Räucherkunde

Das Wald-Bingelkraut

Bingelkraut


Das Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis) gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Wie das nahe verwandte Einjährige Bingelkraut (Mercurialis annua) besitzt es keinen weißen Milchsaft, was es von allen anderen Vertretern dieser Pflanzenfamilie unterscheidet.

Wir finden die zarte, bis zu 35 cm hohe Pflanze in Laub- und Mischwäldern, am Uferbereich von kleinen Waldbächen, in Waldgräben und an Hängen. Als Rhizompflanze kann das Wald-Bingelkraut durch unterirdische Ausläufer große Bestände bilden.

Zur äußeren Form des Wald-Bingelkrautes: Die Laubblätter sind einfach und ungeteilt, mit schmal-eiförmiger bis breit-lanzettlicher Blattform, und erinnern ein wenig an Kirschlaub. Jüngere Laubblätter sind hellgrün, ältere dunkelgrün. Die Blätter sind immer gestielt und kreuz-gegenständig angeordnet. Ein auffälliges Merkmal der Pflanze sind Niederblätter in Bodennähe.
Wie auch die Große Brennnessel (Urtica dioica) ist das Wald-Bingelkraut zweihäusig – es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Mit Primeln, Buschwindröschen und Lungenkraut zählt es zu den Frühjahrsblühern und steht jetzt gerade in voller Blüte. Da die Blüten des Bingelkrautes sehr unscheinbar sind, fällt dieser Umstand aber oft kaum auf. Die männlichen Blüten sind ährenartig mit zahlreichen Staubblättern, während die lang gestielten weiblichen Blüten einzeln oder zu zweit erscheinen und zweisamige Fruchtkapseln ausbilden.

Die Pflanze enthält interessante Inhaltsstoffe, die ihre jahrtausende lange Verwendung als Heilpflanze rechtfertigen: So zum Beispiel verschiedene Flavonoide und ätherische Öle, aber auch Saponine, Alkaloide (z. B. Hermidin), Methylamin und Trimethylamin. Im Rhizom sind zudem Blausäureglykoside enthalten.
Zur Zeit der Fruchtreife gilt die Pflanze als schwach giftig, wobei beim Menschen laut Literatur keine schweren Vergiftungserscheinungen bekannt sind. Es können aber sehr wohl Durchfälle und starke Magenbeschwerden auftreten. Die leicht toxische Wirkung des Wald-Bingelkrauts verschwindet beim Trocknen. Tieren kann das Wald-Bingelkraut allerdings sehr wohl etwas anhaben. Es gibt zahlreiche Belege für ernsthafte Erkrankungen von Pferden und anderen Großsäugern, wenn sie zu viel Bingelkraut gefressen haben.

In der Wildkräuterküche findet das Wald-Bingelkraut beim besten Willen keinen Platz, in der Volksmedizin allerdings sehr wohl. Das zarte Pflänzchen ist eine der ältesten bekannten Arzneipflanzen und wurde schon in den Schriften des Hippokrates (4.-5. Jhdt. v. Chr.) erwähnt. In der Antike verwendete man es vor allem als Abführmittel, als harntreibendes Mittel („Bingeln“ mglw. frühneuhochdeutsch = „Harnen“) und bei Frauenleiden (z. B. Menstruationsbeschwerden). Auch bei eitrigen Wunden, Ekzemen, Geschwüren, Verstopfung, verschleimten Bronchien, Appetitlosigkeit und Gicht wurde es schon damals verwendet.

Neuere In-vitro-Studien belegen die Stärkung des Immunsystems und eine ausgeprägt entzündungshemmende Wirkung, die der Pflanze seit alters her nachgesagt wird. Das Wald-Bingelkraut eignet sich sehr gut für die Herstellung von Tinkturen und Ölauszügen, die entweder direkt äußerlich verwendet oder zu Salben und Cremes weiterverarbeitete werden können. Die meisten relevanten Inhaltsstoffe lösen sich am besten in Wasser-Alkohol-Lösungen, welche die besten Auszugsmittel für die Pflanze zu sein scheinen.
Die Pflanze sollte für die Verarbeitung vorher getrocknet werden. Hierbei fällt auf, dass sich getrocknete Pflanzenteile, vor allem das Rhizom, aufgrund bestimmter Inhaltsstoffe oft blau verfärben. Extrakte des Wald-Bingelkrauts sind heute übrigens auch in Augentropfen enthalten, die eine Befeuchtung der Bindehaut fördern sollen. Vor allem in der anthroposophischen Medizin hat die Pflanze heute einen wichtigen Platz (siehe zum Beispiel bei WALA).

