Wiesen-Löwenzahn

Wiesen-Löwenzahn


Heublume, Kuhblume, Honigblume, Pusteblume, Butterblume…….- kaum eine Wildpflanze besitzt so viele umgangssprachliche Namen wie der Gewöhnliche Löwenzahn, unser „Wiesen-Löwenzahn“ (Taraxacum sp.). Er zählt wie die Große Brennnessel (Urtica dioica) oder das Gänseblümchen (Bellis perennis) zu den bekanntesten und zugleich zu den beliebtesten heimischen Wildpflanzenarten.

Die Systematik hat es wirklich in sich! Hinter dem „Wiesen-Löwenzahn“ verbergen sich viele kleinere und größere Gruppen von Unterarten oder dem Wiesen-Löwenzahn ähnlichen Arten, die nur schwer bestimmbar oder noch nicht ausreichend erforscht sind. Diese werden alle in der Sektion Taraxacum sect. Ruderale zusammengefasst. In verschiedenen Büchern und Internetseiten wird auch noch der ältere wissenschaftliche Name Taraxacum officinale agg. verwendet.
Es besteht auf jeden Fall große Verwechslungsgefahr mit anderen Löwenzahn-Arten aus der Gattung Taraxacum oder zum Beispiel dem Herbstlöwenzahn (Scorzoneroides autumnalis) und anderen Rosettenpflanzen! Dazu zählen vor allem die Wegwarte (Cichorium intybus), das Ferkelkraut (Hypochaeris radicata) und der Wiesen-Pippau (Crepis biennis).  Für eine exaktere Bestimmung empfehlen wir die Exkursionsflora von Österreich, Liechtenstein und Südtirol (Fischer et al. 2008, 3. Auflage).

Der Wiesen-Löwenzahn besitzt eine grundständige Blattrosette mit einer Pfahlwurzel. Die Ränder der Laubblätter sind unregelmäßig scharf gezähnt. Die Hauptblütezeit liegt im April und Mai. Aus diesem Grund trägt die Pflanze wohl auch den Namen Maiblume. Man kann einzelne Exemplare aber auch noch im November blühend vorfinden.
Als ein Vertreter der Pflanzenfamilie der Korbblütler (Asteraceae) besitzt er einen Scheinblütenstand, der aussieht, als ob es sich um eine einzige Blüte handelt. Jedoch handelt es sich um lauter einzelne, aber sehr zahlreich anzutreffende, gelbe Zungenblüten, die in einem Körbchen zusammengefasst sind. Aus jeder Zungenblüte kann sich eine kleine Frucht mit Flugschirm entwickeln. Bei der Frucht handelt es sich wie bei der Sonnenblume (Helianthus annuus) um eine Nussfrucht! Somit bringt jedes Körbchen eine reichhaltige Nachkommenschaft an jungen Löwenzahnpflänzchen hervor.
Das Körbchen sitzt auf einem hohlen, blattlosen Stiel. Um das Körbchen herum befinden sich mehrere, nach unten gerichteter Hochblätter und die Blütenknospe schützende Hüllblätter. Auffällige Erkennungsmerkmale des Wiesen-Löwenzahns sind der hohle Stängel des Blütenstandes sowie die hohle Mittelrippe (= Hauptnerv) der Laubblätter. Sämtliche Organe des Wiesen-Löwenzahns geben bei Verletzung einen weißen, klebrigen Milchsaft ab.

Neben Bitterstoffen (v.a. Taraxin) und Inulin besitzt der Wiesenlöwenzahn eine Vielzahl an für die menschliche Ernährung essentiellen Inhaltsstoffen. Es sind vor allem Phytosterine, Schleimstoffe, Flavonoide, Zucker in Form von Fruktose, Cumarin-Verbindungen, Eiweiße, wertvollste Vitamine und Mineralstoffe enthalten, in der Wurzel zudem Gerbstoffe und ätherisches Öl. Besonders der Gehalt an Vitamin C und Mineralstoffen sind herausragend!

Seit der Antike werden Auszüge aus allen Pflanzenteilen bei Verdauungsproblemen, zur Blutreinigung und als harntreibendes Mittel verwendet. Uns allen ist bekannt, welch großartiges Hausmittel der Löwenzahn bei Leberleiden, Steinleiden, Stoffwechselstörungen und auch bei Rheuma und Gicht ist. Besonders empfehlenswert ist eine Entschlackungskur mit Löwenzahn im Frühjahr, egal, ob in Form einer Teekur mit den frischen Blättern und Blüten oder mit dem Presssaft.

Hier geht es weiter mit der kulinarischen Nutzung des Wiesen-Löwenzahns und eine Löwenzahnwurzel-Parfait: Löwenzahnwurzel kulinarisch

Abbildungsnachweise in diesem Beitrag:
Ferkelkraut: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumble/e//e6/HypochaerisRadicata2.jpg
Wegwarte: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Cichorium_intybus_kz02.jpg

Löwenzahnwurzel-Parfait

Parfait


Sowohl in kulinarischer Hinsicht als auch auf heilkundlicher Ebene ist uns der Wiesen-Löwenzahn bestens bekannt. Wir widmen uns diesmal ausschließlich der Wurzel der so häufig vorkommenden Pflanze.

