreibendes Mittel verwendet. Uns allen ist bekannt, welch großartiges Hausmittel der Löwenzahn bei Leberleiden, Steinleiden, Stoffwechselstörungen und auch bei Rheuma und Gicht ist. Besonders empfehlenswert ist eine Entschlackungskur mit Löwenzahn im Frühjahr, egal, ob in Form einer Teekur mit den frischen Blättern und Blüten oder mit dem Presssaft.

Hier geht es weiter mit der kulinarischen Nutzung des Wiesen-Löwenzahns und eine Löwenzahnwurzel-Parfait: Löwenzahnwurzel kulinarisch

Abbildungsnachweise in diesem Beitrag:
Ferkelkraut: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumble/e//e6/HypochaerisRadicata2.jpg
Wegwarte: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cichorium_intybus_kz02.jpg

Die Gewöhnliche Berberitze

Berberitze


Bei der Gewöhnlichen Berberitze (Berberis vulgaris) handelt es sich um einen stechenden Strauch, der österreichweit vorkommt. Sie gehört zur Familie der Berberitzengewächse (Berberidaceae). Diese Familie kommt hauptsächlich im asiatischen Raum und im östlichen Nordamerika vor. Mit ihren meist grün gefärbten Laubblättern ist sie ursprünglich die einzige einheimische Berberitzen-Art!
Da sie dem Getreideschwarzrost (=Rostpilz) als Zwischenwirt dient, der in weiterer Folge die Halme von Getreide auf den Feldern schwarz färbt, wurde die Berberitze in einigen Gegenden im Osten Österreichs stark zurückgedrängt!

Im Ziergartenbereich findet man besonders oft Vertreter mit rötlichen Laubblättern, doch es gibt auch Berberitzen-Arten mit immergrünen Laubblättern. Die stets schraubig (gleichbedeutend mit wechselständig oder spiralig) angeordneten Laubblätter sind kurz gestielt und ziemlich klein, oval bis eiförmig und an den Rändern gezähnt. Unter den Laubblättern befinden sich oft 1- , 3- bis 7-teilige Dornen, die bei Berührung ganz schön unangenehm stechen können. Aus botanischer Sicht handelt es sich bei den Dornen ursprünglich um Laubblätter, die im Laufe der Evolution zum Zweck der Verteidigung gegenüber Fraßfeinden in Dornen umgewandelt wurden. Man spricht von sogenannten Blattdornen. Auffällig ist, dass die Laubblätter an der Spitze der Kurztriebe sitzen und die Blattdornen sich immer an deren Basis befinden. Es kann auch vorkommen, dass einige Triebe der Berberitze dornlos bleiben. Das ist besonders bei älteren Trieben oder generell mit zunehmendem Alter des Strauches der Fall.

Die kräftig gelb gefärbten, radiärsymmetrischen Blüten erscheinen im Mai in traubigen Blütenständen. Die Blüten besitzen einen etwas eigenartig anmutenden, stechenden Geruch. Verantwortlich dafür ist der Inhaltsstoff Trimethylamin. Er besitzt zumindest eine leichte Giftigkeit, und so kann es beim Verschlucken zu Verätzungen der Speiseröhre und der Magenschleimhaut kommen. Auch Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen können die Folge sein. Außerdem wirkt Trimethylamin reizend auf Augen und Nasenschleimhäute! Eine Besonderheit der Blüten liegt in der Beweglichkeit der Staubfäden. Wird die Blüte von einem Insektenbesucher aufgesucht, so klappen diese schlagartig in die Mitte der Blüte zum Griffel. Durch diesen Mechanismus soll der Pollen auf das Insekt übertragen werden. Wer den Bewegungsmechanismus selbst hautnah beobachten möchte, der braucht die Staubblätter nur mit dem Zahnstocher zu berühren und schon klappen die Staubblätter zusammen.

