Pflanzenkunde

Die Kraft der Hasel

Haselkätzchen


Der Monat Jänner ist für uns der Monat der Haselkätzchen, die wir aus vielerlei Gründen schätzen – heilkundlich wie kulinarisch. Grund genug für eine etwas eingehendere Beschäftigung mit der Hasel – auch in botanischer und mythologischer Hinsicht.
Die nahrhaften Samen der Hasel, die allseits beliebten Haselnüsse, wurden schon vor 10.000 Jahren als Nahrungsmittel verwendet, wohl unter anderem aufgrund ihrer langen Haltbarkeit. Doch die Hasel hat uns das ganze Jahr über gesundheitlich und kulinarisch viel zu bieten.

Die Gewöhnliche Hasel (Corylus avellana) gehört zur Familie der Birkengewächse (Betulaceae). Sie wächst meist als 1 bis 8 Meter hoher Strauch, in seltenen Fällen als kleiner Baum. Die Hasel besiedelt zahlreiche Lebensräume und bevorzugt dabei feuchte, gut durchlüftete Böden. Bei Ausflügen in der Natur begegnen wir ihr besonders oft an Waldrändern, in Auwäldern, lichten Laub-Mischwäldern, Hecken und als Pionierpflanze an Kahlschlägen. Aufgrund ihrer Schnittverträglichkeit gehört die Hasel zu den robusteren Gehölzen und wird gerne in Gärten und Hecken gepflanzt.

Die einjährigen Triebe sind bräunlich gefärbt und fein samtig behaart. Die Hasel ist eine einhäusige, aber getrenntgeschlechtliche Pflanze: Männliche und weibliche Blüten werden getrennt voneinander ausgebildet, befinden sich aber auf ein und derselben Pflanze. Die männlichen Blüten werden als Kätzchen ausgebildet und sind anhand ihrer länglichen Form leicht zu erkennen. Die weiblichen Blüten sind recht unscheinbar, aber bei genauerem Hinsehen wunderschön. Sie reichen in der Hauptblütezeit als kleine, rötliche Narbenäste aus der Blütenknospe heraus (siehe Titelfoto). Abgesehen von den männlichen Kätzchen sind die Knospen eiförmig und an der Spitze abgestumpft. Sonnenzugewandt sind die mehrschuppigen Knospen bräunlich bis rötlich gefärbt, im Schatten sind sie grünlich.

Auch heilkundlich ist die Hasel überaus interessant. Jetzt im Winter stehen Kätzchen und Knospen im Vordergrund, die reich an wertvollen Inhaltsstoffen wie Flavonoiden, β-Sitosterin, organischen Säuren, Enzymen, Mineralstoffen, Gerbstoffen und ätherischen Ölen sind.

Naturheilkundlich werden Knospen und Kätzchen der Hasel vor allem in der Gemmotherapie (Gemma, lat. = Knospe) als Mazerat eingesetzt. Dieses kann vor allem Lungenerkrankungen, die Blutgerinnungsfähigkeit und die Anregung des gesamten Stoffwechselsystems positiv beeinflussen. Auch die Blutbildung sowie Leber und Galle können dadurch angeregt werden.
Ein Teeauszug aus Haselkätzchen wurde von unseren Vorfahren gerne zur Fiebersenkung bei Erkältungskrankheiten getrunken.
 
Haselblätter werden volksmedizinisch ab April  bei denselben Indikationen in Form eines Teeaufgusses eingesetzt. Bekannt ist auch ihr positiver Einfluss auf die geistige Leistungsfähigkeit, Nerven und Immunsystem. Die frische, im April geerntete Rinde der Haseln verwendete man früher zum Stillen von Blutungen und ebenfalls zur Fiebersenkung. Blätter und Rinde sind reich an Gerbstoffen und enthalten darüber hinaus Betulin und ätherisches Öl. In den Blättern findet man auch Palmitinsäure, Paraffin, Saccharose und β-Sitosterin.
Auch auf die energiereichen Nüsse soll in diesem Zusammenhang verwiesen werden. Sie enthalten bis zu 70% Fettes Öl und sind reich an Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen.

Auch die Signatur der Hasel gibt uns interessante Hinweise auf ihr großes Wirkungsspektrum.
Haseln sind Pionierpflanzen und befruchten sich über Windbestäubung. Sie wachsen rasch und strahlen etwas Jugendliches, Leichtes aus. Daraus leitet man in der Signaturenlehre den Planeten Merkur, das vermittelnde und beweglich Urprinzip, als Hauptaspekt ab.
Der oftmals feuchte Standort deutet auf die Signatur des Mondes hin. Die auffallend geraden, langen und dünnen Triebe dienen Wünschelrutengängern seit alters her als kraftvolle Energieleiter beim Aufspüren von Wasseradern. Aufgrund ihrer steil nach oben gerichteten Wuchsform werden sie dem Planeten Mars zugeordnet. In den herzförmigen Früchten wie in den harmonisch gegliederten und ebenfalls teilweise herzförmigen Laubblättern sieht man das Prinzip der Venus. Besonders die Früchte der Hasel galten schon im Altertum als Aphrodisiaka.

Als Schutzpflanze gegen negative Kräfte wurden Haseln übrigens früher gerne rund um wichtige Gebäude und Plätze gepflanzt. Die Kelten verbanden die Hasel mit Weisheit und Inspiration.
Es gibt also viele Gründe, um die Hasel öfter zu nützen oder im Garten zu pflanzen.

KULINARISCHES zur Hasel samt einem Rezept für Haselknöpfe findet ihr in diesem Beitrag: Knusprige Haselknöpfe

Interessante Literatur zum Thema:
Ganz, Chrischta: Gemmotherapie. Knospen in der Naturheilkunde. Aarau u. Mänchen: AT Verlag, 2015.
Strassmann, Renato: Baumheilkunde. Heilkraft, Mythos und Magie der Bäume. Linz: Freya, 2017.

Der Gemeine Wacholder – Botanisches und Heilkundliches

Gemeiner Wacholder

Gemeiner Wacholder (Juniperus communis)

Der Gemeine Wacholder ist in der Umgangssprache bei uns auch unter dem Namen Kranawetten oder Kranawitn bekannt und zählt zur Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae). Der mit immergrünen, kleinen, stechenden Nadeln besetzte Strauch oder seltener kleine Baum kommt österreichweit vor. In einigen Gebieten, wie im Burgenland ist er gefährdet und sollte daher nicht gepflückt werden!

