Streckmehl aus Lindenblättern

Streckmehl aus Lindenblättern

Linde


Pflanzenmehle waren bei unseren Vorfahren eine willkommene Möglichkeit, Getreidemehle zu strecken, sogenannte „Streckmehle“ herzustellen. So konnte man sparen und gleichzeitig gesunde Inhaltsstoffe und Geschmacksvarianten in verschiedene Teige und andere Speisen oder Gewürze bringen.

Heute kommen wir wieder darauf zurück, aus den unterschiedlichsten Pflanzen und Planzenteilen Mehle herzustellen und zu verwenden.
Frische Pflanzenteile werden zum richtigen Zeitpunkt geerntet, schonend getrocknet, gemahlen und aufbewahrt bzw. verarbeitet. Das alles kostet uns nichts, außer ein bisschen Arbeit.

Je nach Pflanzenmehl können wir unsere Mahlzeiten mit unterschiedlichen, gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen und vielfältigen Geschmacksnuancen bereichern.

Jetzt, Anfang Juni, ist noch eine gute Zeit, die frischen, jungen Blätter essbarer Laubbäume zu ernten und zu Mehl zu verarbeiten. Damit schaffen wir schon jetzt eine gute und gesunde Grundlage für unsere Vorräte.

Das wichtigste Blattmehl unserer „Speiselaubbäume“ ist wohl das Mehl aus Lindenblättern. Kein Baum schmeckt so gut, mild und doch aromatisch wie die Linde. Das gilt für Knospen, Blätter, frische Früchte und natürlich auch für die süßlichen Blüten.
Lindenblätter schmecken mild-aromatisch und sind dank der enthaltenen Schleimstoffe beim Kauen etwas schleimig. Am besten erntet man sie im Frühjahr, wenn sie noch ganz frisch sind. Da Lindenblätter aber bis zum Herbst ihren angenehmen Wohlgeschmack behalten und auch weich bleiben, kann man sie bis in den September nützen.

Egal ob Sommer- oder Winterlinde oder eine andere Linden-Art, die Blätter sind immer essbar. Die beiden bei uns häufigsten Arten sind allerdings die Sommer- und die Winterlinde, die man recht leicht unterscheiden kann.

Wichtige Unterscheidungsmerkmale zwischen Sommerlinde und Winterlinde anhand der Laubblätter:

Sommerlinde:
8-12 cm lang, schief herzförmig, helleres Grün, beidseitig meist samtig behaart, Blattstiele ebenfalls leicht behaart.
Blattunterseite: weißliche Behaarung am Ansatz der Verzweigungspunkte der Blattnerven in den Blattachseln. Man spricht von sogenannten Achselhärchen.
Winterlinde: 4-7 cm lange Blätter, schief herzförmig, Blattstiel und Oberseite glatt und nicht behaart.
Blattunterseite: hell, oft fast silbrig, bräunliche Behaarung am Ansatz der Verzweigungspunkte der Blattnerven in den Blattachseln (Achselhärchen).

Neben Linden verwendete man früher die Blätter unterschiedlicher Ulmen-Arten besonders gerne für Streckmehl, aber auch die jungen Blätter von Rotbuchen, Hainbuchen, Ahorn-Arten oder Birken kommen in Frage. Die Betonung liegt in diesem Fall auf „jung“: Bei all diesen Laubbäumen sind Blätter ab Mitte Mai meist recht fest und gerbstoffreich. Daher schmecken sie oft bitter und sind eher für fortgeschrittene Wildpflanzen-Gourmets geeignet.

So stellst du Streckmehl aus den Blättern von Linden und anderen Laubbäumen her:

– Du pflückst an einem sonnigen, trockenen Tag eine Schüssel voll möglichst schöner, frischer Laubblätter.
– Du legst sie locker auf Backpapier oder einem großen Blech auf und lässt sie für einige Tage bei Raumtemperatur offen liegen – einmal täglich wenden.
– Stattdessen können die Blätter auch bei maximal 40°C im Backrohr getrocknet werden.
– Die rascheltrockenen Blätter werden mit den Händen grob zerrieben.
– Zuletzt werden sie mit dem Pürierstab oder einer elektrischen Kaffemühle püriert.
– Dann kann das feine, grüne Mehl in Gläsern gut verschlossen und dunkel bei Raumtemperatur oder im Keller für einige Monate gelagert werden.
– Im Laufe der Zeit verliert das Pflanzenmehl an Inhaltsstoffen, aber ein gutes halbes Jahr kann man es auf jeden Fall lagern und verwenden.