Die essbaren und sehr säuerlich schmeckenden Früchten sind Beerenfrüchte. Daher rührt auch der umgangssprachliche Name Sauerdorn. Alle anderen Organe der Pflanze, besonders aber die Wurzel sind durch unterschiedlich hohe Alkaloid-Gehalte (z.B. Berberin) giftig und damit nicht für den Verzehr zu empfehlen. Darüber hinaus liegen uns über die zahlreichen Berberitzen-Arten und gezüchteten Sorten aus dem Ziergartenbereich keine Informationen bezüglich Essbarkeit oder Giftigkeit der Früchte vor. Hier ist von einem Verzehr ebenfalls abzuraten!

Die Früchte der Gewöhnlichen Berberitze sind reich an Vitamin C und Gerbstoffen. Sie können auf vielfältige Weise verarbeitet werden. Da sie sehr klein sind und man beim Pflücken viel Zeit benötigt, um die benötigten Mengen zum Verarbeiten zu erhalten, erfreut sich deren Verwendung weniger Bekanntheit als die anderer Wildfrüchte. Im arabischen Raum bilden Berberitzen-Früchte einen festen Bestandteil in der Küche. Dort werden sogar kernlose Sorten gezüchtet! Mehr über die kulinarische Verwendung findet ihr in unserem nächsten Blogbeitrag: Köstliche Berberitze

In der Volksmedizin besaß die Berberitze durchaus Bedeutung. Anscheinend wussten unsere Vorfahren trotz der Giftigkeit die Berberitze, diese wirkungsvoll einzusetzen. Die Wurzel wurde ausgegraben, anschließend schälte man die Rinde ab und stellte daraus einen Teeauszug (Heißauszug) her. Dieser soll besonders die Gallentätigkeit anregen, sowie generell positiv auf das gesamte Verdauungs- und Entgiftungssystem des Körpers einwirken. Ebenso wurden aus der Wurzelrinde alkoholische Auszüge (Tinkturen und Mazerate) hergestellt und eingenommen. In der Homöopathie wird die Berberitze bei lymphatischen Problemen und bei Infektionen der Harnblase und des Harnleiters verwendet.

Wissenswertes zur Brombeere

Brombeeren

Die Bezeichnung „Brombeere“ geht auf die althochdeutsche Wort brama oder brāmberi zurück. Wörtlich bedeutet das so viel wie Beere des dornigen Strauches, Dornbuschbeere oder stacheliger Strauch. In der deutschen Umgangssprache werden für sämtliche Brombeer-Arten meist gleichbedeutende Namen verwendet: Kratzbeere, Brämel, Brambeere, Braunbeere, Hirschbeere, Heckenbeere, Brenndorn, Brennbeere.

Wer denkt, dass es in Österreich nur wenige Brombeer-Arten gibt, wird beim Lesen von qualitativ hochwertiger Bestimmungsliteratur erstaunt oder sogar verwirrt sein, denn es gibt hierzulande weit über hundert Arten von Brombeeren! Eine Besonderheit der meisten Brombeer-Arten ist, dass sie ihre Samen ungeschlechtlich, das heißt ohne Befruchtung ausbilden. Trotzdem ist interessanter Weise eine Bestäubung nötig.

Brombeeren sind generell mehrjährige Sträucher. Ihre grünlich gefärbten Triebe sind in Verbindung mit Sonnenlicht oft rötlich überlaufen. Charakteristisch für viele Brombeer-Arten ist ein dichter Überzug mit Stacheln am Trieb sowie auf der Unterseite des Laubblattes. Bleibt man an einem Trieb hängen, lösen sich die Stacheln vom Trieb und bleiben in der Kleidung haften. Im Vergleich dazu haben Dornen eine feste Verbindung zum Holz und würden sich daher nicht so leicht vom Trieb lösen. Achtung: Himbeeren besitzen viel feinere oder gar keine Stacheln, da ihre Triebe nicht zum Klettern dienen! Auch viele Sorten der Garten-Brombeere sind frei von Stacheln. 