Die wirtelig angeordneten Nadeln erreichen eine Größe von plus minus 1,5 Zentimetern. An ihrer Oberseite befindet sich ein auffälliger, bläulich-weiß gefärbter Wachsstreifen. Der Gemeine Wacholder ist meistens zweihäusig, das heißt, es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Die Blütezeit reicht je nach Höhenlage von Ende März bis in den Juni hinein. Die Blüten der männlichen Vertreter enthalten nur den Pollen und bilden keine Samen aus! Aus den Blüten der weiblichen Vertreter entwickeln sich die Früchte, die botanisch gesehen Zapfen sind, umgangssprachlich aber als Beeren bzw. Beerenzapfen bezeichnet werden. Anfangs sind diese grünlich, bis zur Endreife nach zwei oder gar drei Jahren verfärben sie sich schließlich schwarz.

Es gibt vom Gemeinen Wacholder einige Unterarten oder nah-verwandte Arten. Dazu zählen der Heide-Wacholder (Juniperus communis subsp. communis) und der Alpen-Wacholder (Juniperus subsp. nana). Ihre Einsatzgebiete decken sich in Kulinarik und Volksmedizin mit dem Gemeinen Wacholder. Wer schon einmal in Italien oder Kroatien auf Urlaub war, der könnte Bekanntschaft mit dem Stech-Wacholder (Juniperus oxycedrus) gemacht haben. Seine Beeren sind bei der Endreife im Gegensatz zum Gemeinen Wacholder bräunlich gefärbt und viel größer. Außerdem schmecken sie süßlich!
Weltweit gibt es viele Wacholder-Arten, die, wie ihre Kreuzungen, gerne im Ziergartenbereich eingesetzt werden. Sie können selbst von Fachleuten oft nur schwer bestimmt werden. Außerdem gibt es giftige Vertreter, wie den seit der Antike bekannten und in allen Pflanzenteilen giftigen Sadebaum (Juniperus sabina).

Der Gemeine Wacholder enthält in den Ästen, Zweigen und Nadeln Gerbstoffe und ätherische Öle, aber keine Harze. Die „Wacholderbeeren“ enthalten Flavonoide, Gerbstoffe, Harze, bis zu 30 % Zucker und ätherische Öle, allerdings in einer anderen Zusammensetzung als im Holz.

In der Volksmedizin besitzt der Wacholder wertvolle Einsatzgebiete. Es werden vor allem die frischen oder getrockneten Früchte in Form einer Tinktur oder eines Teeauszugs verwendet. Einige Kräuterexperten empfehlen auch das Kauen der getrockneten Beerenzapfen. Anwendungsgebiete sind vor allem Verdauungsprobleme, Rheuma und Gicht, Harnwegsinfekte, Blähungen und Sodbrennen. Die innere Einnahme wirkt harntreibend und blutreinigend.
Aufgrund seiner ätherischen Öle wird der Gemeine Wacholder auch äußerlich bei Einreibungen oder Heilbädern verwendet. Da die ätherischen Öle reizend wirken, sollte der Wacholder nicht zu lange angewendet werde.
Der Wacholder besitzt übrigens auch antivirale und keimtötende Wirkung – Eine Wacholderbeeren-Kur wäre in Zeiten wie diesen eine gute Idee!

Wie ihr den Wacholder kulinarisch verwenden könnt, findet ihr hier: Kulinarisches zum Wacholder

Wiesen-Löwenzahn


Heublume, Kuhblume, Honigblume, Pusteblume, Butterblume…….- kaum eine Wildpflanze besitzt so viele umgangssprachliche Namen wie der Gewöhnliche Löwenzahn, unser „Wiesen-Löwenzahn“ (Taraxacum sp.). Er zählt wie die Große Brennnessel (Urtica dioica) oder das Gänseblümchen (Bellis perennis) zu den bekanntesten und zugleich zu den beliebtesten heimischen Wildpflanzenarten.

Die Systematik hat es wirklich in sich! Hinter dem „Wiesen-Löwenzahn“ verbergen sich viele kleinere und größere Gruppen von Unterarten oder dem Wiesen-Löwenzahn ähnlichen Arten, die nur schwer bestimmbar oder noch nicht ausreichend erforscht sind. Diese werden alle in der Sektion Taraxacum sect. Ruderale zusammengefasst. In verschiedenen Büchern und Internetseiten wird auch noch der ältere wissenschaftliche Name Taraxacum officinale agg. verwendet.
Es besteht auf jeden Fall große Verwechslungsgefahr mit anderen Löwenzahn-Arten aus der Gattung Taraxacum oder zum Beispiel dem Herbstlöwenzahn (Scorzoneroides autumnalis) und anderen Rosettenpflanzen! Dazu zählen vor allem die Wegwarte (Cichorium intybus), das Ferkelkraut (Hypochaeris radicata) und der Wiesen-Pippau (Crepis biennis).  Für eine exaktere Bestimmung empfehlen wir die Exkursionsflora von Österreich, Liechtenstein und Südtirol (Fischer et al. 2008, 3. Auflage).

Der Wiesen-Löwenzahn besitzt eine grundständige Blattrosette mit einer Pfahlwurzel. Die Ränder der Laubblätter sind unregelmäßig scharf gezähnt. Die Hauptblütezeit liegt im April und Mai. Aus diesem Grund trägt die Pflanze wohl auch den Namen Maiblume. Man kann einzelne Exemplare aber auch noch im November blühend vorfinden.
Als ein Vertreter der Pflanzenfamilie der Korbblütler (Asteraceae) besitzt er einen Scheinblütenstand, der aussieht, als ob es sich um eine einzige Blüte handelt. Jedoch handelt es sich um lauter einzelne, aber sehr zahlreich anzutreffende, gelbe Zungenblüten, die in einem Körbchen zusammengefasst sind. Aus jeder Zungenblüte kann sich eine kleine Frucht mit Flugschirm entwickeln. Bei der Frucht handelt es sich wie bei der Sonnenblume (Helianthus annuus) um eine Nussfrucht! Somit bringt jedes Körbchen eine reichhaltige Nachkommenschaft an jungen Löwenzahnpflänzchen hervor.
Das Körbchen sitzt auf einem hohlen, blattlosen Stiel. Um das Körbchen herum befinden sich mehrere, nach unten gerichteter Hochblätter und die Blütenknospe schützende Hüllblätter. Auffällige Erkennungsmerkmale des Wiesen-Löwenzahns sind der hohle Stängel des Blütenstandes sowie die hohle Mittelrippe (= Hauptnerv) der Laubblätter. Sämtliche Organe des Wiesen-Löwenzahns geben bei Verletzung einen weißen, klebrigen Milchsaft ab.

