Vitalpilz Schmetterlingstramete

Vitalpilz Schmetterlingstramete

Trameten


Vitalpilze wecken auch hierzulande immer mehr Interesse. Man sagt Ihnen große Heilkraft nach, doch im Gegensatz zur Verwendung von Wildkräutern ist das Sammeln und Nutzen heimischer Pilze zu volksmedizinischen Zwecken weniger bekannt.
Mit Vital- oder Heilpilzen verbinden wir im allgemeinen Pilze, die in fernen, ostasiatischen Ländern gedeihen und teuer gekauft werden müssen, doch das trifft keineswegs zu!
Sogar die legendären Vitalpilze wie den Chaga (Schiefer Schillerporling) oder den Reishi (Glänzender Lackporling) kann man in Österreichs Wäldern finden.

Noch viel öfter treffen wir bei uns auf die wunderschöne Schmetterlingstramete (Trametes versicolor).
Sie gehört zur Familie der Stielporlingsverwandten (Polyporaceae) und ist bei uns so häufig anzutreffen, dass man oft regelrecht über sie stolpert. Zudem ist sie in Asien einer der wichtigsten Heilpilze, und auch in Europa schenkt man ihr mittlerweile endlich mehr Beachtung. Mit etwas Kenntnis können wir diesen Pilz selbst sammeln, einfach verarbeiten und nützen.

Hier einige Details, die euch beim Sammeln und Verarbeiten helfen sollen:

Wo finden wir die Schmetterlingstramete?
Wir können sie ganzjährig auf verrottendem Holz antreffen. Meist wächst der einjährige Pilz auf Baumstümpfen, wir finden ihn aber auch auf herabgefallenen, abgestorbenen Ästen und Baumstämmen. Besonders gerne mag er die Rotbuche als Wirtsbaum, aber auch auf Eichen, Weiden und anderen Laubbäumen ist er immer wieder zu finden.
Die Schmetterlingstramete lebt überwiegend saprobiontisch – das heißt, dass sie Totholz zersetzt. Das klingt zunächst nicht sehr verlockend, doch ist sie neben dem Chaga und dem Reishi wohl der bekannteste und am besten erforschte Heilpilz mit einem besonders großen Wirkungsspektrum.

Zur Lebensweise des Pilzes:
Die Schmetterlingstramete entwickelt im Inneren des abgestorbenen Holzes ein weitverzweigtes Geflecht aus feinen, weißen Fäden (Hyphen) und nutzt auf diese Art und Weise die Nährstoffe des Holzes. Gleichzeitig hilft sie beim Abbau des Holzes in seine mineralischen und organischen Ausgangsstoffe.

Erkennungsmerkmale der Schmetterlingstramete:
Das ganze Jahr über, besonders aber von August bis zum Frühjahr, entstehen auf befallenen Ästen und Baumstämmen fächerförmige bis rüschenartige Fruchtkörper (= Hüte). Sie kommen meist in großer Zahl vor, stehen immer vom Holz ab und sind nicht breiter als 3 bis 8 Zentimeter.
Die ungestielten Hüte  unterscheiden sich von anderen Arten ähnlichen Aussehens durch ihre geringe Dicke und ihre scharfkantigen Ränder. Die Anwuchsstelle zum Holz beträgt maximal 3 mm.
Die samtig behaarte Hutoberseite ist in verschiedene, unterschiedlich gefärbte Zonen gegliedert.
Ihr mannigfaltiges Farbspektrum reicht von beige über ocker bis braun, olivgrün, rot, blau, grau, weiß- und schwarz. Vor allem Schwarztöne sind immer enthalten. Die außenliegende, jüngste Zuwachszone ist immer hell – fast weiß.
Farblich kann die Hutoberseite also durchaus recht variieren! Hier ein paar Beispiele dafür, wie Schmetterligstrameten von oben aussehen können:

Die Hutunterseite ist bei jungen Fruchtkörpern weiß, später kann sie hellbraun werden. Auf ihr befinden sich viele kleine, punktartige Poren:


Einsatzgebiete der Schmetterlingstramete:
Die Schmetterlingstramete wird vor allem in China, aber auch in anderen ostasiatischen Ländern seit Jahrzehnten offiziell in der Krebstherapie eingesetzt. Zu ihrem Wirkungsspektrum gibt es mittlerweile hunderte medizinische Studien. Was den attraktiven Pilz heilkundlich so interessant macht, sind vor allem enthaltene komplexe Kohlehydrate (Polysaccharide), die entartete Zellen eliminieren und das Immunsystem besonders stimulieren können. Weiters beruht die Wirkung des Pilzes auf enthaltenen Sterolen und Enzymen. Auch im Einsatz gegen zahlreiche Viren und Bakterien – bei Erkältungen, Lungenentzündungen, Herpes, Hepatitis-B, HIV und vielen anderen Erkrankungen – kann die Schmetterlingstramete ihre Wirkung entfalten.
Die Traditionelle Chinesische Medizin schätzt den von der Schulmedizin in den letzten 40-50 Jahren wiederentdeckten Pilz übrigens schon seit vielen Jahrhunderten. Er wurde schon mindestens 200 Jahre v. Chr. in heilkundlichen chinesischen Schriften erwähnt.

