Volksmedizin

Das Vielblütige Salomonssiegel

Vielblütiges Salomonssiegel


Das wunderschöne Salomonssiegel ist im Mai und Juni, in höheren Lagen auch noch im Juli, vor allem in feuchten Laub- und Mischwäldern blühend zu bewundern. Um die interessante, leicht giftige Heilpflanze, ranken sich auch viele Geschichten.

Wie das Maiglöckchen (Convallaria majalis) und der Gemüsespargel (Asparagus officinalis) gehört das Vielblütige Salomonssiegel (Polygonatum multiflorum) zu den Spargelgewächsen (Asparagaceae).

Die oberirdischen Pflanzenteile dieser mehrjährigen Pflanze sterben im Herbst ab. Die verdickten, unterirdischen Rhizome überwintern im Boden. Bricht man die abgestorbenen Triebe an der Ansatzstelle zum Rhizom ab, so erkennt man an der Abbruchstelle eine ringförmige Struktur.

Davon hat das Salomonssiegel seinen schönen Namen: Der berühmte biblische König Salomon besaß angeblich einen Siegelring, mit dessen Hilfe er Dämonen bannen konnte. Laut einer Legende soll König Salomon mit Hilfe des Salomonssiegels übrigens einen Felsen gesprengt haben, der beim Tempelbau im Weg stand. Selbstverständlich denkt man sofort an König Salomons Ring, wenn man die Abbruchstelle des Rhizoms des Salomonssiegels sieht… Übrigens kann das Salomonssiegel angeblich wirklich Felsen sprengen und Quellen aufspüren, und noch vieles mehr. So geht zumindest die Sage.

Aus dem Rhizom der Pflanze treibt im Frühling ein gebogener Trieb mit schraubig oder zweizeilig angeordneten Laubblättern aus. Die sitzenden Laubblätter sind einfach aufgebaut und auf der Oberseite immer dunkler gefärbt als auf der Unterseite.
In Richtung Pflanzenspitze findet man in den Blattachseln wunderschöne, weiße Blüten mit einem grünen Ring an den Zipfeln der Blütenhülle. Pro Blattachsel sind immer 2-5 radiäre Blüten in traubigen Blütenständen angeordnet. Die Blüten duften nicht! Ab dem Spätsommer reifen kleine blaue Beerenfrüchte – die im Übrigen die meisten Giftstoffe enthalten.
Das Rhizom ist auffällig weiß gefärbt, weshalb die Pflanze auch den Namen Vielblütige Weißwurz trägt.

Für die leichte Giftigkeit der Pflanze sind Steroid-Saponine verantwortlich. Darüber hinaus enthält sie Flavonoide, Gerbstoffe und Schleimstoffe.
Das Vielblütige Salomonssiegel ist, wie das verwandte Wohlriechende Salomonssiegel eine alte Heilpflanze, deren Rhizom früher häufig verwendet wurde. Dieses gräbt man für heilkundliche Zwecke vorzugsweise von September bis März aus, da es dann die meisten Inhaltsstoffe enthält.

Die Liste der Beschwerden, bei denen man es einsetzte, ist lang: Aufgrund der Signatur des Rhizoms, das auch an Hühneraugen erinnert, wurden Auszüge daraus bei Hühneraugen aufgelegt.
Auch Hautcremes und Salben für einen schönen Teint sowie gegen Pigmentflecken, Sommersprossen und Narben sind bekannt. Bei Problemen mit Sehnen, Bändern, Gelenken und bei Knochenbrüchen waren Salomonssiegel-Salbe und Breiumschläge häufig verwendete Hausmittel. Innerlich wurde ein Teeauszug bei Entzündungen und Blutungen (z. B. in Magen und Darm), bei Lungenerkrankungen bis zur Tuberkulose, und bei Menstruationsbeschwerden verabreicht.

In aktuellen wissenschaftlichen Artikeln wird auf die mögliche Schädigung der Leber durch die innere Einnahme hingewiesen, was allerdings nicht belegt ist. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) hat das Salomonssiegel seit vielen Jahrhunderten einen wichtigen Platz. Hier kommt es bei Husten, Keuchusten und TBC sowie bei Krämpfen der Gliedmaßen und Diabetes zum Einsatz.

Wir bevorzugen die äußerliche Anwendung in Hautcremes und Salben und schätzen die Pflanze für diese Einsatzgebiete sehr. Von der kulinarischen Verwendung der Pflanze raten wir ab, obwohl das Rhizom angeblich sogar gegessen wird.

Hier unser erprobtes Salomonssiegel-Salben-Rezept:

Zutaten:

– 60 ml Salomonssiegel-Öl
– 60 ml Ringelblumen-Öl
– 10 ml Salomonssiegel-Tinktur
– 15 g Bienenwachs
– 6 g Sheabutter
– evtl. einige Tropfen ätherisches Öl: Weißkiefer, Zirbe

  • Salomonssiegel- und Ringelblumen-Öl im Wasserbad auf 60°C erwärmen, das Bienenwachs einstreuen und langsam rühren, bis das Wachs geschmolzen ist.
    Die Mischung auf ca. 45°C abkühlen lassen und nun die Sheabutter und die Salomonssiegel-Tinktur einrühren.
    Anschließend fügt man einige Tropfen ätherisches Öl bei.
    Die Salbe flüssig in kleine Cremedosen füllen und offen abkühlen lassen.
    Das Glas wird erst verschlossen, sobald die Salbe abgekühlt ist.
    Salomonssiegel-Salbe ist ein altbewährtes Hausmittel bei Entzündungen der Sehnen, Gelenke und Bänder, bei Muskelschmerzen, Verstauchungen und Rückenschmerzen.