Neben Bitterstoffen (v.a. Taraxin) und Inulin besitzt der Wiesenlöwenzahn eine Vielzahl an für die menschliche Ernährung essentiellen Inhaltsstoffen. Es sind vor allem Phytosterine, Schleimstoffe, Flavonoide, Zucker in Form von Fruktose, Cumarin-Verbindungen, Eiweiße, wertvollste Vitamine und Mineralstoffe enthalten, in der Wurzel zudem Gerbstoffe und ätherisches Öl. Besonders der Gehalt an Vitamin C und Mineralstoffen sind herausragend!

Seit der Antike werden Auszüge aus allen Pflanzenteilen bei Verdauungsproblemen, zur Blutreinigung und als harntreibendes Mittel verwendet. Uns allen ist bekannt, welch großartiges Hausmittel der Löwenzahn bei Leberleiden, Steinleiden, Stoffwechselstörungen und auch bei Rheuma und Gicht ist. Besonders empfehlenswert ist eine Entschlackungskur mit Löwenzahn im Frühjahr, egal, ob in Form einer Teekur mit den frischen Blättern und Blüten oder mit dem Presssaft.

Hier geht es weiter mit der kulinarischen Nutzung des Wiesen-Löwenzahns und eine Löwenzahnwurzel-Parfait: Löwenzahnwurzel kulinarisch

Abbildungsnachweise in diesem Beitrag:
Ferkelkraut: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumble/e//e6/HypochaerisRadicata2.jpg
Wegwarte: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cichorium_intybus_kz02.jpg

Die Gewöhnliche Berberitze

Berberitze


Bei der Gewöhnlichen Berberitze (Berberis vulgaris) handelt es sich um einen stechenden Strauch, der österreichweit vorkommt. Sie gehört zur Familie der Berberitzengewächse (Berberidaceae). Diese Familie kommt hauptsächlich im asiatischen Raum und im östlichen Nordamerika vor. Mit ihren meist grün gefärbten Laubblättern ist sie ursprünglich die einzige einheimische Berberitzen-Art!
Da sie dem Getreideschwarzrost (=Rostpilz) als Zwischenwirt dient, der in weiterer Folge die Halme von Getreide auf den Feldern schwarz färbt, wurde die Berberitze in einigen Gegenden im Osten Österreichs stark zurückgedrängt!

Im Ziergartenbereich findet man besonders oft Vertreter mit rötlichen Laubblättern, doch es gibt auch Berberitzen-Arten mit immergrünen Laubblättern. Die stets schraubig (gleichbedeutend mit wechselständig oder spiralig) angeordneten Laubblätter sind kurz gestielt und ziemlich klein, oval bis eiförmig und an den Rändern gezähnt. Unter den Laubblättern befinden sich oft 1- , 3- bis 7-teilige Dornen, die bei Berührung ganz schön unangenehm stechen können. Aus botanischer Sicht handelt es sich bei den Dornen ursprünglich um Laubblätter, die im Laufe der Evolution zum Zweck der Verteidigung gegenüber Fraßfeinden in Dornen umgewandelt wurden. Man spricht von sogenannten Blattdornen. Auffällig ist, dass die Laubblätter an der Spitze der Kurztriebe sitzen und die Blattdornen sich immer an deren Basis befinden. Es kann auch vorkommen, dass einige Triebe der Berberitze dornlos bleiben. Das ist besonders bei älteren Trieben oder generell mit zunehmendem Alter des Strauches der Fall.

Die kräftig gelb gefärbten, radiärsymmetrischen Blüten erscheinen im Mai in traubigen Blütenständen. Die Blüten besitzen einen etwas eigenartig anmutenden, stechenden Geruch. Verantwortlich dafür ist der Inhaltsstoff Trimethylamin. Er besitzt zumindest eine leichte Giftigkeit, und so kann es beim Verschlucken zu Verätzungen der Speiseröhre und der Magenschleimhaut kommen. Auch Übelkeit, Bauchschmerzen und Erbrechen können die Folge sein. Außerdem wirkt Trimethylamin reizend auf Augen und Nasenschleimhäute! Eine Besonderheit der Blüten liegt in der Beweglichkeit der Staubfäden. Wird die Blüte von einem Insektenbesucher aufgesucht, so klappen diese schlagartig in die Mitte der Blüte zum Griffel. Durch diesen Mechanismus soll der Pollen auf das Insekt übertragen werden. Wer den Bewegungsmechanismus selbst hautnah beobachten möchte, der braucht die Staubblätter nur mit dem Zahnstocher zu berühren und schon klappen die Staubblätter zusammen.

Die essbaren und sehr säuerlich schmeckenden Früchten sind Beerenfrüchte. Daher rührt auch der umgangssprachliche Name Sauerdorn. Alle anderen Organe der Pflanze, besonders aber die Wurzel sind durch unterschiedlich hohe Alkaloid-Gehalte (z.B. Berberin) giftig und damit nicht für den Verzehr zu empfehlen. Darüber hinaus liegen uns über die zahlreichen Berberitzen-Arten und gezüchteten Sorten aus dem Ziergartenbereich keine Informationen bezüglich Essbarkeit oder Giftigkeit der Früchte vor. Hier ist von einem Verzehr ebenfalls abzuraten!

Die Früchte der Gewöhnlichen Berberitze sind reich an Vitamin C und Gerbstoffen. Sie können auf vielfältige Weise verarbeitet werden. Da sie sehr klein sind und man beim Pflücken viel Zeit benötigt, um die benötigten Mengen zum Verarbeiten zu erhalten, erfreut sich deren Verwendung weniger Bekanntheit als die anderer Wildfrüchte. Im arabischen Raum bilden Berberitzen-Früchte einen festen Bestandteil in der Küche. Dort werden sogar kernlose Sorten gezüchtet! Mehr über die kulinarische Verwendung findet ihr in unserem nächsten Blogbeitrag: Köstliche Berberitze

In der Volksmedizin besaß die Berberitze durchaus Bedeutung. Anscheinend wussten unsere Vorfahren trotz der Giftigkeit die Berberitze, diese wirkungsvoll einzusetzen. Die Wurzel wurde ausgegraben, anschließend schälte man die Rinde ab und stellte daraus einen Teeauszug (Heißauszug) her. Dieser soll besonders die Gallentätigkeit anregen, sowie generell positiv auf das gesamte Verdauungs- und Entgiftungssystem des Körpers einwirken. Ebenso wurden aus der Wurzelrinde alkoholische Auszüge (Tinkturen und Mazerate) hergestellt und eingenommen. In der Homöopathie wird die Berberitze bei lymphatischen Problemen und bei Infektionen der Harnblase und des Harnleiters verwendet.