Die meisten Inhaltsstoffe bleiben natürlich erhalten, wenn das Pflanzenmehl nicht erhitzt wird. Daher passt speziell das milde Lindenmehl gut in Joghurt-Cremes, übers Müsli, in verschiedene Getränke, Aufstriche und vieles mehr.
Man kann es aber auch Suppen, Saucen oder verschiedenen Teigen beimischen und Speisen damit verfeinern.

Wenn Ihr einmal begonnen habt, Pflanzenmehle herzustellen, werdet ihr sie nicht mehr missen wollen. Wir wünschen euch viel Freude dabei!

Wissenswertes zu unseren Nadelgehölzen

Fichte

Unter den Nadelhölzern besitzen die Kieferngewächse eine sehr große Bedeutung. Alle Vertreter sind windblütig und bilden männliche und weibliche Blütenstände (= einhäusig) aus. Die männlichen Blütenstände fallen nach der Blüte ab, die weiblichen Blütenstände entwickeln sich im Laufe des Sommers zu Zapfen.

In der Volksmedizin wurde das Harz sämtliche Vertreter seit der Antike für die Herstellung von Wundsalben verwendet. Diese stellte man früher in Kombination mit Schweineschmalz her, heute verwendet man dafür meist Olivenöl.
Wichtig ist, dass man bei der Harzgewinnung keine gesunden Bäume verletzt, sondern bereits auf ältere, verletzte oder vor kurzem gefällte Exemplare zurückgreift. Nadeln und junge Zweige enthalten eine Vielzahl an ätherischen Ölen, die bei Atemwegserkrankungen, Gicht und Rheuma sowie zur Muskelentspannung eingesetzt werden. Franzbranntweine zum Einreiben sind heute noch häufig im Gebrauch.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die keimabtötende Wirkung, und in der Räucherkunde wird Nadelhölzern eine beruhigende und reinigende Wirkung nachgesagt. In der Gemmotherapie werden die zarten, jungen Sprosse zur Herstellung von Mazeraten verwendet.

Fichte

Die Gemeine Fichte Picea abies wird in der Umgangssprache auch als Feidn oder Fichtn bezeichnet. Sie besitzt im jungen Entwicklungsstadium eine braunschuppe Rinde mit rötlichem Teint, die im hohen Alter grobrissiger wird. Die Fichte liebt feuchtes und kühles Klima. Aufgrund ihres raschen Wuchses und der vielseitigen Einsatzmöglichkeiten ihres Holzes wurde die Fichte in Monokulturen auch in flacheren und damit viel wärmeren Regionen gepflanzt. Die Folge sind schwere Schädlingsbefälle!

Wer schon einmal in einen Fichtenzweig hineingegriffen hat, der vergisst das unangenehme Gefühl nicht so schnell. Die dunkelgrünen Nadeln der Fichte sind nämlich eckig und zugespitzt. Die Fichte ist ein immergrüner Nadelbaum, ein charakteristisches Merkmal sind die stets rundherum um den Zweig angeordneten Nadeln. Fallen die Nadeln ab, bleibt auf dem Zweig ein kleiner Höcker erhalten, welcher sich beim Anfassen rau anfühlt. Die Zapfen sind länglich und bei der Fichte immer abwärts gerichtet.

Besonders Nadeln und junge Zweige enthalten Verbindungen aus ätherischen Ölen, aus denen das ätherische Fichtennadelöl hergestellt werden kann. Eingesetzt wird es in Form eines Inhalationssprays bei Atemwegsbeschwerden. Auch bei Heilbädern kann es bei Erkältungen und rheumatischen Beschwerden wertvolle Unterstützung bieten.

Tanne

Unsere einheimische Tanne Abies alba besitzt im Gegensatz zur Gemeinen Fichte eine glatte, hellgraue Rinde mit silbrigen Teint, diese wird mit zunehmendem Alter immer grobrissiger. Daraus rührt auch der bekannte Name „Weißtanne“.  Während die Krone bei Fichten auch im Alter pyramidenartig geformt bleibt, bilde die Tanne bei ausreichend Platz und gesunder Entwicklung eine storchennestartige Krone aus. Die Fichte wird nicht von Misteln befallen, die Krone einer Tanne kann dagegen mit dicht mit Misteln durchsetzt sein. Die Tanne gilt als gefährdete Pflanzenart!

Die Tanne ist immergrün und besitzt flachgedrückte Nadeln, welche im Vergleich zur Fichte waagrecht am Zweig angeordnet und am Ende stets abgerundet sind. Ein Erkennungsmerkmal sind die beiden Wachstreifen auf der Unterseite der Nadeln und die Zapfen stehen bei der Tanne stets aufrecht.