So stellt ihr den Ölauszug und die Tinktur aus dem Rhizom des Salomonssiegel her:

Salomonssiegel-Tinktur:

Zutaten:

– 3 frische Rhizome des Vielblütigen oder Echten Salomonssiegels, jeweils ca. 10 cm lang
– ca. 200 ml Alkohol 60%

  • Man lässt das Rhizom des Salomonssiegels über Nacht antrocknen, schneidet es dann in kleine Stücke und füllt diese in ein steriles Schraubglas.
    Anschließend wird das Pflanzenmaterial mit dem Alkohol übergossen.
    Gut verschlossen lässt man den Ansatz drei bis vier Wochen bei Raumtemperatur, hell, aber nicht in der prallen Sonne, ziehen. Wenn möglich täglich schütteln, danach abseihen und in eine dunkle Flasche abfüllen.
    Die Tinktur kann Salben und Cremes beigemischt (maximal 12 %) werden.

Salomonssiegel-Öl:

Zutaten:

– 3 frische Rhizome des Vielblütigen oder Echten Salomonssiegels, jeweils ca. 10 cm lang
– 200 ml hochwertiges, gut haltbares Öl (z. B. kaltgepresstes Oliven- oder Mandelöl)

  • Man lässt das Rhizom des Salomonssiegels über Nacht antrocknen und schneidet es dann in kleine Stücke.
    Anschließend die Pflanzenteile in ein sauberes Schraubglas mit breiter Öffnung geben und das Öl darüber gießen.
    In den ersten beiden Tagen den Deckel nur auf das Glas legen, erst danach fest verschließen. Das Glas für drei bis vier Wochen an einem warmen Ort stehen lassen und täglich schwenken.
    Zuletzt abseihen, die Pflanzenrückstände durch ein feines Tuch in das Öl pressen und in dunkle Fläschchen füllen.

Es gibt in Mitteleuropa noch weitere Salomonssiegel-Arten, wie das Wohlriechende Salomonssiegel (Polygonatum odoratum) oder das Quirlblättrige Salomonssiegel (Polygonatum verticillatum). Sie können genauso wie das Vielblütige Salomonssiegel verwendet werden.

Das Wald-Bingelkraut

Bingelkraut


Das Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis) gehört zur Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Wie das nahe verwandte Einjährige Bingelkraut (Mercurialis annua) besitzt es keinen weißen Milchsaft, was es von allen anderen Vertretern dieser Pflanzenfamilie unterscheidet.

Wir finden die zarte, bis zu 35 cm hohe Pflanze in Laub- und Mischwäldern, am Uferbereich von kleinen Waldbächen, in Waldgräben und an Hängen. Als Rhizompflanze kann das Wald-Bingelkraut durch unterirdische Ausläufer große Bestände bilden.

Zur äußeren Form des Wald-Bingelkrautes: Die Laubblätter sind einfach und ungeteilt, mit schmal-eiförmiger bis breit-lanzettlicher Blattform, und erinnern ein wenig an Kirschlaub. Jüngere Laubblätter sind hellgrün, ältere dunkelgrün. Die Blätter sind immer gestielt und kreuz-gegenständig angeordnet. Ein auffälliges Merkmal der Pflanze sind Niederblätter in Bodennähe.
Wie auch die Große Brennnessel (Urtica dioica) ist das Wald-Bingelkraut zweihäusig – es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Mit Primeln, Buschwindröschen und Lungenkraut zählt es zu den Frühjahrsblühern und steht jetzt gerade in voller Blüte. Da die Blüten des Bingelkrautes sehr unscheinbar sind, fällt dieser Umstand aber oft kaum auf. Die männlichen Blüten sind ährenartig mit zahlreichen Staubblättern, während die lang gestielten weiblichen Blüten einzeln oder zu zweit erscheinen und zweisamige Fruchtkapseln ausbilden.

Die Pflanze enthält interessante Inhaltsstoffe, die ihre jahrtausende lange Verwendung als Heilpflanze rechtfertigen: So zum Beispiel verschiedene Flavonoide und ätherische Öle, aber auch Saponine, Alkaloide (z. B. Hermidin), Methylamin und Trimethylamin. Im Rhizom sind zudem Blausäureglykoside enthalten.
Zur Zeit der Fruchtreife gilt die Pflanze als schwach giftig, wobei beim Menschen laut Literatur keine schweren Vergiftungserscheinungen bekannt sind. Es können aber sehr wohl Durchfälle und starke Magenbeschwerden auftreten. Die leicht toxische Wirkung des Wald-Bingelkrauts verschwindet beim Trocknen. Tieren kann das Wald-Bingelkraut allerdings sehr wohl etwas anhaben. Es gibt zahlreiche Belege für ernsthafte Erkrankungen von Pferden und anderen Großsäugern, wenn sie zu viel Bingelkraut gefressen haben.

In der Wildkräuterküche findet das Wald-Bingelkraut beim besten Willen keinen Platz, in der Volksmedizin allerdings sehr wohl. Das zarte Pflänzchen ist eine der ältesten bekannten Arzneipflanzen und wurde schon in den Schriften des Hippokrates (4.-5. Jhdt. v. Chr.) erwähnt. In der Antike verwendete man es vor allem als Abführmittel, als harntreibendes Mittel („Bingeln“ mglw. frühneuhochdeutsch = „Harnen“) und bei Frauenleiden (z. B. Menstruationsbeschwerden). Auch bei eitrigen Wunden, Ekzemen, Geschwüren, Verstopfung, verschleimten Bronchien, Appetitlosigkeit und Gicht wurde es schon damals verwendet.