Wissenswertes zur Brombeere

Brombeeren

Die Bezeichnung „Brombeere“ geht auf die althochdeutsche Wort brama oder brāmberi zurück. Wörtlich bedeutet das so viel wie Beere des dornigen Strauches, Dornbuschbeere oder stacheliger Strauch. In der deutschen Umgangssprache werden für sämtliche Brombeer-Arten meist gleichbedeutende Namen verwendet: Kratzbeere, Brämel, Brambeere, Braunbeere, Hirschbeere, Heckenbeere, Brenndorn, Brennbeere.

Wer denkt, dass es in Österreich nur wenige Brombeer-Arten gibt, wird beim Lesen von qualitativ hochwertiger Bestimmungsliteratur erstaunt oder sogar verwirrt sein, denn es gibt hierzulande weit über hundert Arten von Brombeeren! Eine Besonderheit der meisten Brombeer-Arten ist, dass sie ihre Samen ungeschlechtlich, das heißt ohne Befruchtung ausbilden. Trotzdem ist interessanter Weise eine Bestäubung nötig.

Brombeeren sind generell mehrjährige Sträucher. Ihre grünlich gefärbten Triebe sind in Verbindung mit Sonnenlicht oft rötlich überlaufen. Charakteristisch für viele Brombeer-Arten ist ein dichter Überzug mit Stacheln am Trieb sowie auf der Unterseite des Laubblattes. Bleibt man an einem Trieb hängen, lösen sich die Stacheln vom Trieb und bleiben in der Kleidung haften. Im Vergleich dazu haben Dornen eine feste Verbindung zum Holz und würden sich daher nicht so leicht vom Trieb lösen. Achtung: Himbeeren besitzen viel feinere oder gar keine Stacheln, da ihre Triebe nicht zum Klettern dienen! Auch viele Sorten der Garten-Brombeere sind frei von Stacheln. 

Bei den Früchten handelt es sich botanisch gesehen eigentlich nicht um Beerenfrüchte, sondern um sogenannte Sammelsteinfrüchte, da in jeder einzelnen Kammer ein kleiner Steinkern enthalten ist. Die Früchte werden immer an den zweijährigen Trieben ausgebildet.

Hier noch einige botanische Details:
Die Laubblätter sind schraubig angeordnet und stets unpaarig gefiedert. Meist befinden sich an einem Laubblatt 3- bis 7 gezähnte Blättchen. Die rosa- bis weißen Blüten sind radiärsymmetrisch in rispigen Blütenständen angeordnet. Anfangs sind die Früchte grün, ab der mittleren Reife bei vielen wilden Brombeer-Arten oft rötlich gefärbt. Erst gegen Ende des Sommers reifen schließlich die dunkelblauen bis schwarzen Früchte heran. In trockenen Jahren gelangen diese aber oft nicht bis zur Endreife und vertrocknen oder werden vorher abgeworfen.
Im Vergleich zur Himbeere lassen sich die Früchte der Brombeere schwerer pflücken, weil der Blütenboden mit dem Fruchtfleisch verbunden bleibt – was bei der Himbeere nicht der Fall ist.

In der Natur kommen durchaus Hybride aus verschiedenen Eltern-Arten vor, deren Ursprünge sich schwer rückverfolgen lassen. Das erschwert eine exakte Bestimmung trotz geringer genetischer Variabilität deutlich. Hier gibt es also noch Forschungsbedarf. [Dazu siehe Exkursionsflora von Österreich, Liechtenstein und Südtirol, 3. Aufl. (Fischer et al. 2008, ab S. 510)].

Innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) werden die Brombeeren ebenso wie Himbeeren zur Gattung Rubus gezählt. Innerhalb der Gattung sind die einheimischen Brombeer-Arten Rubus noch einmal in drei Sektionen (sectio) eingeteilt, und zwar in folgende:

1) Rubus sectio Rubus
Diese Sektion umfasst Arten, die zu den „Eigentlichen Brombeeren“ gezählt werden. Dazu zählen zahlreiche Brombeer-Arten, die früher unter der „Artgruppe“ Rubus fruticosus agg. zusammengefasst waren, unter anderem kultivierte Zuchtformen der Gartenbrombeere und die „klassische“ Wilde Brombeere. Heute wird der Name Rubus fruticosus agg. nur noch verwendet, wenn zwischen den verschiedenen Arten keine weitere Unterscheidung getroffen wird.

2) Rubus sectio Corylifolii
Hier werden Arten der sogenannten„Haselblatt-Brombeeren“ aufgelistet, die großteils unbekannt sind.

3) Rubus sectio Caesii
Diese Sektion beinhaltet nur eine einzige Art, die Gewöhnliche Kratzbeere (Rubus caesius).

Hier noch eine kleine Auswahl der Arten:

Loch-Ness-Brombeere – Rubus nessensis subspecies nessensis
Die Loch-Ness-Brombeere ist bei uns auch unter dem Namen Fuchsbeere bekannt. In einigen Gegenden gilt sie auch als die Wilde Brombeer-Art schlechthin. Sie bildet kräftige Triebe aus, die mit zahlreichen und ziemlich großen Stacheln besetzt sind. Die Triebe sind grünlich und rötlich gefärbt. Es werden besonders gerne Waldränder, Böschungen und Kahlschläge besiedelt. Kalkböden werden eher gemieden! Die Früchte besitzen bei der Endreife eine schwarze Färbung.

Kratzbeere – Rubus caesius
Die Kratzbeere ist auch unter den Namen Auen-Brombeere und Bereifte Brombeere bekannt. Die gesamte Pflanze ist in ihrem Wuchs deutlich kleiner als die Wilde Brombeere. Die Triebe sind sehr dünn und mit zahlreichen kleinen, feinborstigen Stacheln besetzt. Die Früchte sind auffällig bläulich gefärbt und bereift und schmecken sehr säuerlich. Nur in sonnigen Lagen können sie einen süßlichen Geschmack entwickeln. Im Prinzip können die Früchte aber genauso wie die der Wilden Brombeere verwendet werden. Die Kratzbeere zählt zu den bekanntesten Brombeer-Arten, da sie österreichweit sehr häufig vorkommt.