Alle Teile der Pflanze sind auf vielerlei Art verwendbar und enthalten den Bitterstoff Taraxin, dessen Gehalt im Laufe des Jahres schwankt und zu unterschiedlichen Jahreszeiten in unterschiedlichen Organen höher bzw. niedriger ist. Für heilkundliche Zwecke wird empfohlen, die Wurzeln im zeitigen Frühjahr auszugraben, da dann ihr Bitterstoffgehalt sehr hoch ist. Für kulinarische Zwecke sind die Wurzeln im Herbst allerdings besser geeignet, da sie dann weniger Bitterstoffe und mehr Inulin (bis zu 40%!) enthalten und angenehm aromatisch schmecken.

In den letzten Jahren haben wir die Wurzel kulinarisch ein wenig vernachlässigt, da wir mit der Entdeckung anderer, weniger bekannten Wurzeln beschäftigt waren. In diesem Herbst aber ist uns die Löwenzahnwurzel so richtig ans Herz gewachsen:
Der Löwenzahn ist überall zu finden und leicht zu erkennen. Sollte man ihn einmal verwechseln, so sind die Verwechslungspflanzen meistens harmlos und ebenfalls essbar! Der fruchtig-bittere Geschmack der saftigen Wurzel veredelt viele Speisen und Getränke und gibt ihnen eine eigene Note.
Andere geschmacklich interessante Wurzeln muss man oft suchen oder mühselig ausgraben. Ein paar Löwenzahnwurzeln sind rasch geerntet, gewaschen, geschnitten und schon auf dem Weg zur Verarbeitung.

Wir mischen die köstlichen Wurzeln, immer in dünne Scheiben geschnitten, in verschiedenste Gemüsespeisen, Salate oder Brotaufstriche. Sollen sie die fast weiße Farbe behalten, müssen sie in wenig Zitronensaft eingelegt werden. Wenn wir wenig Zeit haben, dann trocknen wir die in Scheiben geschnittenen Wurzeln einfach nebeneinander aufgelegt bei Raumtemperatur oder im Backrohr und bewahren sie für die Weiterverarbeitung auf oder naschen ab und zu ein Stück – eine gute Bitterstoff-Kur! Ohne Fett angeröstet sind sie ein herrlicher Kaffeeersatz, den viele von uns kennen. Mit dem Pürierstab oder der Kaffeemühle zu Pulver gemahlen ergeben sie ein interessantes Streckmehl, das Kuchen- oder Keksteig beigemengt werden kann und auch gut in Saucen passt – natürlich in der richtigen Dosis!

Besonders die süße Küche verträgt sich gut mit der Löwenzahnwurzel! Kandierte Wurzelstückchen sind ein Gedicht und eignen sich zum Naschen und als Beigabe für Eis, Müsli und Kuchen. Mit Zitronen und herbstlichen Gewürzen angesetzter Sirup ist ein herrliches Getränk für kalte Tage – ebenso können wir Löwenzahnwurzel-Likör und -Wein empfehlen.

Heute legen wir euch unser einfaches Löwenzahnwurzel-Parfait mit frischen pürierten und kandierten Löwenzahnwurzeln ans Herz. Hier geht’s zum Rezept:

Löwenzahnwurzel-Parfait:

Zutaten:
– 250 g Griechisches Joghurt (10%)
– 250 ml Schlagobers
– 2 Esslöffel Backzucker
– 1 Esslöffel Honig
– 1 Teelöffel Zitronensaft
– 2 Esslöffel frische Löwenzahnwurzel
– 1 Msp. Kardamom
– 1 Esslöffel kandierte Löwenzahnwurzel

Die frischen Löwenzahnwurzeln wird in kleine Stücke geschnitten und mit Joghurt, Zucker, Honig und Kardamom püriert. Dann werden die kandierten Löwenzahnwurzelstücke untergehoben. Nun wird das Obers steif geschlagen und vorsichtig mit der Joghurtmasse verrührt. Zuletzt wird die Masse für 4-5 Stunden eingefroren und anschließend als Parfait serviert. Sie kann auch in die Eismaschine gefüllt und als Eis serviert werden.

Kandierte Löwenzahnwurzeln:

Zutaten:
– 300 g Rohrzucker
– 120 ml Wasser
– 200 g Löwenzahnwurzeln

Zucker und Wasser werden langsam aufgelöst und zum Kochen gebracht. Die gesäuberten, in feine Blättchen geschnittenen Löwenzahnwurzeln werden in die kochende Zuckerlösung gelegt und für 2-3 Minuten darin gekocht. Anschließend werden sie abgeschöpft und auf Backpapier zum Trocknen aufgelegt. Die Wurzelstückchen müssen einige Tage bei Raumtemperatur oder einige Stunden im Backrohr trocknen, bis sie ganz fest sind. Auf diese Weise sind sie, gut verschlossen, monatelang haltbar.

Wir wünschen euch gutes Gelingen und viele köstliche Löwenzahnwurzeln!

Hier geht’s zu den spannenden botanischen Details des Wiesen-Löwenzahns: Wiesen-Löwenzahn