Kulinarisch ist die Schmetterlingstramete weniger bedeutend, weil sie sehr zäh ist. Da sie aber eigentlich sehr gut schmeckt, eignet sie sich vor allem für die Herstellung von aromatischem Pilzpulver und Tee. So kann man kulinarische und volksmedizinische Nutzung verbinden.
Pilzkennern ist sie auch als „Waldkaugummi“ bekannt – die zähen, dünnen Fruchtkörper werden gerne gekaut, schmecken pilzartig-fruchtig und regen den Speichelfluss an.
Kocht man Schmetterlingstrameten, so kann das Kochwasser auch gut für Pilzsuppen oder Saucen weiterverwendet werden kann.

Wir verarbeiten die Schmetterlingstramete gerne auf zweierlei Art:

  • Pilzpulver
    Zunächst werden frische Fruchtkörper gesammelt und gesäubert, falls sie schmutzig sind.
    Anschließend werden sie getrocknet und zu Pulver gemahlen.
    Die gesammelten Trameten werden hierfür entweder in einem trockenen, nicht zu kalten Raum aufgelegt und langsam getrocknet oder zum Trocknen ins Dörrgerät bzw. ins Backrohr gelegt (Temperatur ca. 40°C).
    Man kann die Trameten vor dem Trocknen in Streifen schneiden oder in bereits getrocknetem Zustand leicht in Stücke brechen.
    In einer Kaffeemühle oder mit dem Pürierstab lassen sie sich leicht mahlen.
    Das so gewonnene wertvolle Pulver sollte sofort luftdicht verschlossen und dunkel gelagert werden.

    Pilzpulver sollte in Speisen immer mitgekocht werden! Dadurch werden bei Pilzen keine wichtigen Inhaltsstoffe zerstört, aber die auf den Pilzen lebenden Parasiten unschädlich gemacht. Auch die in vielen Pilzen enthaltenen Hämolysine, die blutzersetzend wirken, werden so zerstört – daher eine goldene Regel beim Pilze verarbeiten: Pilze immer ausreichend kochen!
    Täglich in Speisen oder als Tee genossen kann Pulver aus der Schmetterlingstramete unser Immunsystem nachhaltig stärken und Schutz vor zahlreichen Erkrankungen bieten. Als Tee kann man das köstliche Pulver auch mit Wacholderbeeren mischen – schmeckt hervorragend und bietet doppelten antiviralen Schutz.
  • Getrocknete Schmetterlingstramete für Tee
    Noch einfacher ist es, gesammelte Schmetterlingstrameten für Tee zu trocknen.
    Dazu müssen sie genauso wie bei der Herstellung von Pilzpulver entweder im Ganzen oder in kleine Stücke geschnitten getrocknet werden. Falls die ganzen Fruchtkörper getrocknet werden, werden sie in getrocknetem Zustand in kleine Stücke gebrochen.
    Der getrocknete Pilz wird dunkel in gut verschlossenen Gläsern aufbewahrt.
  • Eine Teekur mit Schmetterlingstramete sollte mindestens einen Monat lang dauern.
    Bei schweren Erkrankungen wird der Tee laut Literaturangaben oft begleitend über viele Monate getrunken.
    Tagesdosis pro Person :
    1 Esslöffel getrocknete Schmetterlingstramete in kleinen Stücken oder 2 Teelöffel Pilzpulver auf 1/2 l Wasser
    Pilzaterial im Wasser zugedeckt aufkochen und 30 Minuten leicht weiterkochen lassen. Vom Herd nehmen, abseihen und über den Tag verteilt trinken.
    Der Tee ist wohlschmecken und gibt neue Energieschübe – das ist zumindest unsere Ansicht!

Verwechslungsmöglichkeiten:
Schmetterlingstrameten können durchaus mit anderen auf Holz lebenden Pilzen verwechselt werden, so etwa mit anderen Trameten-Arten oder mit Schichtpilzen (z. B. mit dem Samtigen Schichtpilz).
Jeder dieser Verwechslungspilze besitzt allerdings Merkmale, die nicht mit einer Schmetterlingstramete übereinstimmen, wie etwa anders gestaltete Poren oder dickere Hüte.
Es ist etwas Übung gefragt, aber leichter zu lernen als anfangs gedacht!
Hier einige Verwechslungsmöglichkeiten, die im Übrigen allesamt harmlos sind! Andere Trameten-Arten sind meist ebenfalls Vitalpilze, auch der Samtige Schichtpilz wird als solcher verwendet:

Hier findet ihr interessante Literatur zur Schmetterlingstramete und anderen Heilpilzen:
– Fischer, Gerit: Heimische Heil- und Vitalpilze. Murnau am Staffelsee: Mankau, 2020.
– Guthmann, Jürgen: Heilende Pilze. Die wichtigsten Arten der Welt. 2. Aufl., Wiebelsmheim: Quelle & Meyer, 2020.
– Rebensburg, Philip u. Andreas Kappl: Gesund mit Heilpilzen. Immunsystem stärken, Krankheiten heilen und Beschwerden lindern. München: Riva, 2020.

2 Antworten zu “Vitalpilz Schmetterlingstramete”

    • Wir machen regelmäßig Pilzseminare und Wanderungen. Der nächste Workshop ist am 3. Oktober, die nächste Pilzwanderung am 14. November :). Wär super, wenn du mal dabei bist!

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