Filz-Brombeere – Rubus canescens
Die Filzbrombeere ist nur schwer von anderen Arten der Sektion Rubus sectio Rubus zu unterscheiden! Sie besitzt aber auf der Blattunterseite feine Härchen, wodurch sich das Laubblatt im Vergleich zu vielen anderen Arten weich anfühlt. Die dichtbehaarten Blütenstände können sehr groß werden und besitzen eine pyramidenartige Form. Die Früchte sind wie bei allen Brombeer-Arten essbar.

Hier geht’s weiter mit Heilkundlichem zur Brombeere: Heilkundliches zur Brombeere

Die Quecke – ein altbekanntes Gras mit Potential

Kriechquecke

Bei all den Kräutern, die wir für kulinarische Zwecke und in der Volksmedizin verwenden, wird auf einen möglichen Einsatz der Gräser vollkommen vergessen. Der Grund besteht sicher darin, dass man verschiedene Gras-Arten nur schwer voneinander unterscheiden kann und es nur wenige wissenschaftliche Forschungsergebnisse gibt! Außerdem dienen Gräser hauptsächlich als Futter für Wiederkäuer.

Am Beispiel der Kriech-Quecke (Elymus repens) wird aber deutlich, dass Gräser durchaus verwendet werden können. Der deutsche Name Quecke stammt von „queck“ was man mit „Zählebigkeit“ oder „Beständigkeit“ übersetzen könnte. In der Umgangssprache kennt man die Quecke auch unter den Namen Beier.

Die Quecke besitzt dünne, schmale, grüne bis blaugraugrüne Laubblätter, der Blütenstand ist eine Ähre. Die Hauptblütezeit reicht von Juni bis August. Es werden unterirdische Ausläufer (Rhizome) gebildet, die in jeden Spalt eindringen und sich über große Flächen ausbreiten können. Egal ob auf Äckern, in Blumen- und Gemüsebeeten, an Wegrändern, entlang von Eisbahnlinien, ruderalen Saumgesellschaften, sandigen und schottrigen Flächen wie dem Beachvolleyballplatz – die Quecke ist ein Störflächenbewohner (Pionierpflanze)! In der Landwirtschaft und bei Gartenliebhabern erfreut sie sich aufgrund ihrer starken Tendenz zur Ausläuferbildung nicht gerade über eine allzu große Beliebtheit, denn selbst mit dem stärksten Spaten und durch noch so sorgfältiges Sieben der Beeterde kann man sie nicht vertreiben. Ein Mini-Spitzchen von einem Rhizom genügt, und schon wächst eine neue Pflanze heran. Viele Menschen hassen sie!  

Das deutet aber auf einen hohen Gehalt teilungsfähiger Zellen mit wertvollen Inhaltsstoffen in den Rhizomen hin. Es sind unter anderem Zuckerverbindungen, Schleimstoffe, Kieselsäure, Eiweiße, Vitamin C und sogar Carotin enthalten! In Notzeiten, wie im 2. Weltkrieg diente die Quecke bei uns als Nahrungsmittel, in einigen zentralasiatischen Staaten wird sie bis heute verwendet. Dazu werden die Rhizome in den Wintermonaten, zwischen September und März ausgegraben, gereinigt und im frischen Zustand für Suppen, Salate und Gemüsegerichte zubereitet. Das Rhizom kann aber auch getrocknet und als stärkehaltiges Streckmehl für Brote verwendet werden.

In der Volksmedizin als auch in der klassischen Medizin kommen die getrockneten Rhizome nach wie vor zum Einsatz! Aufgrund der enthaltenen Kieselsäure wirkt die Quecke harntreibend und ausleitend. Sie gilt auch als altes Hausmittel bei Nierensteinen, Harnwegsinfekten und bei Rheuma.

Heimische Laubbäume: Ulmen

Ulme

Ulmen bilden eine kleine Pflanzenfamilie, die Ulmengewächse (Ulmaceae) und gehören zu unseren einheimischen Baumarten. Sie sind aber im Gegensatz zu Birken, Linden oder Erlen weit weniger bekannt. In der Umgangssprache werden Ulmen auch heute noch gerne als Rüster oder Rusten (althochdeutsch „rust“ – weitere Herkunft ungeklärt) bezeichnet. Die Familie der Ulmengewächse wird zur Ordnung der Brennnesselartigen (Urticales) gezählt. Daher sind sie genetisch mit Brennnesseln, Glaskräutern, Hanf, Maulbeerbäumen und dem Zürgelbaum verwandt.

Ulmen besitzen eine zweizeilige Blattstellung (= eine Sonderform der schraubigen Blattstellung!) und können eine Höhe von bis zu 40 m erreichen. Die Laubblätter sind stets einfach aufgebaut, oft verkehrt-eiförmig zugespitzt mit gesägten oder doppeltgesägten Blatträndern. Ein Erkennungsmerkmal der Ulmen-Arten ist der am Blattstiel gelegene asymmetrische Ansatz der Blattfläche. Ulmen sind windblütig und blühen vor dem Austrieb der Laubblätter in doldigen Blütenständen. Dennoch werden auf den Blüten im Frühjahr durchaus pollensammelnde Insekten beobachtet. Die kleine, trockene Nussfrucht ist von einem Flügel umgeben (=Flügelfrucht).

Einige Schmetterlings-Arten wie der Ulmen-Zipfelfalter (Satyrium w-album) sind in ihrer Vermehrung und Lebensweise an Ulmen gebunden. Ulmen sind in Österreich zumindest regional in ihren Beständen gefährdet. Gallmilbe, Ulmenschildlaus und Blasenlaus zählen zu den Schädlingen der Ulmen-Arten. Für das andauernde Ulmensterben sind allerdings Schlauchpilze verantwortlich. Sie werden vom Kleinen- und Großen Ulmen-Splintkäfer übertragen, der seine Gänge in das Holz hineinbohrt. Der Pilz verstopft die Leitungsbahnen und es kommt zum Absterben der Bäume.

In Österreich kommen 3 bedeutende Ulmenarten vor: Berg-Ulme (Ulmus glabra), Feld-Ulme (Ulmus minor) und Flatterulme (Ulmus laevis). Die Feld-Ulme wird vom Ulmensterben besonders schwer in Mitleidenschaft gezogen, sodass es heute kaum noch ältere Baumbestände gibt. Da die Feld-Ulme zur Ausbildung von Wurzelausläufern neigt, kann ein starker Befall überlebt werden. Sie bildet seither nur mehr strauchige Wuchsformen aus! Die Flatter-Ulme besitzt stärkere Abwehrmechanismen und ist am Wenigsten vom Ulmensterben betroffen.