Bei den Früchten handelt es sich botanisch gesehen eigentlich nicht um Beerenfrüchte, sondern um sogenannte Sammelsteinfrüchte, da in jeder einzelnen Kammer ein kleiner Steinkern enthalten ist. Die Früchte werden immer an den zweijährigen Trieben ausgebildet.

Hier noch einige botanische Details:
Die Laubblätter sind schraubig angeordnet und stets unpaarig gefiedert. Meist befinden sich an einem Laubblatt 3- bis 7 gezähnte Blättchen. Die rosa- bis weißen Blüten sind radiärsymmetrisch in rispigen Blütenständen angeordnet. Anfangs sind die Früchte grün, ab der mittleren Reife bei vielen wilden Brombeer-Arten oft rötlich gefärbt. Erst gegen Ende des Sommers reifen schließlich die dunkelblauen bis schwarzen Früchte heran. In trockenen Jahren gelangen diese aber oft nicht bis zur Endreife und vertrocknen oder werden vorher abgeworfen.
Im Vergleich zur Himbeere lassen sich die Früchte der Brombeere schwerer pflücken, weil der Blütenboden mit dem Fruchtfleisch verbunden bleibt – was bei der Himbeere nicht der Fall ist.

In der Natur kommen durchaus Hybride aus verschiedenen Eltern-Arten vor, deren Ursprünge sich schwer rückverfolgen lassen. Das erschwert eine exakte Bestimmung trotz geringer genetischer Variabilität deutlich. Hier gibt es also noch Forschungsbedarf. [Dazu siehe Exkursionsflora von Österreich, Liechtenstein und Südtirol, 3. Aufl. (Fischer et al. 2008, ab S. 510)].

Innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) werden die Brombeeren ebenso wie Himbeeren zur Gattung Rubus gezählt. Innerhalb der Gattung sind die einheimischen Brombeer-Arten Rubus noch einmal in drei Sektionen (sectio) eingeteilt, und zwar in folgende:

1) Rubus sectio Rubus
Diese Sektion umfasst Arten, die zu den „Eigentlichen Brombeeren“ gezählt werden. Dazu zählen zahlreiche Brombeer-Arten, die früher unter der „Artgruppe“ Rubus fruticosus agg. zusammengefasst waren, unter anderem kultivierte Zuchtformen der Gartenbrombeere und die „klassische“ Wilde Brombeere. Heute wird der Name Rubus fruticosus agg. nur noch verwendet, wenn zwischen den verschiedenen Arten keine weitere Unterscheidung getroffen wird.

2) Rubus sectio Corylifolii
Hier werden Arten der sogenannten„Haselblatt-Brombeeren“ aufgelistet, die großteils unbekannt sind.

3) Rubus sectio Caesii
Diese Sektion beinhaltet nur eine einzige Art, die Gewöhnliche Kratzbeere (Rubus caesius).

Hier noch eine kleine Auswahl der Arten:

Loch-Ness-Brombeere – Rubus nessensis subspecies nessensis
Die Loch-Ness-Brombeere ist bei uns auch unter dem Namen Fuchsbeere bekannt. In einigen Gegenden gilt sie auch als die Wilde Brombeer-Art schlechthin. Sie bildet kräftige Triebe aus, die mit zahlreichen und ziemlich großen Stacheln besetzt sind. Die Triebe sind grünlich und rötlich gefärbt. Es werden besonders gerne Waldränder, Böschungen und Kahlschläge besiedelt. Kalkböden werden eher gemieden! Die Früchte besitzen bei der Endreife eine schwarze Färbung.

Kratzbeere – Rubus caesius
Die Kratzbeere ist auch unter den Namen Auen-Brombeere und Bereifte Brombeere bekannt. Die gesamte Pflanze ist in ihrem Wuchs deutlich kleiner als die Wilde Brombeere. Die Triebe sind sehr dünn und mit zahlreichen kleinen, feinborstigen Stacheln besetzt. Die Früchte sind auffällig bläulich gefärbt und bereift und schmecken sehr säuerlich. Nur in sonnigen Lagen können sie einen süßlichen Geschmack entwickeln. Im Prinzip können die Früchte aber genauso wie die der Wilden Brombeere verwendet werden. Die Kratzbeere zählt zu den bekanntesten Brombeer-Arten, da sie österreichweit sehr häufig vorkommt.