Neuere In-vitro-Studien belegen die Stärkung des Immunsystems und eine ausgeprägt entzündungshemmende Wirkung, die der Pflanze seit alters her nachgesagt wird. Das Wald-Bingelkraut eignet sich sehr gut für die Herstellung von Tinkturen und Ölauszügen, die entweder direkt äußerlich verwendet oder zu Salben und Cremes weiterverarbeitete werden können. Die meisten relevanten Inhaltsstoffe lösen sich am besten in Wasser-Alkohol-Lösungen, welche die besten Auszugsmittel für die Pflanze zu sein scheinen.
Möchte man das Wald-Bingelkraut für volksmedizinische Zubereitungen sammeln, sollte man sie zwischen Mitte März und Anfang Mai auf die Suche begeben. Die Pflanze sollte für die Verarbeitung vorher getrocknet werden. Hierbei fällt auf, dass sich getrocknete Pflanzenteile, vor allem das Rhizom, aufgrund bestimmter Inhaltsstoffe oft blau verfärben. Extrakte des Wald-Bingelkrauts sind heute übrigens auch in Augentropfen enthalten, die eine Befeuchtung der Bindehaut fördern sollen. Vor allem in der anthroposophischen Medizin hat die Pflanze heute einen wichtigen Platz (siehe zum Beispiel bei WALA).

Das Wald-Bingelkraut ist seit vorchristlicher Zeit als magische Pflanze bekannt und Bestandteil von Hexensalben: Rezepte sind noch heute überliefert. Auch als Räucherwerk hat es seinen Platz: Räucherungen mit der Pflanze sollen uns mit unseren innersten Kräften in Verbindung bringen, Blockaden auf sanfte Weise lösen und uns vor negativen Einflüssen schützen. Als Frühjahrspflanze lässt es uns jedem Neubeginn mit Zuversicht entgegensehen und verbreitet heitere Stimmung. Das Kraut mit dem leicht holzigem Duft wird meist in Mischungen verräuchert.
Einen interessanten Artikel zu Wald-Bingelkraut findet ihr hier: Wald-Bingelkraut, Zeitschrift für Phytotherapie, 2013

Die Schwarz-Erle


Die Schwarz-Erle ist ein Wasserzeiger und wächst gerne an feuchten Orten, entlang von Bächen, Seen, Flüssen und in Auwäldern. Oft wurzelt der bis zu 25 m hohe Laubbaum sogar oft direkt im Wasser.
Dennoch benötigt die Schwarz-Erle viel Licht. Seit Urzeiten bringt man sie deshalb mit Licht und Schatten in Zusammenhang – im übertragenen Sinne sah man sie oft als Lebensspenderin wie auch als Baum, der das Leben nehmen kann. Denken wir nur an die berühmte, düstere Ballade vom „Erlkönig“ von Johann Wolfgang von Goethe – es lohnt sich, sie wieder einmal zu lesen.

Doch nun zu einigen botanischen Details zu diesem wunderschönen Laubbaum, der aus unserer Sicht mehr Aufmerksamkeit genießen sollte:

Die Schwarz-Erle (Alnus glutinosa) gehört zur Familie der Birkengewächse (Betulaceae). Die männlichen Kätzchen sind wie bei der Hasel (Corylus avellana) besonders leicht zu erkennen. Sie hängen an den Zweigenden und sind rötlich-braun gefärbt – wie auch die sich unmittelbar über den Kätzchen befindlichen weiblichen Blütenknospen. 
Ein auffälliges Erkennungsmerkmal sind die, wie übrigens bei allen Erlen-Arten, auf einem zarten Stiel sitzenden rotbraunen schraubig (= wechselständig) angeordneten Spross-Knospen.
Die Schwarz-Erle blüht von Februar bis März, deutlich bevor sie Blätter austreibt. Ihre Laubblätter sind rundlich bis verkehrt-eiförmig und an der Spitze abgestumpft. Die Blattoberseite ist meistens kahl, auf der Unterseite befinden sich in den Nervenwinkeln oft feine, weiße Härchen. 
Die Rinde bei der Schwarz-Erle ist in jungen Zustand eher glatt und dunkel, bei einem älteren Exemplar dunkel und rissig.

Die Schwarz-Erle wird oft mit der Grau-Erle (Alnus incana) verwechselt. Beide Arten wachsen häufig nebeneinander und können zumindest im Sommer leicht voneinander unterschieden werden, da die Grau-Erle im Gegensatz zur Schwarz-Erle zugespitzte Laubblätter besitzt. In höheren Lagen findet man öfter die Grün-Erle (Alnus alnobetula), deren Knospen besonders im Schatten grünlich gefärbt sind. Da die Schwarz-Erle sowohl mit Grau-Erle, der Grün-Erle als auch mit weiteren Erlen-Arten Hybride bildet, ist die Bestimmung nicht immer einfach!

Heilkundlich wurde die Schwarz-Erle in der Antike und im Mittelalter nicht beachtet. Pedianus Disokurides beschrieb sie als nutzlos, und auch Hildegard von Bingen hielt sie für wenig heilkräftig.
Mittlerweile ist unumstritten, dass die Schwarz-Erle als wirksames Hausmittel zur Fiebersenkung verwendet werden kann und auch ausgeprägte entzündungshemmende, ausleitende und blutreinigende Eigenschaften aufweist. Auszüge können auch die Blutbildung anregen und dabei helfen, Giftstoffe aus dem Körper abzutransportieren. Sie stärken das Immunsystem, regen den Lymphfluss an und wirken antibiotisch. Auch bei depressiven Verstimmungen und Melancholie kann die Schwarz-Erle positive Wirkung zeigen.

Für naturheilkundliche Anwendungen können alle oberirdischen Pflanzenteile verwendet werden, am bekanntesten sind Präparate aus Knospen und Rinde. Besonders wirksam sind Gemmo-Mazerate aus Erlenknospen und -kätzchen. Die Rinde wird meist in Form eines Dekokts (Abkochung) verwendet. Blätter und Kätzchen können als Teeaufguss eingenommen werden. Auch Tinkturen kommen zum Einsatz.

Für die heilkundlich interessanten Eigenschaften der Schwarz-Erle sind ihre Inhaltsstoffe verantwortlich. Sie enthält vor allem Gerbstoffe, Flavonoide, Triterpensäuren, Steroide sowie Zucker und Harze. In den Knospen finden sich viele Enzyme, Mineralstoffe und Spurenelemente sowie Beta-Sitosterol.