Alle drei heimischen Ulmen-Arten sind essbar, besonders die Blätter können kulinarisch verwendet werden! Man kann zum Beispiel sehr gutes Streckmehl daraus herstellen. Wie das funktioniert, erfahrt ihr in diesem Blog-Beitrag: Streckmehl aus Lindenblättern.
Allerdings sind die Bestände durch das Ulmensterben regional stark beeinträchtigt. Wir empfehlen einen sorgsamen Umgang! Ulmen werden gerne in Gärten, als freistehende Bäume in Wiesen oder Parks gepflanzt. Dort bilden sie über Ausläufer gerne junge Schösslinge. Da diese ohnehin abgemäht werden, eignen sich diese besonders gut zum Sammeln und Verarbeiten! (Anm.: natürlich unter Einhaltung naturschutzrechtlicher Bestimmungen und der Beachtung der Besitzverhältnisse!).

Früher wurden Ulmen in der Volksmedizin verwendet. Die Rinde ist reich an Gerbstoffen, Schleimstoffen und Phytosterinen. In den Laubblättern sind auch Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Der Teeauszug (Heißansatz) aus der Rinde wurden früher bei Durchfall eingesetzt. Die Tinktur eignet sich zusätzlich zum Gurgeln. Äußerlich können Umschläge von Teeauszug und Tinktur auch bei Ekzemen, Akne, Hämorriden, Entzündungen der Lippe und chronischen Hautleiden helfen. Heute werden Mazerate aus Knospen und jungen Sprossen eher in der Gemmotherapie verwendet.

Verwendete Literatur:

  • M. Fischer, W. Adler, K. Oswald: Exkursionsflora von Österreich, Liechtenstein und Südtirol 3. Aufl. Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen: 2008
  • St. G. Fleischhauer et al.: Enzyklopädie essbare Wildpflanzen 2. Aufl. Aarau und München: AT-Verlag 2014

Streckmehl aus Lindenblättern

Linde


Pflanzenmehle waren bei unseren Vorfahren eine willkommene Möglichkeit, Getreidemehle zu strecken, sogenannte „Streckmehle“ herzustellen. So konnte man sparen und gleichzeitig gesunde Inhaltsstoffe und Geschmacksvarianten in verschiedene Teige und andere Speisen oder Gewürze bringen.

Heute kommen wir wieder darauf zurück, aus den unterschiedlichsten Pflanzen und Planzenteilen Mehle herzustellen und zu verwenden.
Frische Pflanzenteile werden zum richtigen Zeitpunkt geerntet, schonend getrocknet, gemahlen und aufbewahrt bzw. verarbeitet. Das alles kostet uns nichts, außer ein bisschen Arbeit.

Je nach Pflanzenmehl können wir unsere Mahlzeiten mit unterschiedlichen, gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen und vielfältigen Geschmacksnuancen bereichern.

Jetzt, Anfang Juni, ist noch eine gute Zeit, die frischen, jungen Blätter essbarer Laubbäume zu ernten und zu Mehl zu verarbeiten. Damit schaffen wir schon jetzt eine gute und gesunde Grundlage für unsere Vorräte.

Das wichtigste Blattmehl unserer „Speiselaubbäume“ ist wohl das Mehl aus Lindenblättern. Kein Baum schmeckt so gut, mild und doch aromatisch wie die Linde. Das gilt für Knospen, Blätter, frische Früchte und natürlich auch für die süßlichen Blüten.
Lindenblätter schmecken mild-aromatisch und sind dank der enthaltenen Schleimstoffe beim Kauen etwas schleimig. Am besten erntet man sie im Frühjahr, wenn sie noch ganz frisch sind. Da Lindenblätter aber bis zum Herbst ihren angenehmen Wohlgeschmack behalten und auch weich bleiben, kann man sie bis in den September nützen.

Egal ob Sommer- oder Winterlinde oder eine andere Linden-Art, die Blätter sind immer essbar. Die beiden bei uns häufigsten Arten sind allerdings die Sommer- und die Winterlinde, die man recht leicht unterscheiden kann.

Wichtige Unterscheidungsmerkmale zwischen Sommerlinde und Winterlinde anhand der Laubblätter:

Sommerlinde:
8-12 cm lang, schief herzförmig, helleres Grün, beidseitig meist samtig behaart, Blattstiele ebenfalls leicht behaart.
Blattunterseite: weißliche Behaarung am Ansatz der Verzweigungspunkte der Blattnerven in den Blattachseln. Man spricht von sogenannten Achselhärchen.
Winterlinde: 4-7 cm lange Blätter, schief herzförmig, Blattstiel und Oberseite glatt und nicht behaart.
Blattunterseite: hell, oft fast silbrig, bräunliche Behaarung am Ansatz der Verzweigungspunkte der Blattnerven in den Blattachseln (Achselhärchen).

Neben Linden verwendete man früher die Blätter unterschiedlicher Ulmen-Arten besonders gerne für Streckmehl, aber auch die jungen Blätter von Rotbuchen, Hainbuchen, Ahorn-Arten oder Birken kommen in Frage. Die Betonung liegt in diesem Fall auf „jung“: Bei all diesen Laubbäumen sind Blätter ab Mitte Mai meist recht fest und gerbstoffreich. Daher schmecken sie oft bitter und sind eher für fortgeschrittene Wildpflanzen-Gourmets geeignet.

So stellst du Streckmehl aus den Blättern von Linden und anderen Laubbäumen her:

– Du pflückst an einem sonnigen, trockenen Tag eine Schüssel voll möglichst schöner, frischer Laubblätter.
– Du legst sie locker auf Backpapier oder einem großen Blech auf und lässt sie für einige Tage bei Raumtemperatur offen liegen – einmal täglich wenden.
– Stattdessen können die Blätter auch bei maximal 40°C im Backrohr getrocknet werden.
– Die rascheltrockenen Blätter werden mit den Händen grob zerrieben.
– Zuletzt werden sie mit dem Pürierstab oder einer elektrischen Kaffemühle püriert.
– Dann kann das feine, grüne Mehl in Gläsern gut verschlossen und dunkel bei Raumtemperatur oder im Keller für einige Monate gelagert werden.
– Im Laufe der Zeit verliert das Pflanzenmehl an Inhaltsstoffen, aber ein gutes halbes Jahr kann man es auf jeden Fall lagern und verwenden.