Filz-Brombeere – Rubus canescens
Die Filzbrombeere ist nur schwer von anderen Arten der Sektion Rubus sectio Rubus zu unterscheiden! Sie besitzt aber auf der Blattunterseite feine Härchen, wodurch sich das Laubblatt im Vergleich zu vielen anderen Arten weich anfühlt. Die dichtbehaarten Blütenstände können sehr groß werden und besitzen eine pyramidenartige Form. Die Früchte sind wie bei allen Brombeer-Arten essbar.

Hier geht’s weiter mit Heilkundlichem zur Brombeere: Heilkundliches zur Brombeere

Die Quecke – ein altbekanntes Gras mit Potential

Kriechquecke

Bei all den Kräutern, die wir für kulinarische Zwecke und in der Volksmedizin verwenden, wird auf einen möglichen Einsatz der Gräser vollkommen vergessen. Der Grund besteht sicher darin, dass man verschiedene Gras-Arten nur schwer voneinander unterscheiden kann und es nur wenige wissenschaftliche Forschungsergebnisse gibt! Außerdem dienen Gräser hauptsächlich als Futter für Wiederkäuer.

Am Beispiel der Kriech-Quecke (Elymus repens) wird aber deutlich, dass Gräser durchaus verwendet werden können. Der deutsche Name Quecke stammt von „queck“ was man mit „Zählebigkeit“ oder „Beständigkeit“ übersetzen könnte. In der Umgangssprache kennt man die Quecke auch unter den Namen Beier.

Die Quecke besitzt dünne, schmale, grüne bis blaugraugrüne Laubblätter, der Blütenstand ist eine Ähre. Die Hauptblütezeit reicht von Juni bis August. Es werden unterirdische Ausläufer (Rhizome) gebildet, die in jeden Spalt eindringen und sich über große Flächen ausbreiten können. Egal ob auf Äckern, in Blumen- und Gemüsebeeten, an Wegrändern, entlang von Eisbahnlinien, ruderalen Saumgesellschaften, sandigen und schottrigen Flächen wie dem Beachvolleyballplatz – die Quecke ist ein Störflächenbewohner (Pionierpflanze)! In der Landwirtschaft und bei Gartenliebhabern erfreut sie sich aufgrund ihrer starken Tendenz zur Ausläuferbildung nicht gerade über eine allzu große Beliebtheit, denn selbst mit dem stärksten Spaten und durch noch so sorgfältiges Sieben der Beeterde kann man sie nicht vertreiben. Ein Mini-Spitzchen von einem Rhizom genügt, und schon wächst eine neue Pflanze heran. Viele Menschen hassen sie!  

Das deutet aber auf einen hohen Gehalt teilungsfähiger Zellen mit wertvollen Inhaltsstoffen in den Rhizomen hin. Es sind unter anderem Zuckerverbindungen, Schleimstoffe, Kieselsäure, Eiweiße, Vitamin C und sogar Carotin enthalten! In Notzeiten, wie im 2. Weltkrieg diente die Quecke bei uns als Nahrungsmittel, in einigen zentralasiatischen Staaten wird sie bis heute verwendet. Dazu werden die Rhizome in den Wintermonaten, zwischen September und März ausgegraben, gereinigt und im frischen Zustand für Suppen, Salate und Gemüsegerichte zubereitet. Das Rhizom kann aber auch getrocknet und als stärkehaltiges Streckmehl für Brote verwendet werden.

In der Volksmedizin als auch in der klassischen Medizin kommen die getrockneten Rhizome nach wie vor zum Einsatz! Aufgrund der enthaltenen Kieselsäure wirkt die Quecke harntreibend und ausleitend. Sie gilt auch als altes Hausmittel bei Nierensteinen, Harnwegsinfekten und bei Rheuma.