Das Wald-Bingelkraut ist seit vorchristlicher Zeit als magische Pflanze bekannt und Bestandteil von Hexensalben: Rezepte sind noch heute überliefert. Auch als Räucherwerk hat es seinen Platz: Räucherungen mit der Pflanze sollen uns mit unseren innersten Kräften in Verbindung bringen, Blockaden auf sanfte Weise lösen und uns vor negativen Einflüssen schützen. Als Frühjahrspflanze lässt es uns jedem Neubeginn mit Zuversicht entgegensehen und verbreitet heitere Stimmung. Das Kraut mit dem leicht holzigem Duft wird meist in Mischungen verräuchert.
Einen interessanten Artikel zu Wald-Bingelkraut findet ihr hier: Wald-Bingelkraut, Zeitschrift für Phytotherapie, 2013

Kleines Habichtskraut – macht glücklich

Kleines Habichtskraut

KLEINES HABICHTSKRAUT – Hieracium pilosella

Pflanzenfamilie: Korbblütler – Asteraceae

Volksnamen: Mausöhrlein, Nagelkraut, Felsenblümeli, Langhaariges Habichtskraut
zum Wort „Habicht“: Greifvögel wie Habichte sehen sehr scharf – eine Pflanze für die Sehschärfe, aber auch für den klaren Verstand
Boden & Standort:  sonnige Standorte, magerer Rasen, lichte Wälder, felsiges Gelände,
zeigt trockene, nährstoffarme Böden an
Blütezeit: Mai – Oktober
Essbar/giftig: essbar
Sammelzeit: Blüte und Kraut: Mai bis August, Wurzel: Herbst bis Frühjahr
Inhaltsstoffe: Flavonoide, Gerbstoffe, Cumarine (Umbelliferon), Schleimstoffe, Bitterstoffe, Triterpene (Taraxasterol)
Verwendete Pflanzenteile: gesamtes Kraut,Wurzel
Erscheinungsform:
Das Kleine Habichtskraut erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 30 cm.
Blätter: auf der Oberseite lang behaart (siehe Abbildung), auf der Unterseite graufilzig behaart, grundständig, schmal eiförmig
Stängel: blattlos, teils mit langen beblätterten Ausläufern
Blüten: eine endständige Blüte pro Stängel, auf der Unterseite oft rot gestreift, Hüllblätter behaart

Volksmedizin:

Das Kleine Habichtskraut war schon unseren Vorfahren in der Antike als Heilkraut bekannt. “Sehen wie ein Habicht” … das brachte man mit der Pflanze in Verbindung, da sie sich positiv auf die Sehkraft auswirken soll. Im übertragenen Sinn kann man damit auch in Verbindung bringen, dass das Kleine Habichtskraut geistige Klarheit verschafft. Dafür steht auch die Blütenessenz aus dem Kleinen Habichtskraut, die man auf einfache Weise selbst herstellen kann. Sie soll uns dabei helfen, Vergangenes loszulassen und einer klareren Sichtweise und einem Richtungswechsel Platz zu machen.

Auch die mild schleimlösende, entzündungshemmende und wundheilende Wirkung des Kleinen Habichtskrauts schätzten unsere Vorfahren. Im Mittelalter wurde der Pflanze große Bedeutung als Heilpflanze beigemessen. Man verwendete es unter anderem als Stärkungsmittel für geschwächte, oder verwundete Menschen. In diesem Fall wurde es oft in Kombination mit anderen Pflanzen in Wein gekocht und als Stärkungstrank verabreicht oder getrocknet, pulverisiert und als Pulver eingenommen.