Auch die Tanne enthält wie die Fichte in ihren Nadeln Verbindungen aus ätherischen Ölen, deren Einsatzgebiete mit jenen der Fichte vergleichbar sind. Wie bei der Fichte wurden auch bei der Tanne die jungen Triebspitzen aufgrund ihrer Vitamine (Vitamin C) und Mineralstoffe früher zur Deckung des Vitaminbedarfs eingesetzt. Ein Teeauszug (Aufguss) wurde bei Atemwegserkrankungen und zur Stärkung der Lunge eingenommen.

Verwechslungspflanze: Europäische Eibe (Taxus baccata)

Die Tanne könnte mit der Eibe verwechselt werden. Das Holz der Eibe wurde aufgrund der sehr guten Bearbeitungseigenschaften über Jahrhunderte hinweg sehr geschätzt. Dadurch wurde die Eibe in ihrem Bestand stark dezimiert. Heute zählt die Eibe in Österreich zu den geschützten Arten! Alle Organe der Eibe sind mit Ausnahme des „roten Arillus“ (fleischige Frucht) stark giftig. Auch der Kern im inneren des Fruchtfleisches ist giftig! Die Eibe weist meist einen strauchartigen Wuchs auf. Auf der Unterseite ihrer Nadeln befinden sich im Gegensatz zur Tanne keine Wachsstreifen!

Lärche

Die Europäische Lärche (Larix decidua) ist ein seltener Vertreter der sommergrünen Nadelbäume. Die Rinde ist bräunlich bis leicht rötlich oder gräulich gefärbt und wird mit zunehmendem Alter sehr grobrissig. Die Krone ist je nach Standort unterschiedlich ausgeformt.

Die Knospen der Lärche sitzen auf Kurztrieben, die mit zylindrischen Schuppen bedeckt sind. Im April sprießen aus diesen zahlreiche in Büscheln angeordnete Nadeln heraus. Die männlichen Blütenstände sind unscheinbar. Die weiblichen Blütenstände stehen aufrecht und sind im ganz jungen Zustand rötlich gefärbt. Die Zapfen der Lärche sind im Vergleich zur Fichte winzig.

Das Harz der Lärche wird zur Herstellung von Lärchenterpentin genutzt. Dazu werden die Stämme gefällter Lärchen angebohrt. Die Wirkung ist vor allem antiseptisch! In der Volksmedizin wird es in Form von Wundpflastern, Balsamen und Heilbädern eingesetzt.

Kulinarische Infos zur Lärche samt Rezept findest du hier: Die Lärche kulinarisch

Schwarzkiefer

Die Schwarzkiefer oder Schwarzföhre Pinus nigra ist eine seltene einheimische Baumart. Die nördliche Grenze des Verbreitungsgebietes liegt im südlichen Wienerwald. Bei den Schwarzkiefern kommen aus den Kurzsprossen immer zwei Nadeln heraus. Diese sind dunkelgrün gefärbt und können weit über 10 Zentimeter lang werden. Die Borke der Schwarzkiefer ist stets in verschiedenen Brauntönen gefärbt.

Das Harz dieses Nadelbaumes ist sehr begehrt. Es wurde in Niederösterreich früher von Pechern direkt von den Stämmen lebender Bäume „gezapft“. Heute wurde in einzelnen Gebieten, wie in der Gemeinde Hernstein, wo es auch ein Pechermuseum gibt, wieder damit begonnen, Harz auf natürlichem Wege zu gewinnen.

Aus dem Harz wird unter anderem Terpentin und Kolophonium gewonnen. Beides eignet sich für zahlreiche weitere Einsatzgebiete, wie zum Beispiel in der Naturkosmetik. Balsame aus dem Harz wirken bis in tiefere Hautschichten hinein!

Waldkiefer

Die Waldkiefer (Pinus sylvestris) ist nahe mit der Schwarzkiefer verwandt. Man kennt sie auch unter dem Namen Rotföhre oder unter den umgangssprachlichen Namen „Fohra“. Die Waldkiefer besitzt, wie die Schwarzkiefer, ebenfalls Kurzsprosse mit 2 Nadeln. Diese sind aber deutlich kürzer und werden maximal 7 Zentimeter lang. Sowohl bei der Schwarzkiefer als auch bei der Waldkiefer stellt der Pollen von den männlichen Blütenständen eine wertvolle Pollenquelle für Wild- und Honigbienen dar.  Die eikegligen Zapfen sind deutlich kleiner als jene der Schwarzkiefer. Anfangs sind diese grün gefärbt, werden aber im Laufe des Jahres holzig.

Die Einsatzgebiete sind eigentlich ident mit der Schwarzkiefer, wobei die Inhaltsstoffe der Schwarzkiefer besser erforscht sind.

Hier findest du weitere Blog-Beiträge mit köstlichen Rezepten zu Lärche, Fichte und Kiefer:
Haferkekse mit frischer Lärche
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