In der Signaturenlehre wird die Erle vorwiegend den Planeten Saturn, Mond und Merkur zugeordnet. Mit dem Saturn, der unter anderem für chronische Erkrankungen steht, werden die rissige Rinde, die verholzenden Zapfen und der hohe Gerbstoffgehalt in Verbindung gebracht. Die Nähe zum Wasser deutet auf den Mond hin, während Windbestäubung und Kätzchenbildung auf den Merkur weisen.
Wird die Schwarz-Erle verletzt oder gefällt, so verfärbt sich das Holz an der Schnittstelle rötlich, weshalb auch der Mars eine gewisse Bedeutung für die Pflanzensignatur hat.

Im Volksglauben schrieb man der Schwarz-Erle  auf Grund der blutigen Erscheinung ihres Holzes zahlreiche Bedeutungen zu. Meist waren diese mit einer gewissen Schwere wie Trennungsschmerz, Trauer oder bösen Geistwesen verbunden. Insgesamt wurde die Schwarz-Erle oft als Mittlerin zwischen Ober- und Unterwelt gesehen.

Kulinarisches zur Schwarz-Erle findest du im nächsten Blog-Beitrag:

Die Kraft der Hasel

Haselkätzchen


Der Monat Jänner ist für uns der Monat der Haselkätzchen, die wir aus vielerlei Gründen schätzen – heilkundlich wie kulinarisch. Grund genug für eine etwas eingehendere Beschäftigung mit der Hasel – auch in botanischer und mythologischer Hinsicht.
Die nahrhaften Samen der Hasel, die allseits beliebten Haselnüsse, wurden schon vor 10.000 Jahren als Nahrungsmittel verwendet, wohl unter anderem aufgrund ihrer langen Haltbarkeit. Doch die Hasel hat uns das ganze Jahr über gesundheitlich und kulinarisch viel zu bieten.

Die Gewöhnliche Hasel (Corylus avellana) gehört zur Familie der Birkengewächse (Betulaceae). Sie wächst meist als 1 bis 8 Meter hoher Strauch, in seltenen Fällen als kleiner Baum. Die Hasel besiedelt zahlreiche Lebensräume und bevorzugt dabei feuchte, gut durchlüftete Böden. Bei Ausflügen in der Natur begegnen wir ihr besonders oft an Waldrändern, in Auwäldern, lichten Laub-Mischwäldern, Hecken und als Pionierpflanze an Kahlschlägen. Aufgrund ihrer Schnittverträglichkeit gehört die Hasel zu den robusteren Gehölzen und wird gerne in Gärten und Hecken gepflanzt.

Die einjährigen Triebe sind bräunlich gefärbt und fein samtig behaart. Die Hasel ist eine einhäusige, aber getrenntgeschlechtliche Pflanze: Männliche und weibliche Blüten werden getrennt voneinander ausgebildet, befinden sich aber auf ein und derselben Pflanze. Die männlichen Blüten werden als Kätzchen ausgebildet und sind anhand ihrer länglichen Form leicht zu erkennen. Die weiblichen Blüten sind recht unscheinbar, aber bei genauerem Hinsehen wunderschön. Sie reichen in der Hauptblütezeit als kleine, rötliche Narbenäste aus der Blütenknospe heraus (siehe Titelfoto). Abgesehen von den männlichen Kätzchen sind die Knospen eiförmig und an der Spitze abgestumpft. Sonnenzugewandt sind die mehrschuppigen Knospen bräunlich bis rötlich gefärbt, im Schatten sind sie grünlich.

Auch heilkundlich ist die Hasel überaus interessant. Jetzt im Winter stehen Kätzchen und Knospen im Vordergrund, die reich an wertvollen Inhaltsstoffen wie Flavonoiden, β-Sitosterin, organischen Säuren, Enzymen, Mineralstoffen, Gerbstoffen und ätherischen Ölen sind.

Naturheilkundlich werden Knospen und Kätzchen der Hasel vor allem in der Gemmotherapie (Gemma, lat. = Knospe) als Mazerat eingesetzt. Dieses kann vor allem Lungenerkrankungen, die Blutgerinnungsfähigkeit und die Anregung des gesamten Stoffwechselsystems positiv beeinflussen. Auch die Blutbildung sowie Leber und Galle können dadurch angeregt werden.
Ein Teeauszug aus Haselkätzchen wurde von unseren Vorfahren gerne zur Fiebersenkung bei Erkältungskrankheiten getrunken.
 
Haselblätter werden volksmedizinisch ab April  bei denselben Indikationen in Form eines Teeaufgusses eingesetzt. Bekannt ist auch ihr positiver Einfluss auf die geistige Leistungsfähigkeit, Nerven und Immunsystem. Die frische, im April geerntete Rinde der Haseln verwendete man früher zum Stillen von Blutungen und ebenfalls zur Fiebersenkung. Blätter und Rinde sind reich an Gerbstoffen und enthalten darüber hinaus Betulin und ätherisches Öl. In den Blättern findet man auch Palmitinsäure, Paraffin, Saccharose und β-Sitosterin.
Auch auf die energiereichen Nüsse soll in diesem Zusammenhang verwiesen werden. Sie enthalten bis zu 70% Fettes Öl und sind reich an Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen.

Auch die Signatur der Hasel gibt uns interessante Hinweise auf ihr großes Wirkungsspektrum.
Haseln sind Pionierpflanzen und befruchten sich über Windbestäubung. Sie wachsen rasch und strahlen etwas Jugendliches, Leichtes aus. Daraus leitet man in der Signaturenlehre den Planeten Merkur, das vermittelnde und beweglich Urprinzip, als Hauptaspekt ab.
Der oftmals feuchte Standort deutet auf die Signatur des Mondes hin. Die auffallend geraden, langen und dünnen Triebe dienen Wünschelrutengängern seit alters her als kraftvolle Energieleiter beim Aufspüren von Wasseradern. Aufgrund ihrer steil nach oben gerichteten Wuchsform werden sie dem Planeten Mars zugeordnet. In den herzförmigen Früchten wie in den harmonisch gegliederten und ebenfalls teilweise herzförmigen Laubblättern sieht man das Prinzip der Venus. Besonders die Früchte der Hasel galten schon im Altertum als Aphrodisiaka.

