Feines Kohldistel-Eis

Feines Kohldistel-Eis

Kohldistel-Eis

Die Kohldistel (Cirsium oleraceum) gehört zu den Kratzdisteln, ist aber im Vergleich zu verwandten Arten wenig kratzig und vor allem kulinarisch vielseitig verwendbar. Keine Distel kann in der Küche so vielfältig und kreativ verarbeitet werden wie sie.

Das liegt unter anderem daran, das alle Pflanzenteile dieser Distel-Art recht weich sind. Der Geschmack der Kohldistel ist angenehm nussig bis spinatartig und passt gut zu pikanten wie auch zu süßen Speisen.

Die jungen Triebe und Blätter können ab April roh oder gekocht verwendet werden. Mit wenig Flüssigkeit gekocht, ausgepresst und püriert ergeben sie einen guten Wildspinat, mit dem man Speisen auch gut einfärben kann – egal ob süß oder pikant. Die Blätter der Kohldistel können so lange verwendet werden, so lange sie grün und weich sind, was oft bis Ende September möglich ist.

Diesmal haben wir ein grünes Joghurt-Eis mit den Blättern probiert. Mit dem Ergebnis sind wir so zufrieden, dass wir es in diesem Sommer immer wieder zubereiten. Dieses Eis schmeckt ganz anders, als man es von einer Distel erwarten würde. Hier geht’s zum Rezept – viel Freude damit:

Zutaten:

– 500 g Griechisches Joghurt (10%)
– 500 ml Schlagobers
– 220 g feiner Zucker (z. B. Backzucker)
– 25 mittelgroße, frische Kohldistelblätter, grob gehackt
– ½ Teelöffel Natron
– ½ Teelöffel frisch geriebene Zitronenschale
– je 1 Msp. Vanillezucker und Kardamom

So wird’s gemacht:
In einem weiten Topf werden ca. 1,5 l Wasser und Natron aufgekocht und die Kohldistelblätter für etwa drei Minuten weichgekocht.
Anschließend werden die Blätter abgeseiht, eiskalt abgeschreckt und gut ausgedrückt, sodass sie möglichst trocken sind.
Nun vermischt ihr die gekochten Kohldistelblätter mit Joghurt, Zucker und Kardamom und püriert sie mit dem Pürierstab so fein wie möglich.
Anschließend wird das Obers mit dem Vanillezucker steif geschlagen und zuletzt die Joghurtmasse und das geschlagene Obers vorsichtig mit einem Schneebesen vermengt.
Zuletzt füllt ihr die Masse in die Eismaschine und gefriert sie darin, bis sie die gewünschte Konsistenz erreicht hat. Die Eismasse kann auch eingefroren und nach einigen Stunden als Parfait servieren werden.

Besonders fein schmeckt dieses Eis auf einem pikanten Fruchtspiegel aus gemischten Beeren wie Brombeeren, Heidelbeeren oder Himbeeren.

Wenn ihr Lust auf mehr Kohldistel-Rezepte habt, dann seht euch gerne weiter bei uns um:
Distelfrischkäse im Kohldistelblatt
Frühlingsrollen von der Kohldistel

Die Quecke – ein altbekanntes Gras mit Potential

Kriechquecke

Bei all den Kräutern, die wir für kulinarische Zwecke und in der Volksmedizin verwenden, wird auf einen möglichen Einsatz der Gräser vollkommen vergessen. Der Grund besteht sicher darin, dass man verschiedene Gras-Arten nur schwer voneinander unterscheiden kann und es nur wenige wissenschaftliche Forschungsergebnisse gibt! Außerdem dienen Gräser hauptsächlich als Futter für Wiederkäuer.

Am Beispiel der Kriech-Quecke (Elymus repens) wird aber deutlich, dass Gräser durchaus verwendet werden können. Der deutsche Name Quecke stammt von „queck“ was man mit „Zählebigkeit“ oder „Beständigkeit“ übersetzen könnte. In der Umgangssprache kennt man die Quecke auch unter den Namen Beier.

Die Quecke besitzt dünne, schmale, grüne bis blaugraugrüne Laubblätter, der Blütenstand ist eine Ähre. Die Hauptblütezeit reicht von Juni bis August. Es werden unterirdische Ausläufer (Rhizome) gebildet, die in jeden Spalt eindringen und sich über große Flächen ausbreiten können. Egal ob auf Äckern, in Blumen- und Gemüsebeeten, an Wegrändern, entlang von Eisbahnlinien, ruderalen Saumgesellschaften, sandigen und schottrigen Flächen wie dem Beachvolleyballplatz – die Quecke ist ein Störflächenbewohner (Pionierpflanze)! In der Landwirtschaft und bei Gartenliebhabern erfreut sie sich aufgrund ihrer starken Tendenz zur Ausläuferbildung nicht gerade über eine allzu große Beliebtheit, denn selbst mit dem stärksten Spaten und durch noch so sorgfältiges Sieben der Beeterde kann man sie nicht vertreiben. Ein Mini-Spitzchen von einem Rhizom genügt, und schon wächst eine neue Pflanze heran. Viele Menschen hassen sie!  