Auch bei Wassereinlagerungen, starker Menstruationsblutung, Übergewicht, Leber-, Nieren- und Blasenleiden, Ohrenentzündungen und zahlreichen anderen Beschwerden wurde das Kleine Habichtskraut eingesetzt.
Neue Untersuchungen haben die stark antioxidative, antibakterielle, entzündungs- und cholesterinhemmende Wirkung der Pflanze bestätigt.

Am ehesten kennen wir das Kleine Habichtskraut heute noch aufgrund seiner entspannenden und stimmungsaufhellenden Wirkung. In manchen Ländern ist es als milder Cannabis-Ersatz bekannt. Eine Teekur mit Kleinem Habichtskraut kann herbstliche Melancholie auf jeden Fall lindern und ist einen Versuch wert! Auch als Kräutertabak tut das Kraut angenehme Wirkung.

Räuchern:

Da wir schon oft über die positven Eigenschaften des Kleinen Habichtskrauts als Räucherwerk gelesen hatten wurde heuer erstmals eine große Menge Blüten und Blätter des Kleinen Habichtskrauts im Garten geerntet und getrocknet.

Auch als Räucherwerk wird das Habichtskraut oft als milder Glücklichmacher beschrieben, der die Stimmung hebt, ohne das Bewusstsein sehr zu beeinflussen. Es stimmt! Eine Räucherung mit Habichtskraut hebt die Laune sofort, entspannt und verweist Sorgen auf die Plätze. In Form einer Räucherung wirkt die Pflanze wie ein mildes Antidepressivum und sorgt für Ausgeglichenheit.
Eine Habichtskraut-Räucherung stärkt auch unsere Intuition und wirkt desinfizierend und reinigend – auch der milde, warme Duft ist etwas Besonderes.

Kulinarik:
Das zarte Pflänzchen kann man auch essen: Die grünen Blätter schmecken unspektakulär “grün” und passen gehackt in Salate, Aufstriche oder Kräuterbutter. Sie können auch Gemüsespeisen aller Art roh oder gekocht beigefügt werden. Allerdings sind sie unserer Ansicht nach kein großes kulinarisches Highlight.

Viel mehr können wir den überaus hübschen, gelben Blüten abgewinnen, die leicht süßlich schmecken und mehr als eine schöne Dekoration sind. Sie machen sich gut in Frischkäse-Terrinen, Mousse, Kräuterbutter, auf Salaten und vielem mehr.
Heuer wurde erstmals auch ein glücklich machender Likör mit Habichtskraut angesetzt – wir werden sehen, ob er an trüben Wintertagen seine Wirkung tut – wir sind uns allerdings ziemlich sicher.

Wir haben verschiedenste kulinarische und volksheilkundliche Anwendungsmöglichkeiten mit dem kleinen Habichtskraut ausprobiert, als Grundlage auch einige Quellen benutzt:
Fleischhauer, Steffen Guido und Jürgen Gutmann, Roland Spiegelberger: Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen. 2000 Pflanzen Mitteleuropas. Bestimmung, Sammeltipps, Inhaltsstoffe, Heilwirkung, Verwendung in der Küche. Aarau: AT Verlag, 2014.
Huber, Ellen: Pflanzenschätze der Ahnen. Linz: Freya, 2017.

Räucherstäbchen selbst gemacht

Räuchern

Zutaten für ca. 20 Räucherstäbchen:

– ca. 15 Esslöffel getrocknetes, Räucherwerk, am besten mit hohem Gehalt an ätherischen Ölen, in unserer Mischung: Thymian, Beifuß, Ysop, Salbei, Rosenblätter
– ca. 5 Esslöffel fein gemörserte Harze, in unserem Rezept: Weihrauch und Myrrhe (ca. ⅓ des Räucherwerks sollte aus Harzen bestehen).
– 3 Tabletten Räucherkohle
– 200 ml Wasser
– 2 gehäufte Esslöffel Weizenmehl
– 1 Esslöffel Zucker
– 1 gehäufter Teelöffel Gummi arabicum (erhält man in jeder Drogerie)
– 5 Teelöffel lauwarmes Wasser
– Holzstäbchen, Schaschlikspieße etc.