Die meisten Inhaltsstoffe bleiben natürlich erhalten, wenn das Pflanzenmehl nicht erhitzt wird. Daher passt speziell das milde Lindenmehl gut in Joghurt-Cremes, übers Müsli, in verschiedene Getränke, Aufstriche und vieles mehr.
Man kann es aber auch Suppen, Saucen oder verschiedenen Teigen beimischen und Speisen damit verfeinern.

Wenn Ihr einmal begonnen habt, Pflanzenmehle herzustellen, werdet ihr sie nicht mehr missen wollen. Wir wünschen euch viel Freude dabei!

Wissenswertes zu unseren Nadelgehölzen

Fichte

Unter den Nadelhölzern besitzen die Kieferngewächse eine sehr große Bedeutung. Alle Vertreter sind windblütig und bilden männliche und weibliche Blütenstände (= einhäusig) aus. Die männlichen Blütenstände fallen nach der Blüte ab, die weiblichen Blütenstände entwickeln sich im Laufe des Sommers zu Zapfen.

In der Volksmedizin wurde das Harz sämtliche Vertreter seit der Antike für die Herstellung von Wundsalben verwendet. Diese stellte man früher in Kombination mit Schweineschmalz her, heute verwendet man dafür meist Olivenöl.
Wichtig ist, dass man bei der Harzgewinnung keine gesunden Bäume verletzt, sondern bereits auf ältere, verletzte oder vor kurzem gefällte Exemplare zurückgreift. Nadeln und junge Zweige enthalten eine Vielzahl an ätherischen Ölen, die bei Atemwegserkrankungen, Gicht und Rheuma sowie zur Muskelentspannung eingesetzt werden. Franzbranntweine zum Einreiben sind heute noch häufig im Gebrauch.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die keimabtötende Wirkung, und in der Räucherkunde wird Nadelhölzern eine beruhigende und reinigende Wirkung nachgesagt. In der Gemmotherapie werden die zarten, jungen Sprosse zur Herstellung von Mazeraten verwendet.

Fichte

Die Gemeine Fichte Picea abies wird in der Umgangssprache auch als Feidn oder Fichtn bezeichnet. Sie besitzt im jungen Entwicklungsstadium eine braunschuppe Rinde mit rötlichem Teint, die im hohen Alter grobrissiger wird. Die Fichte liebt feuchtes und kühles Klima. Aufgrund ihres raschen Wuchses und der vielseitigen Einsatzmöglichkeiten ihres Holzes wurde die Fichte in Monokulturen auch in flacheren und damit viel wärmeren Regionen gepflanzt. Die Folge sind schwere Schädlingsbefälle!

Wer schon einmal in einen Fichtenzweig hineingegriffen hat, der vergisst das unangenehme Gefühl nicht so schnell. Die dunkelgrünen Nadeln der Fichte sind nämlich eckig und zugespitzt. Die Fichte ist ein immergrüner Nadelbaum, ein charakteristisches Merkmal sind die stets rundherum um den Zweig angeordneten Nadeln. Fallen die Nadeln ab, bleibt auf dem Zweig ein kleiner Höcker erhalten, welcher sich beim Anfassen rau anfühlt. Die Zapfen sind länglich und bei der Fichte immer abwärts gerichtet.

Besonders Nadeln und junge Zweige enthalten Verbindungen aus ätherischen Ölen, aus denen das ätherische Fichtennadelöl hergestellt werden kann. Eingesetzt wird es in Form eines Inhalationssprays bei Atemwegsbeschwerden. Auch bei Heilbädern kann es bei Erkältungen und rheumatischen Beschwerden wertvolle Unterstützung bieten.

Tanne

Unsere einheimische Tanne Abies alba besitzt im Gegensatz zur Gemeinen Fichte eine glatte, hellgraue Rinde mit silbrigen Teint, diese wird mit zunehmendem Alter immer grobrissiger. Daraus rührt auch der bekannte Name „Weißtanne“.  Während die Krone bei Fichten auch im Alter pyramidenartig geformt bleibt, bilde die Tanne bei ausreichend Platz und gesunder Entwicklung eine storchennestartige Krone aus. Die Fichte wird nicht von Misteln befallen, die Krone einer Tanne kann dagegen mit dicht mit Misteln durchsetzt sein. Die Tanne gilt als gefährdete Pflanzenart!

Die Tanne ist immergrün und besitzt flachgedrückte Nadeln, welche im Vergleich zur Fichte waagrecht am Zweig angeordnet und am Ende stets abgerundet sind. Ein Erkennungsmerkmal sind die beiden Wachstreifen auf der Unterseite der Nadeln und die Zapfen stehen bei der Tanne stets aufrecht.

Auch die Tanne enthält wie die Fichte in ihren Nadeln Verbindungen aus ätherischen Ölen, deren Einsatzgebiete mit jenen der Fichte vergleichbar sind. Wie bei der Fichte wurden auch bei der Tanne die jungen Triebspitzen aufgrund ihrer Vitamine (Vitamin C) und Mineralstoffe früher zur Deckung des Vitaminbedarfs eingesetzt. Ein Teeauszug (Aufguss) wurde bei Atemwegserkrankungen und zur Stärkung der Lunge eingenommen.

Verwechslungspflanze: Europäische Eibe (Taxus baccata)

Die Tanne könnte mit der Eibe verwechselt werden. Das Holz der Eibe wurde aufgrund der sehr guten Bearbeitungseigenschaften über Jahrhunderte hinweg sehr geschätzt. Dadurch wurde die Eibe in ihrem Bestand stark dezimiert. Heute zählt die Eibe in Österreich zu den geschützten Arten! Alle Organe der Eibe sind mit Ausnahme des „roten Arillus“ (fleischige Frucht) stark giftig. Auch der Kern im inneren des Fruchtfleisches ist giftig! Die Eibe weist meist einen strauchartigen Wuchs auf. Auf der Unterseite ihrer Nadeln befinden sich im Gegensatz zur Tanne keine Wachsstreifen!

Lärche

Die Europäische Lärche (Larix decidua) ist ein seltener Vertreter der sommergrünen Nadelbäume. Die Rinde ist bräunlich bis leicht rötlich oder gräulich gefärbt und wird mit zunehmendem Alter sehr grobrissig. Die Krone ist je nach Standort unterschiedlich ausgeformt.