Als Schutzpflanze gegen negative Kräfte wurden Haseln übrigens früher gerne rund um wichtige Gebäude und Plätze gepflanzt. Die Kelten verbanden die Hasel mit Weisheit und Inspiration.
Es gibt also viele Gründe, um die Hasel öfter zu nützen oder im Garten zu pflanzen.

KULINARISCHES zur Hasel samt einem Rezept für Haselknöpfe findet ihr in diesem Beitrag: Knusprige Haselknöpfe

Interessante Literatur zum Thema:
Ganz, Chrischta: Gemmotherapie. Knospen in der Naturheilkunde. Aarau u. Mänchen: AT Verlag, 2015.
Strassmann, Renato: Baumheilkunde. Heilkraft, Mythos und Magie der Bäume. Linz: Freya, 2017.

Heilkundliches zur Brombeere

Brombeeren

Brombeeren sind naturheilkundlich hochinteressante Pflanzen, die im Übrigen schon seit der Antike verwendet werden. Es werden nicht nur die Beeren, sondern auch die Laubblätter, jungen Triebspitzen und Knospen volksmedizinisch eingesetzt.

Die Laubblätter enthalten beachtliche Mengen an Gerbstoffverbindungen und gelten als wertvolle Unterstützung bei Durchfallerkrankungen. Eine Tinktur oder ein Teeaufguss aus den Laubblättern kann als Gurgelmittel und bei Entzündungen im Mundraum eingesetzt werden. Insgesamt wirken Auszüge aus den Laubblättern aufgrund der enthaltenen Gerbstoffe zusammenziehend (adstringierend).

Die Früchte sind reich an Vitaminen (Provitamin A, mehrere B-Vitamine, Vitamin C und Vitamin E) sowie an Mineralstoffen, Spurenelementen, Flavonoiden, Anthocyanen und Pektin. Der regelmäßige Konsum von Brombeerfrüchten stärkt das Immunsystem für den Winter. Der angewärmte Saft ist auch ein bekanntes Hausmittel gegen Heiserkeit und wird auch von Rednern gerne getrunken, damit die Stimme nicht ausbleibt.

Vor allem in der Gemmotherapie, in der die frischen Triebspitzen und Knospen zum Einsatz kommen, ist die Brombeere eine wichtige Pflanze bei Osteoporose, Knochenerweichung, zur Stärkung des Bindegewebes, des Blutkreislaufs und des Immunsystems. 
Darüber hinaus wird das Gemmomazerat zur Verbesserung der Lungenfunktion und bei chronischen Lungenerkrankungen verwendet. Die Einnahme des Mazerats aus den Triebspitzen wird auch zur Senkung des Cholesterinspiegels und bei Diabetes mellitus Typ 2 empfohlen. Besonders wichtig ist die Brombeere in der Gemmotherapie als Frauenmittel, hier vor allem bei Zysten und Myomen der Gebärmutter.

Interessante Infos zur Brombeere in der Gemmotherapie findet ihr in diesem Buch: Ganz, Chrischta und Louis Hutter: Gemmotherapie. Knospen in der Naturheilkunde. Aarau und München: AT Verlag 2015.

Wenn ihr mehr zur Brombeere und ihrer kulinarischen Verwendung wissen wollt, dann findet ihr hier mehr Lesestoff: Brombeere kulinarisch und Brombeer-Fruchtgummi

Lebenselixiere – Die Frênette aus Frankreich


Was ist eigentlich ein Lebenselixier und was berechtigt ein Getränk dazu, so genannt zu werden?

Lebenselixiere sind meist Auszüge aus Pflanzen in Alkohol. Dadurch unterscheiden sie sich aber noch nicht unbedingt von Tinkturen oder Kräuterweinen. Ihr Herstellungsprozess und auch die Auswahl der Ingredienzien machen das sie zu etwas Besonderem.

Die Wirkung von Lebenselixieren basiert auf dem lebensordnenden Prinzip, Körper, Geist und Seele in Harmonie zu bringen. Hinter den heutzutage in unserem Kulturkreis hergestellten Lebenselixieren steht die Lehre des großen Arztes Paracelsus.
Sie beruht auf den sogenannten drei Prinzipien (Tria Principia), die Paracelsus auf den Grundlagen der arabischen Alchemie entwickelte. Er gab den drei Prinzipien, die für Körper, Geist und Seele stehen, die Namen Sal (Salz), Sulfur (Schwefel) und Merkur (Quecksilber). Paracelsus bediente sich dieses Systems, weil es für ihn Gesundheit und Krankheit am besten erklärte.

Die hohe Kunst, ein Lebenselixier herzustellen, ist die Kunst der Spagyrik, die in den Bereich der Alchemie fällt. Doch es gibt auch „einfache“ Elixiere. Sie sind meist Auszüge von Pflanzen oder Pflanzenteilen in Wein und hochprozentigem Alkohol. Die verwendeten Pflanzen und die Art der Lösung ihrer Inhaltsstoffe sollen die Drei Prinzipien in uns wieder in Einklang bringen.

Ein Lebenselixier sollte ein großes Spektrum an Beschwerden und Krankheiten lindern oder heilen können. Alle Zutaten müssen ausgewogen aufeinander abgestimmt sein und dürfen sich auch bei dauerhafter Einnahme nicht nachteilig auswirken. Insgesamt streben Lebenselixiere die Verlängerung des menschlichen Lebens bei möglichst guter Gesundheit an – man kann sie als den Stein der Weisen, die Suche nach dem ewigen Leben sehen.
Heute noch sind verschiedenste Lebenselixiere bekannt und beliebt. Wir machen uns keine Gedanken darüber, dass sie nach jahrhundertealten Rezepten hergestellt werden. Dazu gehören der Kleine und der Große Schwedenbitter, der Melissengeist und verschiedene Aquavite („Aqua Vitae“ = Lebenswasser).