Das deutet aber auf einen hohen Gehalt teilungsfähiger Zellen mit wertvollen Inhaltsstoffen in den Rhizomen hin. Es sind unter anderem Zuckerverbindungen, Schleimstoffe, Kieselsäure, Eiweiße, Vitamin C und sogar Carotin enthalten! In Notzeiten, wie im 2. Weltkrieg diente die Quecke bei uns als Nahrungsmittel, in einigen zentralasiatischen Staaten wird sie bis heute verwendet. Dazu werden die Rhizome in den Wintermonaten, zwischen September und März ausgegraben, gereinigt und im frischen Zustand für Suppen, Salate und Gemüsegerichte zubereitet. Das Rhizom kann aber auch getrocknet und als stärkehaltiges Streckmehl für Brote verwendet werden.

In der Volksmedizin als auch in der klassischen Medizin kommen die getrockneten Rhizome nach wie vor zum Einsatz! Aufgrund der enthaltenen Kieselsäure wirkt die Quecke harntreibend und ausleitend. Sie gilt auch als altes Hausmittel bei Nierensteinen, Harnwegsinfekten und bei Rheuma.

Distelfrischkäse im Kohldistelblatt

Distelfrischkäse

Die Herstellung von Frischkäse aus Wildpflanzen fasziniert uns schon seit längerer Zeit. Wir machen dazu immer wieder neue Experimente. Dass man auch mit verschiedenen Pflanzenteilen von Disteln Käse erzeugen kann, wissen wir erst seit Kurzem – und haben es sofort ausprobiert.

Verschiedene Länder wie Spanien und Portugal haben, im Gegensatz zu uns, eine lange Tradition in der Verwendung von pflanzlichem Lab für die Käseherstellung. Meist werden die in diesen beiden Ländern mit Wildpflanzen hergestellten Käse mit Ziegen- oder Schafmilch hergestellt.

In Portugal und Spanien verwendet man vor allem die Staubgefäße von Artischocken und Distel-Arten für die Milchgerinnung. Sie werden gepflückt oder abgeschnitten, getrocknet und zu Pulver vermahlen. Getrocknetes Pulver verwendet man angeblich, um Schimmelbildung bei der Lagerung des Käses zu vermeiden. Das Pflanzenpulver für die Käseherstellung ist bis zu zwei Jahre haltbar.

Geht man bei der Käseherstellung nicht ganz so professionell vor, dann funktioniert diese auch ganz hervorragend mit frischen Pflanzenteilen von Disteln. Prinzipiell können alle oberirdischen Pflanzenteile für den Käse verwendet werden. Besonders fein schmeckt er aus unserer Sicht mit den Blüten. Im Anschluss findet ihr das einfache Käse-Rezept:

Zutaten:

1 l Milch (Kuh, Schaf oder Ziege) mit hohem Fettgehalt (mind. 3,5%)
– 2 Handvoll Stängel, Blüten und Blätter einer oder unterschiedlicher Disteln (z. B. Kohldistel, Acker- oder Sumpfkratzdistel,
Gänsedisteln)
– 1 schöner Kohldistel-Blütenstand
– bunte Distelblüten
– Salz, Pfeffer

Die Milch wird in eine große Rührschüssel geleert und auf etwa 30°C angewärmt.
Anschließend werden die Distelblüten, -stängel und -blätter in die Milch gelegt, sodass sie mit Milch bedeckt sind. Es ist auch möglich, für Käse nur Distelblüten zu verwenden.
Nun stellt man die Mischung bei 30-40°C im Backofen warm und belässt sie dort für 10 bis 15 Stunden. Die Wärme kann zwischendurch abgestellt werden. Insgesamt sollte die Milch ständig leicht erwärmt sein.

Nach etwa 10 Stunden sollte deutlich bemerkbar sein, dass sich um die Kräuter und am Schüsselrand Verdickungen bilden. Insgesamt sollte der Ansatz nach etwa 15 schön fest und von der Molke getrennt sein.
Prinzipiell gilt: Je fetter die Milch ist, desto rascher geht es! Und je mehr Pflanzenteile für den Käse verwendet werden, desto rascher stockt die Milch.

Wenn die Milch fest gestockt ist, seiht man den Frischkäse in ein großes, mit einem Mulltuch ausgelegtes Sieb, und lässt ihn abtropfen. Nach etwa zwei Stunden schneidet man den noch sehr weichen Käse vertikal mit einem Messer mehrmals der Länge nach durch. Dasselbe macht man in einem Winkel von 90 Grad noch einmal. Man belässt den Frischkäse noch im Sieb, deckt ihn ab und lässt ihn noch ein bisschen weiter abtropfen. 
Die entweichende Molke kann getrunken oder weiter verarbeitet werden.
Nun wird der Käse mit Distelblüten und Salz verfeinert. Zuletzt presst man die Masse im Tuch leicht aus, sodass eine weiche Kugel entsteht.
Zum Servieren schneidet man vorsichtig die Blüten aus dem Blütenkopf der Kohldistel und legt die Käsekugel in die Vertiefung. Der Käse kann noch mit frischen Blütenblättern bestreut werden.

P.S.: Wir arbeiten jetzt auch an der Herstellung von Schnittkäse aus Wildpflanzen und sind gespannt, wann wir auch davon berichten können :).

Wenn ihr noch ein bisschen mehr über Käseherstellung mit pflanzlichem Lab erfahren wollt, können wir euch diese Website empfehlen:
 https://www.alimentarium.org/de/magazine/vom-garten-zur-milchgerinnung