Die Knospen der Lärche sitzen auf Kurztrieben, die mit zylindrischen Schuppen bedeckt sind. Im April sprießen aus diesen zahlreiche in Büscheln angeordnete Nadeln heraus. Die männlichen Blütenstände sind unscheinbar. Die weiblichen Blütenstände stehen aufrecht und sind im ganz jungen Zustand rötlich gefärbt. Die Zapfen der Lärche sind im Vergleich zur Fichte winzig.

Das Harz der Lärche wird zur Herstellung von Lärchenterpentin genutzt. Dazu werden die Stämme gefällter Lärchen angebohrt. Die Wirkung ist vor allem antiseptisch! In der Volksmedizin wird es in Form von Wundpflastern, Balsamen und Heilbädern eingesetzt.

Kulinarische Infos zur Lärche samt Rezept findest du hier: Die Lärche kulinarisch

Schwarzkiefer

Die Schwarzkiefer oder Schwarzföhre Pinus nigra ist eine seltene einheimische Baumart. Die nördliche Grenze des Verbreitungsgebietes liegt im südlichen Wienerwald. Bei den Schwarzkiefern kommen aus den Kurzsprossen immer zwei Nadeln heraus. Diese sind dunkelgrün gefärbt und können weit über 10 Zentimeter lang werden. Die Borke der Schwarzkiefer ist stets in verschiedenen Brauntönen gefärbt.

Das Harz dieses Nadelbaumes ist sehr begehrt. Es wurde in Niederösterreich früher von Pechern direkt von den Stämmen lebender Bäume „gezapft“. Heute wurde in einzelnen Gebieten, wie in der Gemeinde Hernstein, wo es auch ein Pechermuseum gibt, wieder damit begonnen, Harz auf natürlichem Wege zu gewinnen.

Aus dem Harz wird unter anderem Terpentin und Kolophonium gewonnen. Beides eignet sich für zahlreiche weitere Einsatzgebiete, wie zum Beispiel in der Naturkosmetik. Balsame aus dem Harz wirken bis in tiefere Hautschichten hinein!

Waldkiefer

Die Waldkiefer (Pinus sylvestris) ist nahe mit der Schwarzkiefer verwandt. Man kennt sie auch unter dem Namen Rotföhre oder unter den umgangssprachlichen Namen „Fohra“. Die Waldkiefer besitzt, wie die Schwarzkiefer, ebenfalls Kurzsprosse mit 2 Nadeln. Diese sind aber deutlich kürzer und werden maximal 7 Zentimeter lang. Sowohl bei der Schwarzkiefer als auch bei der Waldkiefer stellt der Pollen von den männlichen Blütenständen eine wertvolle Pollenquelle für Wild- und Honigbienen dar.  Die eikegligen Zapfen sind deutlich kleiner als jene der Schwarzkiefer. Anfangs sind diese grün gefärbt, werden aber im Laufe des Jahres holzig.

Die Einsatzgebiete sind eigentlich ident mit der Schwarzkiefer, wobei die Inhaltsstoffe der Schwarzkiefer besser erforscht sind.

Hier findest du weitere Blog-Beiträge mit köstlichen Rezepten zu Lärche, Fichte und Kiefer:
Haferkekse mit frischer Lärche
Kiefern-Cookies
Fichtensirup
Betrunkene Fichte
Fichtennadel-Sahne-Karamell-Bonbons
Fichtennadelgelee

Kätzchen – eine kleine Pflanzenkunde


Im Spätwinter zeigen sich bei einigen Baum- und Straucharten auffällige, hängende oder aufrechte Blütenstände, die als „Kätzchen“ bezeichnet werden. Diese fühlen sich bei Berührung im geöffneten Zustand – vergleichbar mit dem Fell einer Katze – stets weich und angenehm samtig an. Daher rührt die Bezeichnung „Kätzchen“ oder „Katzerl“.

Diese Blütenstände bestehen aus zahlreichen Einzelblüten und sind bei vielen Vertretern trauben- oder ährenartig angeordnet. Die überwiegende Mehrheit der Kätzchenblüher sind windblütig mit reduziertem „Schauapparat“, d.h. ohne auffällige Blüten, Kelch- und Kronblätter fehlen oft. Die Anzahl der Pflanzenfamilien, deren Vertreter mit Kätzchenblüten ausgestattet sind, ist überschaubar. Hier sind vor allem die Familien der Birkengewächse (Betulaceae), Buchengewächse (Fagaceae), Weidengewächse (Salicaceae) und der Walnussgewächse (Juglandaceae) zu nennen.

Sowohl männliche und teils auch weibliche Blüten können als Kätzchen angeordnet sein. Im Unterschied zu den männlichen Kätzchen sind die weiblichen Kätzchen eher kleiner. Während aus den weiblichen Blüten Früchte hervorgehen, fallen die männlichen Kätzchen unmittelbar nach der Befruchtung ab. Hasel, Eiche Walnuss und Erle sind einhäusig-getrenntgeschlechtlich. Hier gibt es männliche und weibliche Blüten auf einer Pflanze, deren Geschlechter sind auf zwei Organe verteilen, d.h. diese sind somit voneinander getrennt. Bei diesen Vertretern werden nur die männlichen Blüten in Form von Kätzchen ausgebildet, die weiblichen Blüten sind dagegen sehr klein und nur bei genauerem Hinsehen erkennbar.

Birken und Hainbuchen sind ebenfalls einhäusig-getrenngeschlechtlich, besitzen aber im Unterschied zu den vorhin genannten Vertretern männliche und weibliche Kätzchen auf ein- und derselben Pflanze.

Eine Besonderheit stellen die Weidengewächse, deren Vertreter zweihäusig sind, dar. Das bedeutet, dass eine Pflanze entweder nur männliche oder nur weibliche Blüten in Form von Kätzchen trägt. Dazu zählen Pappeln und Weiden-Arten wie die Salweide. Die Blütenstände der Salweide, die umgangssprachlich als „Palmkatzerl“ sehr bekannt sind, sind aus botanischer Sicht ein „Grenzfall“ und strenggenommen gar keine echten Kätzchen, sondern aufrechte Ähren!

Kätzchen sind übrigens auch kulinarisch sehr interessant! Mehr darüber erfährst du in diesen Blog-Beiträgen:
Kätzchenbrot mit Kätzchenbutter
Birkenkätzchenkrokant
Süß-saure Haselkätzchen