Besonders bitterstoffreiche Pflanzen werden häufig als in Lebenselixieren verwendet. Bitterstoffe haben eine verdauungsanregende Wirkung und stützen gleichzeitig Herz und Kreislauf. Somit regen sie die Energie an und wirken wirklich verjüngend und lebensverlängernd.

Ein ganz einfaches, sehr altes und eigentlich häufig in der Literatur erwähntes Lebenselixier aus Frankreich stellen wir euch heute vor. Es hat uns sofort angesprochen.
Das Elixier trägt den Namen Frênette und besteht aus nur zwei Zutaten, aus frischen Pflanzenteilen der Gewöhnlichen Esche (Fraxinus excelsior) und aus Weißwein. Angeblich kann man bei regelmäßiger Einnahme sehr alt werden. Schauen wir einmal…

Hier das ganz einfache Rezept: 

– 1 l fruchtiger Weißwein
– 1-2 Handvoll junge, frische Eschenblätter, -triebe oder -früchte

Die Pflanzenteile der Esche werden mit einem Messer zerkleinert und mit dem Wein aufgegossen. Die Mischung lagert man nun verschlossen für eine Woche dunkel und eher kühl. Der Wein sollte täglich geschüttelt und nach einer Woche abgeseiht werden.

Die Esche wird seit alters her zum Austreiben von Entzündungen verwendet und ist ein bekanntes Volksheilmittel bei Rheuma und Gicht. Sie kann schmerzlindernd wirken und regt die Leberfunktion an, wodurch sie entgiftend wirkt. Auch als vitalisierendes, nerven- und nierenstärkendes Mittel kommt die Esche heute noch zum Einsatz. Darüber hinaus können Eschen-Präparate den Cholesterinspiegel und auch Fieber senken.
Blätter, Triebe und Früchte der Esche enthalten eine Vielzahl wichtiger Pflanzeninhaltsstoffe wie Flavonoide, Polyphenole, Iridoide, Gerbstoffe, Cumarine, Sterole, ätherische Öle (v. a. in den Früchten), Mannitol, Apfelsäure und Schleimstoffe.
Alles in Allem ist dieser mächtige, schöne Baum mit den gefiederten Blättern, der gerne nahe am Wasser wächst, in verschiedener Hinsicht eine bemerkenswerte Pflanze.

Probiert die Frênette einfach einmal aus! Man sollte täglich zwei bis dreimal ein kleines Likörglas davon zu sich nehmen. Die Esche hat übrigens auch kulinarisch einiges zu bieten … doch davon ein andermal.

Hier findet ihr interessante Literatur zum Thema:

Amann, Max: Pflanzen für ein langes Leben – Traditionelle und moderne Heilpflanzenrezepte für Elixiere: https://www.natura-naturans.de/paracelsusmedizin/pflanzen-fuer-ein-langes-leben/, abgerufen am 16.6.2020.
Greiner, Karin: Bäume in Küche und Heilkunde. Aarau u. München: 2017.
Rippe, Olaf (u.a.): Altes Wissen in der Heilkunst von heute ; Philosophie, Astrologie, Alchimie, Therapiekonzepte. Aarau/Schweiz ; AT-Verl. ; 2002.

Schlehdorn – Prunus spinosa

Schlehenstrauch

Pflanzenfamilie: Rosengewächse – Rosaceae, Unterfamilie – Spiraeoideae

Volksnamen: Schlehe, Schwarzdorn, Schwarzdorn, Sauerpflaume, Reifzibarle, Heckendorn

Namensherkunft: Prunus bedeutet übersetzt „Pflaume“ und spinosa „dornig“

Boden & Standort:
Kalkhaltige bis lehmige Böden, auch steiniger bis felsiger Untergrund; es werden warme, sonnige Standorte bevorzugt; wächst besonders gerne entlang von Waldrändern, Hecken, Gebüschen; kultivierte Formen werden auch in Gärten angepflanzt. Der Schlehdorn wächst bis in einer Höhe von etwa 1500 m.

Lebensform:
Meistens kommt der Schlehdorn als bis zu 3 m hoher Strauch vor. In einigen Fällen wird er auch größer und kann baumförmig wachsen. Unterirdisch neigt der Schlehdorn zur Ausläuferbildung! Brachliegende Wiesen können daher innerhalb weniger Jahre vollständig überwuchert werden. Da er eine hohe Schnittverträglichkeit aufweist, wird er gerne zusammen mit anderen Heckenpflanzen wie Roter Hartriegel, Liguster, Schwarzer Holunder etc.  gepflanzt. Er erreicht ein Lebensalter von bis zu 50 Jahren.

Aufbau:
Der Schlehdorn besitzt eine schraubige (=wechselständige) Blattstellung (d.h. dass auch die Stellung der Knospen und der Triebe schraubig ist). Die Laubblätter sind eher klein und verkehrt-eiförmig, entlang der Vegetationspunkte oft in kleinen Büscheln angeordnet. Die Langtriebe des Schlehdorns sind mit zahlreichen Kurztrieben besetzt. Die Kurztriebe sind oft zu Sprossdornen umgewandelt (dornige Spitze am Ende des Kurztriebes). 1-jährige Triebe sind ohne Sprossdornen, 2- und mehrjährige Triebe besitzen bei vielen Exemplaren „lange-Sprossdornen“ mit Knospen (Laubblatt- und/oder Blütenknospen). Bei den Knospen ist auffällig, dass pro Knoten nicht nur 1 Knospe vorkommt, sondern oft 3 Knospen über einer Blattnarbe vorkommen. Die mittlere etwas spitzere Knospe entwickelt sich in der Regel zu einem Spross, die zwei seitlichen eher rundlichen zu Blütenknospen. Der Schlehdorn blüht vor dem Austrieb der Laubblätter!