Zur Abwechslung gibt es nichts zu essen – stattdessen, passend zur Jahreszeit, selbstgemachte Räucherwerk! Räucherstäbchen und -kegel selbst herstellen ist eine ganz einfache Sache und eine schöne Abwechslung für die kalte Jahreszeit. Ein bisschen Zeit sollte man sich aber schon nehmen – und wer sich nicht gerne die Hände schmutzig macht, sollte die Finger davon lassen. Allen anderen, die gerne Räuchern, lege ich es aber sehr ans Herz, solche Räucherwaren einmal selbst zu machen. Besonders Spaß macht es im Übrigen in Gesellschaft.

Als erstes wird das Gummi arabicum im lauwarmen Wasser angesetzt und für einige Stunden quellen gelassen (mindestens zwei Stunden, aber auch länger). Direkt vor der Zubereitung der Stäbchen werden Weizenmehl, Zucker und Wasser unter Rühren für wenige Minuten aufgekocht, dann vom Herd genommen und ebenfalls quellen gelassen, bis die Mischung abgekühlt ist.

In der Zwischenzeit wird das Räucherwerk so fein wie möglich gemörsert bzw. gemahlen. Dafür müssen die Kräuter wirklich vollkommen trocken sein. Es empfiehlt sich, das gemahlene Räucherwerk zwischendurch immer wieder durch ein mittelfeines Metallsieb in eine große Schüssel zu sieben, damit alle holzigen Teile zum weiteren Mörsern oder Aussortieren im Sieb zurückbleiben. Getrocknete Kräuter und Gewürze können auch in einer Gewürz- oder in einer Kaffeemühle fein gemahlen werden. Die Harze sollten immer im Mörser gemörsert werden, da sie andere Küchengeräte verkleben. Auch die Kohletabletten werden im Mörser zerrieben.

Schließlich vermischt man das gemahlene Räucherwerk (Kräuter und Harze) und die geriebene Kohle in einer großen Schüssel und gibt löffelweise die gequollene Mehl-Zucker-Mischung und das Gummi arabicum dazu. Es muss eine sehr feste, dicke Masse entstehen, die nur wenig feucht ist. Deshalb sollte man die Flüssigkeiten nur langsam und portionsweise zugeben. Hat die Masse eine sehr feste, aber gut klebrige Konsistenz, teilt man sie in ca. 3 cm große Teile, die man zu Kugeln rollt. Langsam verarbeitet man die Kugeln zu länglichen Stäbchen, in deren Mitte man jeweils einen Holzspieß setzt. Anschließend knetet man die Masse um den Holzspieß herum – ein Teil der Knetmasse soll über den Holzspieß hinausstehen. Das Formen der Stäbchen braucht zu Anfang auf jeden Fall einige Minuten pro Stäbchen – nicht die Geduld verlieren! Je dünner das Stäbchen wird, desto besser brennt es. Hat man etwas weniger Geduld, kann man auch Räucherkegel formen, die auf jeden Fall rascher fertiggestellt sind und ebenso gut brennen.

Die fertigen Räucherstäbchen trocknet man für etwa 2 Stunden auf einem mit Backpapier ausgelegten im Backrohr bei 50 Grad. Anschließend muss man sie noch einige Tage nachtrocknen lassen, damit auch wirklich ganz ausgehärtet sind, ehe man sie anzündet.

Auf diese Art selbst gemachte Räucherstäbchen brennen nicht immer ganz so perfekt wie gekaufte –  es kann sein, dass man sie ab und zu zwischendurch wieder anzünden muss. Der Duft des selbst zusammengestellten Räucherwerks ist allerdings herrlich – und man weiß ganz genau, was in den Stäbchen drinnen ist. Dank der pulverisierten Räucherkohle enthalten die Stäbchen bzw. Kegel auch Salpeter, der das Abbrennen erleichtert.Viel Spaß beim Herstellen selbst gemachten Räucherwerks – vielleicht auch als Weihnachtsgeschenk?