Blütensymmetrie: radiärsymmetrisch, 5-zählige Blüten
Blütenfarbe: weiß
Blütezeit: März bis April
Verwendete Pflanzenteile:
Blüten und Früchte (=Steinfrüchte), Laubblätter, Rinden, Holz
Sammelzeit:
Blüten: März bis April; Früchte: September bis November; junge Laubblätter: gleich nach dem Abblühen; Rinde: Frühling und Herbst

Inhaltsstoffe:
Blüten: Flavonoide (besonders Quercetin und Kämpferol), Gerbstoffe und Blausäureglykoside;
Rinde: vor allem Gerbstoffe; Holz: ätherische Öle
Fruchtfleisch: Gerbstoffe, Bitterstoffe, Anthocyane, Vitamin C, Fruchtsäuren (Apfelsäure u.a.), Glykoside, Pektin, Rutin; Kerne: Eiweiß, Fette, Blausäureglykoside

Volksheilkundliche Anwendung:
In der Volksmedizin wurde der Teeauszug aus Blüten, jungen Laubblättern, Rinden und Früchten bei vielen Beschwerden und Erkrankungen eingesetzt. Die enthaltenen Gerbstoffe bewirken eine zusammenziehende (=adstringierende) Wirkung und eignen sich besonders bei Durchfallerkrankungen. Einige Quellen geben an, dass ein Blütenaufguss oder ein Aufguss junger, getrockneter Laubblätter nicht nur bei Durchfallerkrankungen eingesetzt werden kann, sondern generell bei Problemen des Verdauungssystems. Das lässt sich durchaus nachvollziehen. Denn die Wirkungsrichtung der Teeauszüge umfasst auch in eine harntreibende, abführende, fiebersenkende und entzündungshemmende Komponente. Auch als Gurgelwasser kann der Schlehdorn bei Entzündungen des Mund- und Rachenraumes eingesetzt werden.
Sehr bekannt ist jedoch die immunstärkende Wirkung des Schlehdorn-Likörs, der auch kulinarisch ein Delikatesse ist.
Ein besonderes Hausmittel ist ein Elixier aus Schlehenbltüen im Frühjahr. Es stärkt das Immunsystem bei kurmäßiger Einnahme nachhaltig und schmeckt auch noch vorzüglich.

Kulinarische Anwendung:
Bekannt ist die Schlehe vor allem wegen ihrer Früchte, die ab September geerntet werden.
Sie sollten einen starken Frost abbekommen haben, damit sie ihre Bitterkeit verlieren und verarbeitet werden können. Bei der Verarbeitung ist darauf zu achten, dass die Kerne der Schlehenbeeren vom Fruchtfleisch getrennt werden, da sie Blausäureglykoside enthalten.

Schlehenbeeren schmecken intensiv herb-säuerlich-fruchtig. Sie eignen sich hervorragend für die Herstellung von Marmelade, Saft, Likör, Schnaps, Saucen oder Chutney. Ein bekanntes Getränk ist Schlehen-Gin.

Auch Schlehenblüten sind eine Delikatesse. Aufgrund der enthaltenen Blausäureglykoside haben sie ein leichtes Bittermandelaroma. Sie eignen sich zum Aromatisieren von Sirupen, Likören, Joghurt, Smoothies, Tees und anderen Getränken, von Saucen und Süßspeisen. Vom übertriebenen Verzehr ist allerdings abzuraten, da sie in höheren Dosen auch abführend wirken können.

Hier findest du unsere köstlichen Schlehen-Rezepte:
Schlehen-Pannacotta auf Schlehensauce
Schlehensaft
Schlehenkekse

Sonstiges:
Das Holz des Schlehdorns ist sehr hart. Es eignet sich sehr gut als Schnitzholz, zur Herstellung von Axtstielen und weiterem Werkzeug, vor allem aber für Gehstöcke. Der Schlehdorn gilt neben der Kirschpflaume (Prunus cerasifera) als Elternsippe der Kultur-Pflaume.

Verwechslung:

Besonders im Winter mit Weißdorn (Crataegus sp.), ev. mit Kreuzdorn (Rhamnus cathartica) und „Kriecherl“ (Prunus domestica subsp. insititia)

Kleines Habichtskraut – macht glücklich

Kleines Habichtskraut

KLEINES HABICHTSKRAUT – Hieracium pilosella

Pflanzenfamilie: Korbblütler – Asteraceae

Volksnamen: Mausöhrlein, Nagelkraut, Felsenblümeli, Langhaariges Habichtskraut
zum Wort „Habicht“: Greifvögel wie Habichte sehen sehr scharf – eine Pflanze für die Sehschärfe, aber auch für den klaren Verstand
Boden & Standort:  sonnige Standorte, magerer Rasen, lichte Wälder, felsiges Gelände,
zeigt trockene, nährstoffarme Böden an
Blütezeit: Mai – Oktober
Essbar/giftig: essbar
Sammelzeit: Blüte und Kraut: Mai bis August, Wurzel: Herbst bis Frühjahr
Inhaltsstoffe: Flavonoide, Gerbstoffe, Cumarine (Umbelliferon), Schleimstoffe, Bitterstoffe, Triterpene (Taraxasterol)
Verwendete Pflanzenteile: gesamtes Kraut,Wurzel
Erscheinungsform:
Das Kleine Habichtskraut erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 30 cm.
Blätter: auf der Oberseite lang behaart (siehe Abbildung), auf der Unterseite graufilzig behaart, grundständig, schmal eiförmig
Stängel: blattlos, teils mit langen beblätterten Ausläufern
Blüten: eine endständige Blüte pro Stängel, auf der Unterseite oft rot gestreift, Hüllblätter behaart

Volksmedizin:

Das Kleine Habichtskraut war schon unseren Vorfahren in der Antike als Heilkraut bekannt. “Sehen wie ein Habicht” … das brachte man mit der Pflanze in Verbindung, da sie sich positiv auf die Sehkraft auswirken soll. Im übertragenen Sinn kann man damit auch in Verbindung bringen, dass das Kleine Habichtskraut geistige Klarheit verschafft. Dafür steht auch die Blütenessenz aus dem Kleinen Habichtskraut, die man auf einfache Weise selbst herstellen kann. Sie soll uns dabei helfen, Vergangenes loszulassen und einer klareren Sichtweise und einem Richtungswechsel Platz zu machen.

Auch die mild schleimlösende, entzündungshemmende und wundheilende Wirkung des Kleinen Habichtskrauts schätzten unsere Vorfahren. Im Mittelalter wurde der Pflanze große Bedeutung als Heilpflanze beigemessen. Man verwendete es unter anderem als Stärkungsmittel für geschwächte, oder verwundete Menschen. In diesem Fall wurde es oft in Kombination mit anderen Pflanzen in Wein gekocht und als Stärkungstrank verabreicht oder getrocknet, pulverisiert und als Pulver eingenommen.

Auch bei Wassereinlagerungen, starker Menstruationsblutung, Übergewicht, Leber-, Nieren- und Blasenleiden, Ohrenentzündungen und zahlreichen anderen Beschwerden wurde das Kleine Habichtskraut eingesetzt.
Neue Untersuchungen haben die stark antioxidative, antibakterielle, entzündungs- und cholesterinhemmende Wirkung der Pflanze bestätigt.

Am ehesten kennen wir das Kleine Habichtskraut heute noch aufgrund seiner entspannenden und stimmungsaufhellenden Wirkung. In manchen Ländern ist es als milder Cannabis-Ersatz bekannt. Eine Teekur mit Kleinem Habichtskraut kann herbstliche Melancholie auf jeden Fall lindern und ist einen Versuch wert! Auch als Kräutertabak tut das Kraut angenehme Wirkung.

Räuchern:

Da wir schon oft über die positven Eigenschaften des Kleinen Habichtskrauts als Räucherwerk gelesen hatten wurde heuer erstmals eine große Menge Blüten und Blätter des Kleinen Habichtskrauts im Garten geerntet und getrocknet.

Auch als Räucherwerk wird das Habichtskraut oft als milder Glücklichmacher beschrieben, der die Stimmung hebt, ohne das Bewusstsein sehr zu beeinflussen. Es stimmt! Eine Räucherung mit Habichtskraut hebt die Laune sofort, entspannt und verweist Sorgen auf die Plätze. In Form einer Räucherung wirkt die Pflanze wie ein mildes Antidepressivum und sorgt für Ausgeglichenheit.
Eine Habichtskraut-Räucherung stärkt auch unsere Intuition und wirkt desinfizierend und reinigend – auch der milde, warme Duft ist etwas Besonderes.

Kulinarik:

Das zarte Pflänzchen kann man auch essen: Die grünen Blätter schmecken unspektakulär “grün” und passen gehackt in Salate, Aufstriche oder Kräuterbutter. Sie können auch Gemüsespeisen aller Art roh oder gekocht beigefügt werden. Allerdings sind sie unserer Ansicht nach kein großes kulinarisches Highlight.

Viel mehr können wir den überaus hübschen, gelben Blüten abgewinnen, die leicht süßlich schmecken und mehr als eine schöne Dekoration sind. Sie machen sich gut in Frischkäse-Terrinen, Mousse, Kräuterbutter, auf Salaten und vielem mehr.
Heuer wurde erstmals auch ein glücklich machender Likör mit Habichtskraut angesetzt – wir werden sehen, ob er an trüben Wintertagen seine Wirkung tut – wir sind uns allerdings ziemlich sicher.

Hier unser Habichtskraut-Johanniskraut-Likör für glückliche Stunden:

Zutaten:

– 100 g Rohrzucker
– 70 ml Wasser
– 800 ml Korn 38%
– je 30 g Johanniskraut- und Habichtskrautblüten (statt Kleinem Habichtskraut kann auch Waldhabichtskraut verwendet werden)
– 1 Teelöffel Alant-Wurzel
– 20 Kardamomsamen, angemörsert
– 2 cm frische Ingwerwurzel, geschält und in Stücke geschnitten

Zucker und Wasser werden erhitzt und langsam zu einem Zuckersirup eingekocht, bis der Zucker geschmolzen ist. Dabei sollte man immer wieder umrühren – der Sirup darf nicht braun werden, sondern muss durchsichtig bleiben. Den Sirup lässt man nun auskühlen, bis er nur noch lauwarm ist.

Die Johanniskraut- und Habichtskrautblüten werden nun in eine große Flasche gefüllt und mit dem Ansatzkorn und dem Zuckersirup übergossen. Zuletzt werden die Ingwerscheiben, die Alantwurzelstücke und die Kardamomsamen beigefügt. 
Den Likör muss nun mindestens für sechs Wochen an einem hellen Ort bei Raumtemperatur reifen und sollte täglich einmal geschwenkt werden. Zuletzt abseihen und noch einige Wochen nachziehen lassen.
Der Likör ist im Winter fertig und hebt dann an dunklen Tagen die Laune!

Falls keine Johanniskrautblüten vorhanden sind, kann der Likör auch ausschließlich mit Habichtskrautblüten gemacht werden. 
Habichtskraut, Johanniskraut und Alant sind drei stimmungsaufhellende Pflanzen, die gut zusammenpassen.
Wir wünschen viel Freude mit dem Rezept!

Wir haben verschiedenste kulinarische und volksheilkundliche Anwendungsmöglichkeiten mit dem kleinen Habichtskraut ausprobiert und als Grundlage auch einige Quellen benutzt:
Fleischhauer, Steffen Guido und Jürgen Gutmann, Roland Spiegelberger: Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen. 2000 Pflanzen Mitteleuropas. Bestimmung, Sammeltipps, Inhaltsstoffe, Heilwirkung, Verwendung in der Küche. Aarau: AT Verlag, 2014.
Huber, Ellen: Pflanzenschätze der Ahnen. Linz: Freya, 2017.